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Autokonzern

VW gönnt sich Pause beim Gewinnwachstum

Hohe Investitionen, schärfere Konkurrenz und eine Rezession in wichtigen Märkten zwingen dem erfolgsverwöhnten VW-Konzern 2011 zu einer Pause beim Gewinnwachstum.

Von Claus-Peter Tiemann

Der Absatz soll aber trotz Gegenwindes weiter Richtung zehn Millionen Fahrzeuge klettern. "Wir werden den Umsatz steigern", kündigte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn am Montag in Wolfsburg an. Beim operativen Gewinn ist der Konzernlenker vorsichtiger und nannte für 2012 nur das Ziel, "das hohe Vorjahresniveau zu halten". Erst ab 2013 soll der Gewinn wieder steigen.

Für 2012 rechnet Winterkorn mit einer Rezession in einigen EU-Ländern, was den Absatz dort drückt. Außerdem stehen Investitionen von 15 Milliarden Euro über die nächsten Jahre für das neue Produktionsmodell Modulare Baukästen an. Auch die Konkurrenz wird schärfer, wie der Konzern den vorsichtigen Ausblick erklärte. Der Kurs der im DAX notierten VW-Aktie fiel bis zum Nachmittag in einem insgesamt leicht positiven Markt um gut zwei Prozent auf 139,40 Euro.

Der Mehrmarkenkonzern mit Töchtern wie Audi, MAN und Skoda hatte 2011 mehr verdient und umgesetzt als je ein deutscher Autohersteller zuvor. Mit 15,8 Milliarden Euro lag der Nettogewinn mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Der Umsatz stieg um ein Viertel auf 159 Milliarden Euro, der operative Gewinn lag bei 11,3 Milliarden Euro.

Zu Jahresbeginn 2012 setzte VW die Rekordfahrt bereits fort und meldete für Januar und Februar Absatzsteigerungen von 7,7 Prozent auf 1,3 Millionen Fahrzeuge. "Das Ziel von zehn Millionen Fahrzeugen rückt in Sichtweite", sagte Winterkorn. VW will spätestens 2018 über zehn Millionen Autos verkaufen und größter Hersteller der Welt werden. Jetzt sagte Vertriebschef Christian Klingler, "es kann uns passieren", die zehn Millionen schon früher zu erreichen.

Einsparung aus Porsche-Zusammenarbeit deutlich höher

Der Vorstand erklärte den Gewinnsprung des vergangenen Jahres neben dem verbesserten Absatz auch mit Bewertungsgewinnen aus der vorerst abgesagten Fusion mit Porsche. Winterkorn betonte aber, der Zusammenschluss "von Volkswagen und Porsche wird kommen".

Der Konzern rechnet inzwischen mit deutlich mehr als den bisher genannten 700 Millionen Euro Einsparungen pro Jahr aus der Zusammenarbeit. VW hält knapp unter 50 Prozent am Sportwagengeschäft von Porsche. Der Kauf der restlichen Hälfte würde eine Milliarde Euro Steuerforderungen auslösen. VW sucht nach einem Weg, das zu umgehen und die Einsparungen aus der Zusammenarbeit zu heben. Derzeit werden erst 200 Millionen Euro pro Jahr gehoben, wie Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sagte.

Zu den diversen Prozessen um die Porsche-Übernahme äußerte sich VW nicht näher. Die Anklage gegen den früheren Porsche-Finanzchef Holger Härter in Stuttgart wegen Kreditbetrugs kommentierten die VW-Manager nicht.

Außerdem verbuchte VW mit 2,6 Milliarden Euro um 700 Millionen Euro höhere Gewinne aus seinem China-Geschäft sowie erstmals Erträge des übernommenen Nutzfahrzeugherstellers MAN von 200 Millionen Euro.

VW hatte 2011 einen Rekordabsatz von 8,36 Millionen Fahrzeugen erreicht, 14,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Konzernchef Winterkorn verdoppelausete sein Gehalt auf über 17 Millionen Euro.

Erfolgreichste VW-Marke war Audi mit einem operativen Gewinn von 5,3 Milliarden Euro vor der Marke VW mit 3,8 Milliarden Euro und dem Lkw-Hersteller Scania mit 1,4 Milliarden Euro. Als einzige Marke fuhr die spanische Tochter Seat mit 225 Millionen Euro noch Verluste ein. Laut Vertriebschef Klingler soll Seat aber 2013 wieder Geld verdienen. Auch im seit Jahren verlustträchtigen US-Markt will VW spätestens 2013 Geld verdienen.

(dapd )


 


 

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