Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Finanzen
Weitere Artikel
EnBW

Hans-Peter Villis räumt zum 1. Oktober den Chefsessel

Der Atomfreund Hans-Peter Villis und die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg - das passte zusammen wie Feuer und Wasser. Schlecht für Villis, denn als EnBW-Vorstandsvorsitzender war er auf die Unterstützung der Politik angewiesen, ist das Land doch seit dem umstrittenen und verfassungswidrigen Einstieg unter dem CDU-Ministerpräsidenten Stefan Mappus mit 46,5 Prozent größter Anteilseigner des drittgrößten deutschen Energieversorgers. Nach fünf Jahren macht Villis nun zum 1. Oktober mehr oder weniger freiwillig Platz für den E.on-Manager Frank Mastiaux.

Von Matthias Jekosch

Der 1958 in Castrop-Rauxel geborene Villis war gewissermaßen von Kindesbeinen an mit dem Energiegeschäft konfrontiert. Sein Vater war Bergarbeiter.

Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Bochum ging Villis zielstrebig in die Energiebranche. Nach Zwischenstationen bei der Ruhrkohle und Veba Kraftwerke Ruhr AG (VKR), einem der Vorgängerunternehmen des Düsseldorfer Energiekonzerns E.ON, baute er ab 1993 als kaufmännischer Geschäftsführer die Städtischen Werke Magdeburg auf. Über weitere Tätigkeiten bei der E.ON empfahl er sich dann für höhere Aufgaben. 2007 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der EnBW.

Ein Jahr nach seinem Amtsantritt bei der EnBW sagte Villis der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Für mich ist Kernkraft nicht nur eine Übergangstechnologie, sondern die Zukunft." Die EnBW setzte mit einem Anteil von 51 Prozent am Energiemix unter den großen deutschen Stromanbietern am stärksten auf die Kernkraft. Das ging auch lange gut und brachte dem Konzern Milliardenbeträge ein.

Doch spätestens mit der neuen grün-roten Landesregierung und dem von der Bundesregierung beschlossenen Atomausstieg geriet Villis in Bedrängnis. Die EnBW musste nach der Katastrophe von Fukushima zwei von vier Atommeiler vom Netz nehmen und schrieb in der Folge tiefrote Zahlen.

Streit mit EWE um VNG-Anteile

In der Koalition wurde unter der Hand zudem kein Hehl daraus gemacht, dass man den Atomkraft-Verfechter Villis für den falschen Mann hielt, die Energiewende für die EnBW mit ihren 21.000 Mitarbeitern einzuleiten. "Das hat mich schon getroffen und auch traurig gemacht, weil es nicht stimmt", sagte Villis den "Stuttgarter Nachrichten".

Er war gewissermaßen zur falschen Zeit am falschen Ort. Da half es auch nichts mehr, dass er 2011 eine leichte Kehrtwende machte und dem "Handelsblatt" sagte: Wenn es "keine gesellschaftliche Akzeptanz für die Kernkraft" mehr gebe, "müssen wir darauf reagieren".

Lange Zeit agierte Villis auch unglücklich bei der Gasstrategie des Konzerns. So stieg er 2009 mit einem als überzogen kritisierten Kaufpreis bei dem Oldenburger Energieversorger EWE ein. Dadurch wollte er der EnBW einen besseren Zugang zum Gasmarkt eröffnen. Denn EWE hält knapp 48 Prozent der Anteile an dem Leipziger Gasunternehmen VNG. Doch 2011 führte das Geschäft noch zu Abschreibungen, zudem streiten sich EWE und EnBW darum, ob die Karlsruher eine Pflicht zum Kauf des VNG-Anteils haben. Im Juli konnte der Konzern zumindest den Abschluss eines langfristigen Gasliefervertrages mit einem ausländischen Gasproduzenten verkünden.

Da stand der Villis-Abschied schon längst fest. Der Aufsichtsrat hatte sich mit der Personalie und einer möglichen Verlängerung viel Zeit gelassen - so viel, dass Villis selbst im vergangenen Dezember entnervt die Reißleine zog und ankündigte, nicht für eine Vertragsverlängerung zur Verfügung zu stehen.

Aufsichtsrat beim VfL Bochum

Nun hört für Villis das Pendeln in den "Pott" zunächst auf. Während seiner Zeit in Karlsruhe blieb er weiterhin mit seiner Familie in Castrop-Rauxel wohnen. Aber das Ruhrgebiet ist für ihn mehr als nur Wohnsitz. So sitzt er beim Fußballverein VFL Bochum im Aufsichtsrat und wird sein Engagement dort noch ausweiten. Anfang des Monats übernahm er den Vorsitz des Gremiums und sagte nach seiner Wahl: "Die neue Aufgabe gehe ich mit viel Herzblut an."

Zunächst wird auch keine andere Tätigkeit sein Herzblut mit beanspruchen. Bei der Auswahl eines neuen Jobs nach seiner Tätigkeit bei der EnBW lässt sich Villis Zeit. Er wolle in den nächsten Monaten gemeinsam mit seiner Familie entscheiden, was er beruflich künftig mache, sagte er kürzlich den "Stuttgarter Nachrichten". Es gebe bereits drei bis vier Angebote.

(dapd)


 


 

Villis
EnBW
Aufsichtsrat
Bundesregierung
Tätigkeit
EWE
Kernkraft
Anteil
VfL Bochum
VNG

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Villis" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: