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Emden

Emden feiert seine maritime Geschichte – gemeinsam mit niederländischen Nachbarn

Emden feiert in jedem Jahr Ende Mai sein großes Volksfest, die Emder Matjestage

Dann zeigt Emden sich in seinem schönsten Gesicht: der Binnenhafen liegt voller Traditionsschiffe und zu Füßen des Historischen Rathauses findet ein großer Jahrmarkt statt. Kulinarisch steht Fisch im Mittelpunkt, ganz vorn der Emder Matjes. Zigtausende Besucher aus Nah und Fern feiern mit.

Heringshandel zu Füssen des Emder Rathauses

Die Emder sind stolz auf dieses Fest, denn sie feiern Ihre Geschichte, Ihre Heringsgeschichte! In alten Zeiten fuhren die Schiffe direkt bis in den Binnenhafen und schlugen ihre Handelsware direkt vor dem Emder Rathaus um – direkt dort, wo heute die Emder Matjestage gefeiert werden. Schleusen gab es noch nicht, Emden war ein Tidehafen. Heringe, in viel Salz eingelegt und in Kantjes, hölzernen Heringstonnen, verpackt, waren an der gesamten Nordseeküste ein wichtiges Handelsgut und sind es in moderner Form, in Emden geblieben.

Die Emder Heringsordnung von 1597

Handel benötigt Vertrauen. Dieses Vertrauen war in Gefahr, als Emder Heringe von Hamburger Kaufleuten als „faule Fische“ beanstandet wurden. 1597 erließen der Emder Bürgermeister und der Rat die Emder Heringsordnung. Es wurde detailliert festgeschrieben, wie mit Heringen umzugehen ist: „Das Markieren, Klassifizieren und Brandmarken der Heringstonnen sowie das Fangen, Salzen, Hantieren, Packen, Aufpacken und Legen der Heringe mit allem, was dazu gehört“ wurde in 35 Paragrafen geregelt und die Strafe für Verstöße gleich festgelegt. So besagte zum Beispiel § 16: „Heringe dürfen nur auf offener Straße, Kaiungen und Plätzen, wo solches üblich ist, und in Häusern bei geöffneten Türen, damit jeder ungehindert zusehen kann, aufgepackt oder gepackt werden. Wer aber dennoch hinter geschlossenen Türen Heringe packt, aufpackt oder Personen den Zutritt verwehrt, der soll für jeden Verstoß 5 Gulden Strafe zahlen.“

Vom Hering zum Emder Matjes

Also, seit jeher gehen die Emder höchst verantwortungsvoll mit Fischen um. Wie wird aber nun aus einem Hering ein Matjes? In Kürze: Matjes ist Hering in seiner edelsten Form. Die Heringe, die zwischen Mitte Juni und Mitte August vor Norwegens Küsten gefangen werden, sind am fettesten und damit bestens geeignet für die Matjesproduktion. Auf See von Kopf, Schwanz, Gräten und Innereien befreit werden sie schockgefrostet nach Emden geliefert und hier am Binnenhafen, in der Firma Fokken und Müller, zu Emder Matjes gereift und zu verschiedenen Spezialitäten veredelt. Tradition und zeitgemäße Produktion sind im Emder Matjes optimal vereint.

Emder Matjestage – ein maritimes Volksfest

In der letzten Maiwoche wird es eng in Emden. Traditionsschiffe suchen im Gedränge des Binnenhafens einen Liegeplatz, Sportboote und Wohnmobile drängen sich im und am Hafen. Reisebusse suchen nach einem Parkplatz, Schausteller nach einem Standplatz und so mancher Gast nach einer Unterkunft. Die kleine Stadt Emden mit rund 50.000 Einwohnern kann die Gäste kaum fassen. Und am Freitagmorgen ist es endlich soweit: inmitten von beflaggten Holzschiffen, auf der AE7, Emdens letzten Heringslogger, prüft der Emder Oberbürgermeister Bernd Bornemann durch einen beherzten Biss in einen Fest - Matjes dessen Qualität und gibt, wenn er dann vorzüglich schmeckt, den Fisch und das Fest frei. Dann wird 3 Tage von früh bis in die Nacht gefeiert, geschlemmt und getanzt – in den Straßen, vor den Bühnen, auf den Schiffen.

Der Alte Fritz ordnet für Emden an: „Heringsfang statt Kriegsdienst!“

Nochmal zur Geschichte: Anfang des 18. Jahrhunderts war Emden Preußisch. Friedrich der Große machte sich Sorgen um die Ernährung seiner wachsenden Bevölkerung. Er reiste von Berlin an die Nordsee, bestimmte Emden zu seinem Heringshafen, und erließ den Emder Burschen dafür den Kriegsdienst. Also Hering statt Krieg- ein schönes Motto. In vielen schweren Zeiten war der Hering die Rettung für Emden. „Kartoffeln und Hering soll er fressen!“ befahl der Alte Fritz seiner Leibgarde, den Langen Kerls. Kennengelernt hat er diese nahrhafte Kombination wohl von den Niederländischen Baumeistern, die er als Spezialisten für Wasserbau für den Bau seines Schlosses Sanssouci in den Mooren vor Berlin beschäftigt hatte. Sie brachten die Kartoffel zu den Preußen.

Deutsche und Niederländer feiern in Emden

Auch die Entdeckung der Matjesreifung wird einem Niederländer zugesprochen, Wilhelm Beukelzoon um 1395. Er kehlte Heringe, entnahm die Eingeweide, legte sie in Salz, es bildete sich eine Lake, die den Hering reifte und länger haltbar machte. Heute liebt der Emder den Matjes als Tellergericht, mit grünen Bohnen, kleinen Kartoffeln und ausgelassenem Speck – so zelebriert beim Emder Matjesmahl am Freitag in der Johannes aLasco Bibliothek, einer Kirche, in der noch Anfang des letzten Jahrhunderts sowohl Deutsch als auch Niederländische gepredigt wurde - und so zu finden auf dem Festgelände in der Emder Heringsbraterei und beim Emder Bürgermahl am Sonntag. Aus den Niederlanden kommen traditionelle Matjeskarren, an denen der Matjes vor aller Augen frisch filetiert und als Party-Snack gleich aus der Hand gegessen werden. Zur Unterhaltung singen mehr als Tausend Sänger und Sängerinnen in Shanty - Chöre und Piratengruppen, viele davon aus den Niederlanden. Auch auf vielen Schiffen weht die Niederländische Fahne. Der Oosterstörm-Chor aus Groningen reist sogar auf einem alten Kutter, dem Lotskotter Eems an. Es ist ja nicht weit, wenn man von den Niederlanden aus die Freunde in Emden besuchen will.

27. Emder Matjestage vom 27.-29. Mai 2017 Freitag, 11 - 01 Uhr Samstag, 11 - 01 Uhr Sonntag, 11- 18 Uhr Fr., Sa. und So. Traditionsschifftreffen, Jahrmarkt, Musik auf Bühnen und Schiffen, Kinderfest Sa. und So. Flohmarkt, So. verkaufsoffener Sonntag Info.: www.matjestage.de, Emden Touristik: Tel: 04921-97400

(Redaktion)


 


 

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