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Ex-Sparkassen-Filialleiter aus Bamberg

Wegen Untreue angeklagter Banker genießt noch immer Sympathie

Scheinbar verkehrte Welt im Sitzungssaal des Oberlandesgerichts Bamberg: Ein Banker muss sich wegen Veruntreuung von Kundengeldern in Millionenhöhe verantworten - und dennoch gibt es offenbar noch jede Menge Sympathie für den ehemaligen Leiter der Sparkassenfiliale im oberfränkischen Hausen.

Von Roland Beck

 Einige Zeugen möchten am Dienstag am liebsten gar nicht aussagen. "Das ist doch ein anständiger Kerl, nur diese Lumperei hätte er halt nicht machen dürfen", zitiert Richter Manfred Schmidt aus einem Telefonat mit einem Zeugen.

Der Angeklagte Jürgen L. gesteht die Taten unter Tränen. Er glich Kredite von Kunden aus, wenn diese nicht mehr zahlungsfähig waren, wie der verheiratete Vater zweier kleiner Kinder einräumt. Er stockte Dispokredite eigenmächtig auf oder buchte Geld auf Konten, damit ein überzogener Dispokredit wieder auf Null war. Kunden, die sich über zu niedrige Zinsen für ihr Erspartes beschwerten, räumte er einen Guthabenzins weit über den Vorgaben der Sparkasse ein.

Konten betuchter Bankkunden geplündert

Der 35-Jährige räumte nach eigenen Angaben auch die Konten von betuchten Bankkunden leer, die ihre Kontoauszüge selten prüften. Er fälschte dazu deren Unterschriften oder ließ sich von gutgläubigen Kunden, die im Ausland leben, Blankovollmachten ausstellen. Auch bediente er sich an fremden Sparkassenbriefen, für die es keine Kontoauszüge gibt. Insgesamt sollen es 1,09 Millionen Euro gewesen sein, die der Mann zwischen Oktober 2007 und April 2011 veruntreute, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

"Ich habe den Druck, der als Filialleiter auf mir lastete, nicht mehr ausgehalten. Die Vorgaben der Zentrale waren immer schwieriger zu erreichen", begründet L. seine Taten beim Prozessauftakt. "Auch die Kunden haben mich immer mehr unter Druck gesetzt, wollten bessere Zinsen." Diese Überforderung habe er sich leider nicht eingestanden.

Stattdessen kommt der gebürtige Forchheimer auf die Idee, ein wenig nachzuhelfen, um die Bilanz der Filiale wieder auf Vordermann zu bringen. Mithilfe der gefälschten Unterschriften oder von Blankovollmachten hebt er Geldbeträge bis zu 100.000 Euro von Konten seiner Kunden ab und zahlt sie in Kredite oder Dispos anderer Kunden wieder ein.

Auch in die eigene Tasche gewirtschaftet

In allen Einzelheiten schildert der Angeklagte dem Richter sein scheinbar perfektes System. Kontrolliert habe ihn niemand. Weder habe er höhere Geldbeträge gegenzeichnen lassen müssen, noch habe die Revision gründlich genug geprüft. "Die Hürden für diese Taten waren also offenbar nicht besonders hoch", fragt der Richter nach. Jürgen L. bestätigt das.

Das System funktionierte so gut, dass der Banker am Ende auch in die eigene Tasche wirtschaftete. So gesteht der Mann, 100.000 Euro von einem Kundenkonto abgehoben zu haben. Von dem Geld kaufte er im Februar 2010 bar einen neuen Audi Q7.

Im Frühjahr 2011 flog der Schwindel auf, als eine Kundin, die eigentlich in Namibia lebt, plötzlich vor dem Schalter stand und 170.000 Euro von ihrem Konto benötigt - ein Konto, das L. aber längst geplündert hatte.

"Soviel Geld konnte ich keinesfalls von einem anderen Konto in so kurzer Zeit abzwacken", sagt der Angeklagte. Er zeigt sich daraufhin selbst bei der Polizei an. Voraussichtlich am Donnerstag soll das Urteil gesprochen werden.

(dapd )


 


 

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