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Euro-Krise

Politiker und Märkte erleichtert über Griechenland-Beschlüsse

Politiker und Märkte haben weitgehend positiv auf die Beschlüsse der Euro-Staaten zu neuen Milliardenhilfen für Griechenland reagiert. Die Opposition in Berlin signalisierte Unterstützung. Die Börsen reagierten freundlich. Allerdings kündigte die Ratingagentur Fitch erwartungsgemäß eine vorübergehende Einstufung Griechenlands als "teilweise zahlungsunfähig" für die Dauer der geplanten Umschuldung an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die Abwendung der Euro-Schuldenkrise eine "historische Aufgabe". Was in diesen Zeiten für Europa aufgewendet werde, "das bekommen wir um ein Vielfaches zurück", sagte die CDU-Vorsitzende am Freitag in Berlin. "Europa ist ohne den Euro nicht mehr denkbar." Zugleich dämpfte die Kanzlerin jedoch Erwartungen auf eine rasche Lösung der Schwierigkeiten.

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hatten sich am Donnerstag bei einem Sondergipfel in Brüssel auf das weitere Vorgehen in der Schuldenkrise geeinigt: Mit einem neuen Rettungspaket für Griechenland von 109 Milliarden Euro, einem Bankenbeitrag von 37 Milliarden Euro bis 2014 und Kreditzusagen für andere Sorgenkinder wie Italien und Spanien sollen die Probleme endgültig eingedämmt werden.

Politiker von CDU/CSU und FDP äußerten sich zumeist positiv. Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Barthle (CDU), nannte die Beschlüsse "tragfähig". Die Verabredungen trügen "weit über Griechenland hinaus" zur Stabilisierung des Euro bei. Die nächsten Schritte dürften allerdings nur "nach eingehender Beteiligung des Parlaments" unternommen werden.

Poß hält Einbindung privater Gläubiger für unzureichend

Zustimmung signalisierten auch Politiker von SPD und Grünen. SPD-Finanzexperte Joachim Poß erklärte, es sei gut, dass es den europäischen Staats- und Regierungschefs gelungen sei, "die gegenseitige Blockade aufzulösen". Er kritisierte allerdings, die Einbindung privater Gläubiger sei unzureichend. Es bestünden zudem "Zweifel, ob der vereinbarte Umfang der Entschuldung ausreicht".

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Jürgen Trittin, hob hervor, Griechenland bekomme durch die vereinbarte Zinssenkung "überhaupt eine Chance, aus der Misere rauszukommen". "Wir werden aller Voraussicht nach dem zustimmen", sagte er im Deutschlandfunk.

Nicht zustimmen will dagegen der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler. "Ohne eine Austrittsmöglichkeit aus dem Euro bringt der Schuldenschnitt nichts, sondern Griechenland wird weiter dauerhaft am Tropf der Geberländer hängen", sagte der Bundestagsabgeordnete "Spiegel Online".

Die Ratingagentur Fitch kündigte an, dass sie für die Dauer der im Herbst geplanten Umschuldung die Teil-Pleite Griechenlands erklären werde, da die Gläubiger Einbußen hinnehmen müssten. Auch Fitch wertete die Beschlüsse aber als Schritt in die richtige Richtung.

Erwartungen der Volkswirte übertroffen

Finanzexperten begrüßten die Beschlüsse von Brüssel. Das Ergebnis habe viele Erwartungen übertroffen, sagte Barbara Böttcher, Leiterin Europapolitik bei Deutsche Bank Research , der Nachrichtenagentur dapd. Die Staats- und Regierungschefs hätten "ihre Entschlossenheit gezeigt, das Ding nicht an die Wand zu fahren", erklärte auch BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Pfister. "Alle Spekulationen auf einen Zerfall des Euro sind hinfällig."

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erklärte, zwar sei das von der Staatsschuldenkrise ausgehende Konjunkturrisiko gesenkt, allerdings um den Preis, dass sich "die Währungsunion noch stärker zu einer Transfer- und Haftungsunion gewandelt" habe.

Die Investoren signalisierten ihre Zustimmung durch weltweit steigende Kurse. Der Nikkei in Tokio schloss 1,2 Prozent im Plus, der Hang Seng in Hongkong legte sogar 2,1 Prozent zu. Auch die europäischen Börsen zeigten positive Tendenz. Der Dax notierte am Nachmittag mit 0,3 Prozent im Plus. Der Euro rutschte allerdings wieder unter 1,44 Dollar, die Gemeinschaftswährung kostete gegen 15:00 Uhr 1,4372 Dollar.

(dapd )


 


 

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