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Es geht um Milliarden

Zypern setzt große Hoffnungen auf Gasvorkommen vor seiner Küste

Ob im Streit mit der Eurogruppe kurzfristig Plan A, B oder C greift, beschäftigt zwar Zyperns Tagespolitik. Langfristig aber setzt die Inselrepublik auf Aphrodite. Denn dort, im gleichnamigen Gasfeld vor der zyprischen Küste, liegen Milliarden Kubikmeter Erdgas im Meer. Bis zu 7.000 Meter tief zwar, aber zugänglich.

Von Heinz Krieger

Die amerikanische Noble Energy Inc. begann im September 2011 mit Probebohrungen. Im Block 12 des Explorationsbereichs war sie erfolgreich. Er liegt nur wenig mehr als 30 Kilometer westlich des gigantischen Erdgasfeldes Leviathan vor der israelischen Küste, das ebenfalls von Noble ausgebeutet wird. Vom 8. bis 12. April führt die Eastern Mediterranean Gas Conference in Nikosia Vertreter der wichtigsten Energiekonzerne zusammen, von Noble bis Lukoil oder Repsol und GDF Suez. Losgelöst von allen aktuellen Turbulenzen geht es dabei um die Zukunft der Gas- und Öl-Region östliches Mittelmeer.

Zukunftskonto vor der Küste

Die Angaben über Menge und Wert des zyprischen Gases schwanken. Sie wurden anfänglich auf 80 Milliarden Euro geschätzt, inzwischen reichen sie bis zu 600 Milliarden. Die Menge des Tiefseegases wird derzeit nach den Noble-Explorationen auf drei bis neun Billionen Kubikfuß (85 bis 255 Milliarden Kubikmeter) geschätzt, berichtet CyprusGasNews. Zum Vergleich: Das israelische Leviathan-Gasfeld soll etwa 17 Billionen Kubikfuß enthalten.

Wo Gas ist, da ist auch Öl. Bei Noble geht man von 3,7 Milliarden Barrel (ein Barrel sind 160 Liter) Erdöl und fünf bis acht Billionen Kubikfuß Erdgas im zyprischen Block 12 aus. Die Produktion kann nach der derzeitigen Projektion frühestens 2017 für den zyprischen Eigenbedarf und ab 2018 für den Export beginnen.

Gasprom ante portas?

In den hektischen ersten Tagen der Zypernkrise um die EU-Rettungsaktion wurden Gerüchte laut, der russische Energieriese Gasprom könnte die Finanzen der Inselrepublik retten und dafür als Gegenleistung Schürfrechte auf dem Gasfeld bekommen. Sie wurden rasch wieder dementiert. Dennoch wurde aufmerksam vermerkt, dass der zyprische Finanzminister Michalis Sarris nach den vermeintlich ergebnislosen Gesprächen mit seinem russischen Amtskollegen Anton Siluanow im Moskauer Energieministerium vorsprach.

Zyperns Erdgashoffnung liegt in einem geopolitisch heißen Gebiet gegenüber den Küsten von Türkei, Syrien, Libanon, Israel und Ägypten. Mit der Türkei verbindet die griechische Republik ohnehin ein gespanntes Verhältnis. Zwar hatten 2009 die EU, die Vereinten Nationen und die USA den Explorationen zugestimmt. Die Türkei aber, die seit 1974 den Nordteil der Insel besetzt hält, drohte mit dem Eingreifen ihrer Kriegsmarine. Dazu kam es dann allerdings nicht. Die türkische Regierung erkennt bis heute das von Zypern beanspruchte Meeresgebiet südlich und südöstlich der Insel nicht an, obwohl Nikosia sich 2003 mit Ägypten, 2007 und Israel 2010 über die Seegrenzen im Mittelmeer geeinigt hatte.

Solidaritätsfonds offenbar ohne Gas-Erwartungen

Zwar hat die erst seit drei Wochen amtierende zyprische Regierung unter Präsident Nikos Anastasiadis am Donnerstag einen Solidaritätsfonds beschlossen. Mit ihm sollen die 5,8 Milliarden Euro aufgebracht werden, die die Eurogruppe als Eigenleistung verlangt, um die zugesagten zehn Milliarden Euro an EU-Hilfe für Zypern freizugeben. Auf die zukünftigen Gas-Gewinne allerdings wird dabei offenbar doch nicht Bezug genommen. Stattdessen werden alle Vermögen des Staates zusammengefasst, auch die Goldreserven und Gelder der orthodoxen Kirche.

Sie dienen zur Absicherung von Notanleihen, die geforderten Eigenanteil erbringen sollen. Von Zwangsanleihen auf die Einlagen bei zyprischen Banken war nicht mehr die Rede. Die hatte das Parlament in Nikosia unmißverständlich abgelehnt. Die Regierung in Nikosia hofft, bis zum Montag die verlangten Milliarden zusammen zu bekommen. Denn dann läuft die jetzt als Notmaßnahme fortgeführte Liquiditätshilfe der Europäischen Zentralbank für Zypern aus.

(dapd)


 


 

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