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Emsland

Heilberufe im Internet: Rechtliche Fallstricke lauern überall

Vor einigen Jahren galten die Praxisinhaber noch als Marketing-Pioniere, die mit eigener Internetadresse und Homepage im Netz vertreten waren. Mittlerweile twittern sie, präsentieren die Arztpraxis auf Facebook oder stellen sich der Kritik auf Online-Bewertungsportalen. Eine Entwicklung, die Chancen aber auch Risiken birgt.

Dialogorientierung statt einseitigem Informationstransfer. Das Internet hat sich innerhalb der letzten vier Jahre vom Informationskanal zum Interaktionsmedium entwickelt. Und so verwundert es nicht,  dass sich auf Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter neben Wirtschaftsunternehmen nun auch Arztpraxen tummeln, die Weihnachtsgrüße an ihre „Fans“ und „Follower“ senden oder öffentlich ihren Praxismitarbeitern zur bestandenen Abschlussprüfung gratulieren. Reaktionen auf solche „Posts“ in Form von „Gefällt-mir“-Klicks oder einem netten Kommentar sind durchaus erwünscht und der „digitale“ Lohn für die mit der Online-Gemeinschaft geteilten Inhalte. 

Neue rechtliche Anforderungen durch den Einsatz von Social Media

Doch der Einsatz von Facebook & Co. ist durchaus kritisch zu sehen. Denn genauso wie bei der Praxishomepage gibt es auch hier vieles zu beachten. „Praxisinhaber verlassen den eigenen digitalen Einwirkungsbereich, wenn sie ihre Kommunikation auf Plattformen von Drittanbietern ausweiten“, so Hannes Albers, Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht aus dem niedersächsischen Lingen. Albers berät Unternehmen und Freiberufler im Fernabsatz und E-Commerce in rechtlichen Fragen des IT-Rechts und des gewerblichen Rechtsschutzes. Der Rechtsanwalt betrachtet die Präsenz von Arztpraxen auf Facebook und Twitter mit Skepsis. Denn die populärsten Social-Media-Plattformen befinden sich auf amerikanischen Servern. Und das macht die Sache aus seiner Sicht noch komplizierter: „Die datenschutzrechtlichen Vorgaben sind für Geheimnisträger wie Ärzte streng geregelt. Bei Facebook und Twitter kollidiert deutsches mit amerikanischem Recht. Und darüber müssen sich die Vertreter der Heilberufe einfach bewusst sein.“

Verstöße gegen das Heilmittelwerbegesetz auf Praxishomepages

Zustimmung erfährt Albers von seinem Kollegen Urs Fabian Frigger aus dem westfälischen Münster. Frigger ist als Rechtsanwalt in einer auf das Medizinrecht spezialisierten Kanzlei tätig. Obwohl Praxishomepages mittlerweile zum Standardwerkzeug des Praxismarketings gehören, sieht er bei vielen Homepages noch immer Handlungs- und Beratungsbedarf: „Bevor Ärzte den nächsten Schritt in Richtung Social Media machen, sollten sie zunächst ihre Praxishomepage kritisch überprüfen. Das fängt schon bei der Wahl der Domain an.“ Und auch bei der Online-Darstellung der medizinischen Ausstattung oder neuen Behandlungsformen gehen aus seiner Sicht manche Praxen manchmal einen Schritt zu weit. „Wenn auf der Homepage mit in der Praxis verwendeten Medizintechnologien geworben wird, um sich und seine Praxis als besonders innovativ darzustellen, kann hier schnell ein Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz vorliegen“, so Rechtsanwalt Frigger.

Zertifizierte Fortbildungsveranstaltung soll für Aufklärung sorgen

Die Rechtsanwälte Hannes Albers und Urs Fabian Frigger möchten daher Heilberufe über den rechtssicheren Umgang mit Onlinemedien informieren. Gemeinsam mit dem eBusiness-Lotsen Emsland, einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt, und dem Gesundheitsnetz Genial Lingen haben sie eine Informationsveranstaltung am 11. Februar im niedersächsischen Lingen organisiert. In zweieinhalb Stunden werden Teilnehmer aus dem Gesundheitswesen unter anderem über korrekte Domains für Praxishomepages informiert, die rechtlichen Fallstricke für Heilberufe in sozialen Netzwerken kennenlernen und über Tücken von Online-Bewertungsportalen aufgeklärt. „Vom Urheberrecht bis hin zur Berufsordnung werden wir an diesem Nachmittag sämtliche Rechtsgebiete auf die Onlinemedien anwenden und zudem einige Praxisbeispiele zeigen, wie man es nicht machen sollte“, so Hannes Albers. 

Für Ärzte aus Niedersachsen bietet die Veranstaltung einen zusätzlichen Anreiz: die Veranstaltung wurde von der Ärztekammer Niedersachsen als Fortbildungsveranstaltung mit vier Fortbildungspunkten anerkannt.

Beginn der Veranstaltung ist um 15 Uhr. Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben. Die Veranstalter empfehlen aufgrund der beschränkten Teilnehmerzahl eine frühzeitige Anmeldung über die Internetseite www.ebusiness-lotse-emsland.de. Anmeldeschluss ist der 6. Februar.

(Redaktion)


 


 

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