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Experte warnt vor Erbschleicherei

Vorsorgevollmacht kann Tücken haben - Firmeninhaber sollten für Erbfall vorplanen

Eine Vorsorgevollmacht kann durch zu große Vertrauensseligkeit rasch dazu führen, dass sich Hab und Gut eines schwer Erkrankten in Nichts auflösen. Ein solches Dokument erspart zwar im Fall der Geschäftsunfähigkeit durch Demenz oder eine andere Erkrankung die Bestellung eines staatlichen Betreuers. Sie kann aber nach Einschätzung von Experten ihre Tücken haben.

Von Joachim Sondermann

In den einschlägigen Broschüren beispielsweise des Bundesjustizministeriums werde zu wenig darauf eingegangen, wie ein Missbrauch verhindert werden könne, erklärte der Erbrechtsspezialist Michael Bonefeld am Mittwoch vor Journalisten in Frankfurt am Main.

Nach Angaben des Anwalts haben Fälle von Erbschleicherei in den vergangenen Jahren zugenommen. Das werde begünstigt durch höhere Lebenserwartung und zunehmende Auflösung des Familienzusammenhalts vor allem in den Großstädten. Bonefeld beschreibt aus seiner Praxis, wie Kontakte beispielsweise auf dem Friedhof zum "Anschleichen" an vorwiegend wohlhabende Opfer genutzt werden. Wenn es dem Erbschleicher gelingt, die Zielperson sozial zu isolieren, könne er sie von sich abhängig machen und schließlich "abzocken", erklärte der Experte.

Das Gericht kontrolliert nichts

Eine Vorsorgevollmacht ist nach Darstellung des Experten eine der Möglichkeiten, die zur Selbstbedienung durch den Erbschleicher genutzt werden kann, wenn keine Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Bonefeld empfahl, auf jeden Fall zugleich mit dem Bevollmächtigten auch einen zusätzlichen Kontrollbevollmächtigten einzusetzen. Der könne dann halbjährlich oder jährlich dem Gericht über die Arbeit des Bevollmächtigten berichten.

Das Gericht selbst kontrolliere nicht, ob der Bevollmächtigte seine Befugnisse korrekt nutze, sagte der Fachanwalt. Es schreite erst ein, wenn es von Unregelmäßigkeiten erfahren habe - und das beruhe oft auf Zufall.

Sinnvoll sei es außerdem, mit dem Bevollmächtigten einen Geschäftsbesorgungsvertrag zu vereinbaren, riet Bonefeld. Damit könne zum Beispiel bestimmt werden, welche Beträge ohne weitere Rückfrage ausgegeben werden dürften. Auch von welchem Zeitpunkt an die Vollmacht gelten soll, sollte möglichst klar geregelt sein. Werde die Feststellung der Geschäftsunfähigkeit beispielsweise an ein ärztliches Gutachten gebunden, erschwere das den Missbrauch.

Bares für die Erbschaftsteuer

Vor allem für Firmeninhaber sei darüber hinaus eine durchdachte Nachfolgeplanung bedeutsam, erklärten die Geschäftsführer der Münchner Vermögensberatung "bestadvice Private Vermögen", Thomas Neumann und Arndt Stiegler. Beispielsweise werde oft übersehen, den Erben neben Firmen- und Immobilienwerten genügend Bargeld zu hinterlassen, damit sie die Erbschaftssteuer bezahlen könnten.

(dapd )


 


 

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