Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Finanzen
Weitere Artikel
"Habe mich noch nicht entschieden"

Spanischer Regierungschef Rajoy schließt EU-Hilfsantrag nicht mehr völlig aus

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy schließt einen Antrag auf Hilfe aus den Euro-Rettungsfonds für sein Land nicht mehr völlig aus. Ein solches Bittgesuch würde er aber erst in Erwägung ziehen, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Krisenplan zum Aufkauf von Staatsanleihen vorgelegt habe, sagte er am Freitag nach einem Kabinettstreffen. Allerdings habe er darüber noch keine Entscheidung gefällt, betonte er.

Von Ciaran Giles und Harold Heckle

Bei einer Pressekonferenz mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti war Rajoy am Vortag noch Fragen nach einem möglichen spanischen Hilfsantrag ausgewichen. Er werde weiter versuchen, durch das Festhalten an geplanten Strukturreformen das spanische Haushaltsdefizit zu senken, erklärte er lediglich.

In seiner Erklärung vom Freitag erteilte der Regierungschef dann einem Hilfsantrag für Spanien keine zwingende Absage. "Ich habe noch keine Entscheidung (über ein Rettungspaket) getroffen", bekräftigte Rajoy. "Ich will wissen, wie die ungewöhnlichen Maßnahmen der EZB aussehen. Wir wissen nicht, was vorgeschlagen wird."

Vor Journalisten rief Rajoy die europäischen Spitzenpolitiker und die EZB auf, die Einführung von Schlüsselreformen zur Bekämpfung der Krise zu beschleunigen und den strauchelnden Bankensektor zu stützen. Zudem habe er in einem Brief an EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso darauf gedrungen, dass die jüngsten Pläne einer umfassenderen EU-Bankenunion im Dezember gebilligt würden.

Am Donnerstag hatte die EZB einen möglichen Aufkauf von Staatsanleihen klammer Euroländer in Aussicht gestellt, ein Eingreifen jedoch mit harten Auflagen verbunden. Die betroffenen Länder müssten erst Hilfe aus den Euro-Rettungsfonds ESM oder EFSF beantragen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Ein genauer Plan müsse noch ausgearbeitet werden. Allerdings werde das noch Wochen dauern, sagte Draghi.

Keine Entspannung auf spanischem Anleihenmarkt

Nach der Enttäuschung über die vagen EZB-Ankündigungen bekam der spanischen Anleihemarkt am Freitag keine Verschnaufpause. Zum Handelsauftakt stieg der Risikoaufschlag für zehnjährige spanische Anleihen weiter, rutschte später aber wieder knapp unter die kritische Marke von sieben Prozent. Die Erleichterung über die Ankündigung von EZB-Präsident Mario Draghi in der vergangenen Woche, den Druck an den Märkten auf angeschlagene Eurostaaten mit entsprechenden Maßnahmen zu lindern, war nach der Zinssitzung am Donnerstag verpufft.

Anleger hatten darauf gehofft, dass Draghi ein konkretes Volumen für einen massiven Aufkauf von Staatsanleihen angeschlagener Eurostaaten nennen würde. Als dies ausblieb, schnellte die Risikoprämie von zehnjährigen spanischen Anleihen in die Höhe. In der ersten Stunde des Vormittagshandels am Freitag ging es um weitere 0,14 Prozentpunkte auf 7,21 Prozent nach oben, bevor der Risikoaufschlag wieder auf rund sieben Prozent zurückging.

Bei einem Zinssatz von sieben Prozent konnten sich Griechenland, Irland und Portugal nicht mehr über die Kapitalmärkte refinanzieren und mussten unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. In der vergangenen Woche war der Risikoaufschlag für zehnjährige spanische Staatsanleihen auf 6,5 Prozent zurückgegangen.

Nach Einschätzung von Analysten ist es nur eine Frage der Zeit, bis die viertgrößte europäische Volkswirtschaft nicht nur Hilfe zur Sanierung ihrer Banken, sondern für das Land beantragt.

"Es scheint ziemlich deutlich, dass wir letztlich eine Form von Hilfe brauchen werden", sagte Tomas Gallo, Direktor von ATL Capital Investment in Madrid.

Ciaran Giles und Harold Heckle sind Korrespondenten der AP

(dapd )


 


 

Freitag
Staatsanleihen
Risikoaufschlag
Aufkauf
Entscheidung
EU-Hilfsantrag
EZB
Rajoy
Euro-Rettungsfonds

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Freitag" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: