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RWE-Chef Großmann

"So viele Energieexperten wie sonst nur Fußball-Bundestrainer"

Vor der Essener Grugahalle werden die RWE-Aktionäre von Atomkraftgegnern mit lauten "Abschalten"-Rufen empfangen. Rund 200 Demonstranten forderten am Mittwoch auf Plakaten: "Atombosse nach Fukushima".

Von Erich Reimann

Doch RWE-Chef Jürgen Großmann zeigt sich von den Anti-Atom-Protesten unbeeindruckt. "Wir betreiben Kernkraftwerke. Und dazu stehen wir", ruft er den Aktionären auf der ersten RWE-Hauptversammlung nach der Reaktorkatastrophe in Japan zu. Vehement warnt der Manager vor den Folgen eines übereilten Atomausstiegs für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Ein solcher Schritt gefährde Arbeitsplätze und Wohlstand in der Bundesrepublik. Dabei sei der Sicherheitsgewinn angesichts von 143 Kernkraftwerken in Europa marginal.

Sein Urteil über die Kernkraftkritiker lässt an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig. "Wir haben derzeit in Deutschland so viele Energieexperten wie sonst nur Fußball-Bundestrainer. Stimmen echter Fachleute gehen in diesem Grundrauschen unter", meint er.

Doch die starken Worte können nicht verdecken, dass der Manager mit seinem Pro-Atom-Kurs zunehmend unter Druck gerät - auch bei den Aktionären. Hans-Christoph Hirt von der Vereinigung institutioneller Privatanleger etwa kritisiert auf der Hauptversammlung den Konfrontationskurs Großmanns in Sachen Atommoratorium. Der Konzern setze sich damit erheblicher Risiken bezüglich seiner Reputation und Akzeptanz aus.

Großmann warnt vor höheren Preisen

Andere Aktionärsvertreter kritisieren die Pläne des Konzerns zum Bau neuer Kernkraftwerke im Ausland: "Neues Geld für derartige Hochrisikotechnologien wird es mit unserer Unterstützung nicht geben", sagt etwa ein Vertreter des Investmentfonds Union Investment.

Welche Sorgen inzwischen die Aktionäre umtreiben, macht auch Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger deutlich, als er die Aktionäre daran erinnert, ein Unfall wie in Fukushima bedeute auch den "Untergang des betroffenen Energieversorgers".

Angesichts dieser ungewohnten Kritik aus dem Aktionärskreis verblassen die Proteste von Atomkraftgegner, die es geschafft haben, Anti-AKW-Transparente in die Grugahalle zu schmuggeln und schnell von Sicherheitskräften aus der Halle gedrängt werden.

Es ist kein leichter Tag für Großmann. Manchmal scheint der RWE-Chef bei seiner Rede selbst das Gefühl zu haben, auf verlorenem Posten zu stehen. Es gehe nicht mehr darum, ob man aus der Atomenergie aussteige, sondern wie schnell es geschehe, sagt er an einer Stelle und fügt hinzu: "Wenn es der feste Wille der Mehrheit der deutschen Bevölkerung und der sie vertretenden Politik ist, zukünftig auf Kernkraft zu verzichten, werden wir uns dem nicht verschließen. Es gilt klar das Primat der Politik."

Doch warnt er, ein solcher Schritt werde Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe verursachen. Es sei eine Illusion zu glauben, ein beschleunigter Ausstieg koste nichts und sei klimaneutral zu machen, sagt Großmann. Nicht nur die Industrie, sondern auch die Privatverbraucher müssten dann mit höheren Strompreisen rechnen.

(dapd )


 


 

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