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Bahn-Signalsystem

Ramsauer favorisiert vorerst billigere Zwischenlösung statt ETCS

Das Bundesverkehrsministerium will aus Kostengründen die Einführung des modernen, 4,5 Milliarden Euro teuren Signalsystems ETCS auf den vier wichtigsten Bahn-Magistralen strecken.

Von Thomas Rietig

Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle plädierte für eine offene Diskussion darüber, ob das Ziel, moderne Fahrzeuge für verschiedene Systeme kompatibel zu gestalten, nicht auch kostengünstiger und sogar schneller zu erreichen sei. Er schlug eine nach Ministeriumsangaben nur 200 Millionen Euro teure Übergangslösung vor.

Die "Financial Times Deutschland" zitierte am Montag Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit den Worten, die von der EU geforderte Ausrüstung mit dem ETCS-System sei selbst über zehn Jahre "nicht darstellbar". Scheurle plädierte für ein STM genanntes System, das mit einem Zusatzgerät an Bord der Lokomotiven auskommt. ETCS solle trotzdem langfristig eingebaut werden.

"Unser gemeinsames Ziel ist ein europaweit durchgängiger Schienenverkehr. Wie wir dieses Ziel erreichen, muss offen diskutiert werden", sagte der Staatssekretär. Die Ausrüstung moderner Triebfahrzeuge mit einer Technologie, die mit verschiedenen Leitsystemen zurecht kommt - das sogenannte STM System - sei viel schneller realisierbar und sehr viel kostengünstiger als die Ausrüstung der Strecken mit ETCS.

Industrie wartet ab

Die Bahnindustrie setzt sich seit Jahren für die ETCS-Umrüstung ein. Die Deutsche Bahn AG, deren Netztochter die fraglichen Strecken gehören, argumentiert dagegen, dass die derzeitigen Systeme denselben Zweck mit Ausnahme der Interoperabilität erfüllen. Der Sprecher des Verbands der Bahnindustrie, Sascha Nicolai, sagte auf dapd-Anfrage, die Industrie setze weiterhin darauf, dass die zugesagten Investitionssummen flössen, und auf die Fortsetzung des gemeinsamen Dialogs.

Die EU-Kommission hatte die Mitgliedstaaten 2009 verpflichtet, zur Stärkung des europaweit durchgängigen Schienenverkehrs auf vier Pilotstrecken ETCS infrastrukturseitig, also an den Schienen, einzuführen. Jedes Eisenbahnverkehrsunternehmen, also die Lokomotivbetreiber, müsste dann seinerseits Sende- und Empfangsgeräte nur noch für dieses System in den Triebfahrzeugen vorhalten, um quer durch Europa fahren zu können.

Deutschland als Transitland hat dadurch enorme Kosten: Die vier Korridore laufen mit langen, bereits gebauten Abschnitten durch Deutschland, die alle bis 2015 und 2020 mit ETCS nachgerüstet werden müssten: Rotterdam-Emmerich-Basel-Genua, Stockholm-Hamburg-München-Neapel, Dresden-Prag-Konstanza, Aachen-Hannover-Frankfurt/Oder-Legnica-Breslau.

Ähnlich dem Mauterfassungsgerät

Die Kosten für die Ausrüstung der vier Korridore auf deutschem Boden liegen nach Schätzung der DB AG bei 4,5 Milliarden Euro. Statt durch ETCS will das Verkehrsministerium die Interoperabilität nun bis zum Stichtag (2015/2020) auf allen vier Korridoren zunächst durch die preiswertere "On-Board-Technik STM" erreicht werden, ein Zusatzgerät ähnlich dem Mauterfassungsgerät im Lkw. Deren Gesamtkosten bezifferte das Ministerium auf bis zu 200 Millionen Euro.

"Fazit: Das Ziel Interoperabilität wird so schnell erreicht wie gewünscht, nur auf einem anderen Weg", hieß es aus dem Ministerium. Die von der EU geförderte ETCS-Infrastrukturausrüstung soll weiterhin langfristig, im Rahmen von Aus- und Neubaumaßnahmen beziehungsweise regulären Ersatzinvestitionen

(dapd )


 


 

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