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  • 02.02.2012, 23:12 Uhr
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Navigationssystem Galileo

OHB System aus Bremen sichert sich Folgeauftrag für weitere acht Satelliten

Der Satellitenbauer OHB System AG hat sich im Wettbewerb um den Bau weiterer Satelliten für das EU-Navigationssystem Galileo erneut durchgesetzt. Das mittelständische Unternehmen aus Bremen sicherte sich nach dem Ausschreibungserfolg mit zuletzt 14 Satelliten aus dem Jahr 2010 (business-on.de berichtete) nunmehr auch einen Folgeauftrag für acht weitere Galileo-Satelliten. Das gab der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Antonio Tajani, am Donnerstag bekannt.

Von Onur Yamac

Den Zuschlag erhielt wie schon in der vergangenen Ausschreibungsrunde ein deutsch-britisches Konsortium bestehend aus der Bremer OHB System AG und der Surrey Satellite Technology (SSTL) Ltd . aus Guildford (business-on.de berichtete). Während OHB den Satelliten baut, entwickelt und baut SSTL die Navigationsnutzlast und unterstützt OHB darüber hinaus bei der Endmontage der Satelliten. Die 22 Satelliten werden in Bremen endgefertigt.

Der Auftrag hat einen Umfang von 250 Mio Euro. Auftraggeber ist die europäische Weltraumorganisation ESA, finanziert wird das Projekt aus Mitteln der Europäischen Union.

Das OHB/SSTL-Konsortium soll bei der letzten Ausschreibung 100 Mio Euro unter dem Angebot des EADS-Tochterunternehmens Astrium geblieben sein. Renomee bei Kunden und in der Branche hatten sich die Spezialisten für "Orbitale Hochtechnologie" (daraus leitet sich der Firmenname OHB ab) bereits zuvor durch Satellitenprogramme wie der "SAR Lupe" für das Bonner Bundesverteidigungsministerium verschafft.

Insgesamt sollen für das System einmal bis zu 32 Satelliten beschafft werden. Vier Aufträge für Satelliten mit Vermittlungsfunktion erhielt bislang das EADS-Tochterunternehmen Astrium, 22 Aufträge für Satelliten die Bremer OHB System AG. Die Astrium-Satelliten haben in dem künftigen Satelliten-Netzwerk im Weltall besondere Aufgaben als "Vermittlungsstellen" (business-on.de berichtete). Die OHB-Satelliten sollen ab Ende 2012 gebaut und im Jahr 2014 abgeliefert werden.

Am Donnerstag wurden in London gleich drei Verträge unterzeichnet: neben jenem mit den deutsch-britischen Konsortialpartnern OHB System/SSTL auch ein zweiter Vertrag mit Arianespace France über eine Reservierungsoption von bis zu drei Starts mit Ariane-5-Raketen (Reservierungsgebühr von 30 Mio. Euro) sowie ein dritter Vertrag mit dem EADS-Tochterunternehmen Astrium SAS France, um die derzeit genutzte Ariane-5-Rakete für den gleichzeitigen Transport von vier Galileo-Satelliten pro Start zu modifizieren (Umfang rund 30 Mio. Euro).

Seltene Ehre für den EU-Vize

Damit ermöglichen die nun geschlossenen Verträge sowohl eine Reduzierung der Raketenstarts, als auch den Rückgriff auf europäische Anbieter. Galileo-Satelliten werden derzeit paarweise an Bord der russischen Sojus-Trägerrakete befördert. Die künftigen Satelliten sollen im Quartett mit einer Ariane-Rakete in den Orbit geschossen und bis 2014 in ihre Umlaufbahn gebracht werden. Rein rechnerisch bleiben zwei Satelliten übrig. Die ersten beiden Astrium-Satelliten für Galileo sind jedoch bereits im Oktober 2011  vom Weltraumbahnhof in Kourou erfolgreich in den Erdorbit gestartet (business-on.de berichtete). Anfang 2012 sollen zwei weitere Astrium-Satelliten folgen.

EU-Vizepräsident  Antonio Tajani fiel am Donnerstag mit der Vertragsunterzeichnung zudem eine seltene Ehre zu, die nur wenigen Politikern zuteil wird: Er durfte die europäische Öffentlichkeit darüber unterrichten dass das Galileo-Programm planmäßig und vor allem innerhalb des verfügbaren Finanzrahmens verlaufen wird.

Marco R. Fuchs, Vorstandsvorsitzender der OHB System AG, wertete den erneuten Zuschlag für das Bremer Unternehmen zugleich als einen enormen Erfolg und gleichzeitig auch als Anerkennung für die bereits geleisteten Arbeit im Galileo-Programm. Seit der Beauftragung für die ersten 14 Satelliten im Januar 2010 hat das Satellitenbauprojekt demnach bereits wichtige Projektmeilensteine passiert. Derzeit liefen die Integrationsarbeiten am ersten Satelliten, die Serienfertigung der weiteren Satelliten werde vorbereitet. 

OHB-Aktie zieht am Donnerstag an

Mit den in Orbit befindlichen Astrium-Satelliten beginnt aktuell die so genannte Validierung in der Umlaufbahn („In-orbit Validation“, IOV). Diese umfasst die Erprobung und den Betrieb von letztlich vier Satelliten und der dazugehörigen Bodeninfrastruktur. Insgesamt wird das System künftig einmal 30 Satelliten in Umlaufbahnen sowie zwei "Reserve-Satelliten" auf dem Boden umfassen. Mit letzteren will man bei der ESA auf etwaige Ausfälle vorbereitet sein. Das Galileo-System wird von den Kontrollzentren im bayerischen Oberpfaffenhofen und dem italienischen Fucino nahe Rom gesteuert.  Unterstützt wird Galileo von einem weltweiten Netz von Sensor- und Verbindungsstationen auf der Erde.

Inhaberaktien der OHB AG legten am Donnerstag um 2 Prozent zu und stiegen auf 14,08 Euro. Am Mittwoch hatte die Aktie bei 13,80 Euro geschlossen.

(FN)


 


 

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