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EWE-Anteilseigner EnBW

Der Nordwesten schaut nach Karlsruhe

Der angekündigte Einstieg des Landes Baden-Württemberg beim Karlsruher Energiekonzern EnBW stößt aktuell auch im Nordwesten auf großes Interesse. Schließlich sind die Karlsruher am Oldenburger Energieversorger EWE AG beteiligt. Der Aussteig des bisherigen Anteilseigners Electricité de France (EDF) bietet für beide Konzerne Chancen für neue heimische Kooperationen.

Das Land Baden-Württemberg hatte vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass es beabsichtigt, den von der Electricité de France (EDF) an der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) gehaltenen Anteil von 45,01 Prozent zu erwerben. EDF hält seit dem 27. Februar 2001 Anteile an EnBW und hat diese bis Januar 2005 in mehreren Schritten auf zuletzt 45,01 Prozent erhöht.

Land schon einmal an EnBW beteiligt

Bis Februar 2001 war das Land schon einmal an EnBW beteiligt. Mit dem aktuellen Deal sollte verhindert werden, dass das Aktienpaket im Umfang von 45,01 Prozent an einen unbekannten Investor geht, der sich damit womöglich im Zuge einer feindlichen die Mehrheit an den Karlsruhern sichert. Weitere 45 Prozent der Aktien hält aktuell der kommunale Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW). Zwischen EDF und den kommunalen Anteilseignern von OEW war es häufiger zu Reibereien um die Vorherrschaft im Konzern gekommen. Der Plan der Franzosen, mit EnBW ein lukratives Standbein in Deutschland aufzubauen, ging letztlich nicht auf. Auch der politische Rückhalt im Ländle fehlte: Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) sagte erst vor wenigen Wochen, dass man den Energiekonzern keinem ausländischen Investor preisgeben werde. Im Ende 2011 hätte EDF seine Aktien verkaufen können. Auch dem Zweckverband OEW war nach eigenen Angaben das Aktienpaket angeboten worden. Dort hätte man jedoch den Kaufpreis nicht aufbringen können, dessen Volumen auf 4,7 Milliarden Euro geschätzt wird.

Die internationalen Verflechtungen von EnBW lösen sich damit in einer absehbaren Zeitspanne. Zugleich rückt für den drittgrößten deutschen Energiekonzern EnBW damit ein Partner aus hiesigen Gefilden in den Fokus: die Oldenburger EWE AG. Dort hält EnBW bislang 25 Prozent. EWE ist der fünftgrößte deutsche Energieversorger.

Achse Karlsruhe-Oldenburg

Lange Zeit galt das Verhältnis zwischen den Karlsruhern und Oldenburgern als unbelastet, in einzelnen Unternehmenssparten wagte man auch bereits eine Kooperationen und ergänzt sich zudem in den Schwerpunkten des unternehmerischen Handelns: so verfügt EWE über Kapazitäten für strategische Erdgasspeicher, die räumliche Nähe zur Nordsee und damit höchstwahrscheinlich zum zukunftsträchtigen Geschäftsfeld der Offshore-Windenergie. Zudem hat EWE eine anerkannt große Kompetenz im Bereich Erdgas. EnBW hingegen verfügt über eine große Zahl von Stromkunden und hatte in der Vergangenheit angekündigt, auch Investitionen in erneuerbare Energien weiter voranzutreiben. Der Konzern betreibt mehrere Atomkraftwerke. In der Ostsee lässt EnBW die Windparks Baltic 1 und Baltic 2 errichten, während EWE in der raueren Nordsee bereits erfolgreich den ersten deutschen Offshore-Windpark "Alpha Ventus" federführend errichtet hat und Betriebserfahrung sammelt. Beide Unternehmen haben Ergänzungspotenzial - nicht auch zuletzt, weil die Oldenburger EWE AG weitstgehend in kommunaler Hand ist. Mit allen positiven und negativen Facetten.

Darüber hinaus wollte EnBW die Mehrheit am Gasversorger VNG verbundnetz übernehmen. Dort halten die Oldenburger bislang 48 Prozent der VNG-Aktien. Nachdem EWE zuvor selbst mit der Übernahme scheiterte, haben die Oldenburger EnBW eine - bislang noch uneingelöste - Kaufoption erteilt. EnbW-Vorstandsvorsitzender hans-Peter Villis machte bereits 2009 deutlich, dass er nicht alleine als "Couponschneider" bei VNG Verbundgas einsteigen wolle.

Überschneidungen in den Interessenlagen

Lange Zeit galt darüber hinaus das Verhältnis zwischen EnBW-Chef Villis und seinem Amtskollegen Werner Brinker von EWE als unbelast. Auch eine zeitlich gestreckte 200 Mio. Euro schwere Kulanzlösung nach dem juristischen Erfolg von Kunden gegen Gaspreiserhöhungen der EWE AG, wurde letztlich von Anteilseigner EnBW mitgetragen. Die Auswirkungen der erfolgreichen Klage auf das Verhältnis der beiden Konzerne sind nicht hinreichend überliefert. Eins steht jedoch fest: Mit ihren zahlreichen kommunalen Anteilseigenern haben beide Konzerne ein durchaus ähnliches Interessengeflecht mit Überschneidungspunkten. Dies wurde auch bei der Bekanntgabe des Kulanzangebots für EWE-Kunden noch einmal deutlich. Schließlich war absehbar, dass nicht alle Kunden klagen, aber womöglich viele von den Enttäuschten wechseln würden. Auch wenn einige Kunden etwas länger auf ihre Rückzahlung warten müssen, als zunächst von EWE angekündigt, war diese Lösung nach einhelliger Meinung nur aufgrund der kommunalen Anteilseignerstruktur möglich.

Im Idealfall könnte in den kommenden Jahren eine enge Nordsee-Ländle Verflechtung entstehen. Das Land Baden Württemberg hat vor, einen Teil der erworbenen Aktien wieder auf den Markt zu schmeißen und will die 4,7 Mrd.-Euro-Transaktion möglichst kostenneutral abwickeln. Für EWE-Chef Brinker eine Möglichkeit, sich Einfluss bei EnBW zu sichern und dort den Druck anderer potenzieller Großinvestoren auf EnBW-Chef Villis  zu verringern. Dies könnte wiederum beiden Konzernen einen Teil der bisherigen Interessenkonflikte ersparen. Bislang sind dies allerdings noch Gedankenspiele, eine Finanzierung weitestgehend unklar. Auch eine Fusion schließt man in den Konzernzentralen bislang aus. Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) hat in jedem Fall geschickt agiert und dürfte im Wesentlichen auf die Interessen Baden-Württembergs bedacht gewesen sein: den Deal mit den Franzosen soll ein alter Bekannter beim Bankhaus Morgan Stanley eingefädelt haben.

Aktualisiert: 18.12.2010

(Onur Yamac)


 


 

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