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Ökonomen erwarten neue Kurseinbrüche

Reaktion der Märkte auf US-Herabstufung mit Bangen erwartet

Nach der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit herrscht weltweit Sorge vor weiteren Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Europäische Staats- und Regierungschef sowie US-Präsident Barack Obama reagierten am Wochenende mit Telefondiplomate auf die Talfahrt an den Börsen und die Furcht vor einer Verschärfung der Schuldenkrise. Über den Inhalt der Beratungen wurde zunächst nichts bekannt. Ökonomen warnten vor Panik und versuchten zu beschwichtigen.

Von Philipp Heinz

"Schlechte Nachrichten sind immer unangenehm für Märkte", sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, der "Bild am Sonntag". Er rechne mit weiteren Kurseinbrüchen, aber nicht mit einem weltweiten Börsencrash. Die deutschen Verbraucher könnten die Folgen der Krise aber bald zu spüren bekommen. "Die Zentralbanken werden eine höhere Inflation nicht nur tolerieren, sondern sogar im Namen der Finanzstabilität herbeiführen", sagte der Volkswirt dem Blatt.

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, sagte der Nachrichtenagentur dapd, er erwarte einen Ausverkauf amerikanischer Staatsanleihen und weitere Turbulenzen an den Märkten.

Eine Staatspleite der USA halten Mayer und der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hingegen für ausgeschlossen. "Die USA können nicht insolvent werden", sagte Bofinger. Notfalls werde die amerikanische Notenbank weitere Staatsanleihen aufkaufen.

Einer der wichtigsten deutschen Aktionärsschützer warnte die Anleger vor Panikreaktionen. "Die Herabstufung der USA war längst überfällig", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, der Nachrichtenagentur dapd. Der Markt habe diesen Schritt erwartet.

Merkel telefoniert und schweigt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte wegen der Verschärfung der Krise am Freitagabend ihren Urlaub unterbrochen, um sich mit wichtigen europäischen Partnern und den USA über die aktuellen Entwicklungen in der Eurozone und auf den Finanzmärkten zu beraten. Sie telefonierte mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, dem britischen Premierminister David Cameron und dem US-Präsidenten Obama. Einzelheiten der Gespräche wurden nicht bekannt

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler äußert sich ebenfalls nicht zur Herabstufung der US- Bonität . Dem "Focus" sagte der Minister aber, dass er eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirms ablehne, wie sie von manchen europäischen Politikern gefordert worden war. "Wir setzen jetzt die beim Sondergipfel am 21. Juli gefassten Beschlüsse entschlossen um", sagte der FDP-Vorsitzende. Damit werde den Kapitalmärkten signalisiert, "dass wir das Eurosystem verteidigen". Wer aber meine, "diese Entscheidungen nach gerade einmal zwei Wochen bereits wieder infrage stellen zu müssen, erreicht genau das Gegenteil und verunsichert die Märkte".

Unterdessen wachsen in der Bundesregierung laut einem Bericht des "Spiegels" die Zweifel, ob Italien durch den europäischen Rettungsschirm EFSF gerettet werden könnte, selbst wenn er verdreifacht würde. Regierungsexperten seien der Ansicht, die italienische Volkswirtschaft sei einfach zu groß, um gestützt werden zu können, hieß es. Eine Garantie der gesamten italienischen Staatsschuld von über 1,8 Billionen Euro könne auch Deutschland überfordern. Deshalb bestehe die Bundesregierung darauf, dass Italien durch Einsparungen und Reformen selbst aus der Krise findet.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, forderte eine Neubestimmung des Verhältnisses von Politik und Finanzmärkten. Er verlangte unter anderem europäische Staatsanleihen (Eurobonds), eine Finanztransaktionssteuer und stärkere Haushaltskontrollen. Die stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, machte sich ebenfalls für Eurobonds, aber auch für eine europaweite Vermögensabgabe stark.

(dapd )


 


 

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