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  • 05.08.2012, 09:07 Uhr
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IWF mahnt zu rascher Lösung

Eurokrise schwelt nach EZB-Entscheidung weiter

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihren zurückhaltenden Aussagen zu Staatsanleihenkäufen einen Durchbruch in der Eurokrise verfehlt. Zwar erntete EZB-Präsident Mario Draghi für seinen Kurs Lob aus Wirtschaft und Politik, doch Spanien wartete vergebens auf eine Entlastung an den Anleihemärkten. Die Rendite auf Anleihen aus Madrid stieg am Freitag zeitweise auf mehr als sieben Prozent, fiel dann aber wieder leicht. Die Lage des einstigen Euro-Musterlandes Slowenien verschlechterte sich derweil durch einen Ratingverlust.

Von Philipp Heinz

Der Internationale Währungsfonds ( IWF ) mahnte die Europäer dazu, die Krise entschlossen anzugehen. Andernfalls drohe der Eurozone ein tiefer Abschwung, schreiben die Experten in einem Bericht. Die Wachstumsaussichten der wichtigsten Volkswirtschaften könnten dadurch um mehrere Prozentpunkte einbrechen. "Zwischen der gegenwärtigen Lage und diesem Szenario steht nur noch das Vertrauen der Öffentlichkeit, dass die Politiker endlich handeln und die Ausbreitung der Krise verhindern", heißt es in dem IWF-Bericht.

Die Aktienmärkte erholten sich zwar von den Verlusten des Vortages, was aber weniger an einem nachgeholten Jubel über die EZB-Entscheidung lag als an guten Arbeitsmarktzahlen aus den USA.

Anleihenkäufe nur zu strengen Bedingungen

Die EZB hatte am Donnerstag bekanntgegeben, sich den Kauf von Anleihen angeschlagener Eurostaaten vorzubehalten. Draghi knüpfte die Hilfe aber an Bedingungen. So müssten die betreffenden Länder zunächst einen Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm stellen - und damit harte Auflagen akzeptieren.

Trotz der verhaltenen Reaktion der Finanzmärkte gab es Lob aus unterschiedlichen Richtungen für den EZB-Kurs, weder die Märkte hemmungslos mit Geld zu fluten noch den Staatsanleihenkauf kategorisch auszuschließen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), bislang entschiedener Gegner der Staatsfinanzierung durch die Notenbank, weichte seine Ablehnung auf. "Anleihenankäufe, das liegt in der Unabhängigkeit, in den Möglichkeiten der Europäischen Zentralbank", sagte er dem Fernsehsender n-tv.

"Trotzdem sagen wir, muss man immer darauf achten, dass hier das richtige Maß gehalten wird", sagte der FDP-Vorsitzende. "Nicht, dass dann Inflation am Ende des Horizontes droht." Rösler lobte Draghi, weil dieser Strukturreformen in den Schuldenländern gefordert habe.

Verdi-Chef Bsirske warnt vor Rückkehr zur D-Mark

Verdi-Chef Frank Bsirske bezeichnete die EZB-Entscheidung als einen Schritt in die richtige Richtung. "Niemand ist am Fortbestand des Euro so interessiert wie die bundesdeutsche Wirtschaft", sagte er im ARD-"Morgenmagazin". Eine Rückkehr zur Deutschen Mark würde eine Aufwertung der Währung bedeuten. "Deswegen ist es richtig, über eine gemeinschaftliche Haftung nachzudenken."

Der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Michael Diekmann, lobte, dass Draghi das Eingreifen der Zentralbank an Bedingungen knüpfe. Damit spiele der EZB-Chef den Ball an die Politik zurück. Er kritisierte jedoch mögliche Käufe von Staatsanleihen durch den Rettungsfonds ESM. Diese lösten das Problem nicht, sagte der Allianz-Chef.

Er vermisse ein "schlüssiges Programm für den Euro". Die bisherigen Maßnahmen dienten dazu, "der Politik Zeit zu verschaffen". Diekmann sprach sich für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone aus. Ein Austritt würde allein Deutschland 90 Milliarden Euro kosten.

Derweil verschlimmerte sich die Krise im einstigen Vorzeigeland Slowenien. Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Staates um drei Stufen herab, von "A2" auf "Baa2". Der Ausblick bleibe zudem negativ. Zur Begründung für diesen Schritt wurde unter anderem die Notwendigkeit einer weiteren Rekapitalisierung der Banken des Landes genannt.

Mit Material von Dow Jones Newswires

(dapd )


 


 

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