Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
Analyse

Etappensieg im "Geldautomaten-Krieg" für Direktbanken

Das Landgericht Verden hat in dieser Woche die einstweilige Verfügung mehrerer Direktbanken gegen die Sparkasse Nienburg vorläufig bestätigt und einen dagegen gerichteten Einspruch abgewiesen. Die Auseinandersetzung ist Teil eines deutschlandweiten "Geldautomaten-Krieges", bei dem es um Marktanteile und Betriebskosten in Millionenhöhe geht, um die sich die Sparkassen von den Direktbanken gebracht fühlen.

Mit der Zurückweisung des Einspruchs gegen die einstweilige Verfügung mehrerer Direktbanken, können Kunden mit VISA-Karten der Citibank, ING-DiBa, Santander Consumer Bank und der Volkswagen Bank derzeit immer noch Geld an den Geldautomaten der Sparkasse Nienburg abheben. Zuvor hatte das öffentlich-rechtliche Geldinstitut seine Automaten - wie eine Reihe anderer Sparkassen in Deutschland auch - für die VISA-Kreditkarten der Direktbank-Anbieter sperren lassen.

Sparkassen fühlen sich von Direktbanken missbraucht

Hintergrund ist, dass sich die deutschen Sparkassen von den Direktbanken mißbraucht fühlen und auf eine Erhöhung der Entgelte für die Nutzung ihrer Geldautomaten pochen. Die Direktbanken wiederum verweisen auf die Einhaltung der regulären Konditionen des Kreditkartenanbieters VISA, wonach bei Abhebungen mit der VISA-Card an Geldautomaten ein Nutzungsentgelt von 1,74 Euro fällig wird, welches dann an den jeweiligen Geldautomatenbetreiber abgeführt wird. Dieses ist aus ihrer Sicht kostendeckend. Die Sparkassen widersprechen, nennen aber keine konkreten Zahlen. Ein weiterer Aspekt des Streits ist, dass bei vielen Kontenmodellen der Direktbanken bei einer Abhebung keine Gebühren mehr für die Kunden anfallen. Der VISA-Kniff entwickelt sich somit auch zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für die Kontenmodelle der Sparkassen auf Basis der bekannten EC-Karte. Auf diese Weise nutzen die Direktbanken ein über Jahrzehnte hinweg bundesweit gewachsenes Automaten-Netz verschiedener Banken und Sparkassen und jagen diesen zugleich mit kostenlosen Online-Konten Kunden ab, verraten Sparkassen-Vertreter auf Nachfrage. Ärger mit den Platzhirschen war da vorprogrammiert. Vor allem die Sparkassen betreiben mit über 25.000 Geräten mehr als die Hälfte aller Geldautomaten in Deutschland. Und das zum Teil bis in den letzten Winkel der Republik. Die Direktbanken hingegen verfügen häufig kaum über eigene Filialen, geschweige denn ein gut ausgebautes Geldautomaten-Netz. Während beispielsweise die ING-DiBa dank einer bundesweiten Geldautomaten-Kooperation mit Aral und seit kurzem auch Media Markt auf ein Netz von etwas über 1.100 Geräten blicken kann, kann die Volkswagen-Bank deutschlandweit gerade einmal ganze 21 eigene Automaten vorweisen. Zumeist auch nur in der Nähe eines VW- oder Audi-Werkes.

ING-DiBa erwirkt einstweilige Verfügung gegen Regional-Sparkassen

Nachdem Gespräche zwischen beiden Seiten gescheitert waren, reagierte im September eine Reihe von Sparkassen mit der Sperrung ihrer Geldautomaten für die ungeliebte Internet-Konkurrenz. Darunter auch die Sparkasse Nienburg. Mehrere Direktbanken um die ING-DiBa erwirkten dagegen einstweilige Verfügungen vor Gericht. Nach Angaben der ING-DiBa entsperrten 10 weitere Sparkassen ihre Geldautomaten freiwillig. Dazu beigetragen haben dürfte sicher auch die Aussicht für manch kleinere Sparkasse, über Jahre hinweg in einen Rechtsstreit mit den großen Direktbank-Konzernen verwickelt zu werden. Die Sparkassen gehören ihrerseits nicht zu einem Konzern, sondern sind in der Regel regional verankert und öffentlich-rechtlich organisiert.

Gerichte stehen noch am Anfang

Zwar konnten die Direktbanken nun vor dem Landgericht Verden erwirken, dass ihre Kunden auch weiterhin an Sparkassenautomaten mit Bargeld versorgt werden, jedoch handelt es sich bei der einstweiligen Verfügung lediglich um einstweiligen Rechtsschutz im Rahmen eines laufenden Rechtsstreits. Insofern ist eine endgültige Entscheidung bisher weder vor dem Landgericht Verden noch anderswo gefallen. Vielmehr, so erfuhr Business On aus Justizkreisen, haben die Richter das Verhältnismäßigkeitsprinzip angewandt, damit den Direktbanken bis zu einem abschließenden Gerichtsurteil nicht ihre Geschäftsgrundlage durch die Sparkasse als Klagegegnerin entzogen wird. Da die Kontrahenten fortlaufend den Druck erhöhen, ist denkbar, dass irgendwann eine Seite nachgibt und man den "Geldautomaten-Krieg" außergerichtlich beilegt. Im Augenblick sieht aber alles nach einem langwierigen Rechtsstreit mit Symbolcharakter für die gesamte Bankenbranche aus. Ob er bei der Sparkasse Nienburg oder bei einer der zahlreichen anderen Sparkassen ausgefochten wird, ist derzeit aber noch unklar.

(Redaktion)


 


 

Geldautomaten-Krieg
ING-Diba
Sparkasse
Verden
VISA

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Geldautomaten-Krieg" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: