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Ostendorf räumt "grobe Fehler" ein

Ungeziefer auch in Backzutaten von Müller-Brot entdeckt

Kontrolleure haben in der oberbayerischen Großbäckerei Müller-Brot auch in Zutaten Ungeziefer entdeckt. Eine Gesundheitsgefahr für Kunden habe aber nicht bestanden, teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Freitag in Erlangen mit. Weder auf noch in den fertigen Backwaren seien bei Laboruntersuchungen "Schädlinge oder Mäusekot" festgestellt worden.

Von Till Erdtracht

Eine Behördensprecherin sagte, nach dem Fund von Ungeziefer in vier Proben von Zutaten Ende Januar sei der Betrieb in der Brotfabrik umgehend stillgelegt worden. Fertige Backwaren seien entsorgt, bereits ausgelieferte Produkte zurückgeholt und vernichtet worden.

Wegen verschmutzter Maschinen und Schädlingen muss die Großbäckerei aus Neufahrn seit anderthalb Wochen die Produktion ruhen lassen (business-on.de berichtete). Bis 17. Februar will Müller-Brot die Mängel vollständig beseitigt haben. Dann soll wieder produziert werden.

"Grundlegender Neustart"

Müller-Brot bedauerte derweil die Entwicklung. Mehrheitseigentümer Klaus Ostendorf sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe), es seien "grobe Fehler" gemacht worden. Er kündigte einen "grundlegenden Neustart" an. Im Unternehmen werde ein neues Hygienemanagement eingeführt und umfassend umgebaut. Für die Pächter, die etwa zwei Drittel der momentan 240 Müller-Brot-Filialen führen, kündigte Ostendorf einen Vorschlag an, um deren Verluste "zu kompensieren".

Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) deutete die Unternehmensleitung inzwischen einen Stellenabbau an. Das sagte NGG-Funktionär Mustafa Öz nach einem Gespräch mit Geschäftsführung und Betriebsrat in Neufahrn. Die Verluste seit dem Produktionsstopp gingen bereits in die Millionen. Wenn in einer Woche die Nachkontrolle wieder negativ laufe, wäre das eine "absolute Katastrophe", sagte Öz. Dann drohten Entlassungen in großem Umfang.

Kritik an mangelnder Information

Seit Mitte 2009 hatten Kontrolleure die Brotfabrik 21-mal besucht und dabei teils große Hygieneprobleme aufgedeckt. Dass die Öffentlichkeit darüber nicht informiert wurde, ärgert die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Deren Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt sagte, ahnungslose Verbraucher hätten Millionen Brötchen und Brotlaibe von Müller-Brot gegessen, "während bayerische Beamte wegen Mäusekot und Kakerlaken in der Großbäckerei ein- und ausgingen" (business-on.de berichtete). Behörden müssten verpflichtet werden, Verbraucher über Gammelfleisch-Funde und Ekel-Lebensmittel zu informieren.

Auch die Grünen kritisierten die mangelnde Auskunft. "Die Behörden haben sich hier offenbar zu sehr von den wirtschaftlichen Interessen der Firma Müller-Brot leiten lassen und damit den Arbeitsplätzen erst recht einen Bärendienst erwiesen", sagte der Landtagsabgeordnete Christian Magerl. Er fügte hinzu: "Nach allem, was jetzt an Schädlingsbefall bekannt wurde, erscheint es schwer vorstellbar, dass die Ware bei der Auslieferung bedenkenlos war."

Das bayerische Gesundheitsministerium erklärte, die aktuelle Rechtslage habe die Information der Öffentlichkeit "leider nicht ermöglicht". Erst das am Freitag vom Bundesrat verabschiedete neue Verbraucherinformationsgesetz erlaube die Nennung von Betrieben, die wiederholt oder schwerwiegend gegen die Lebensmittelhygiene verstoßen hätten - auch ohne dass eine Gesundheitsgefahr vorliege.

(dapd )


 


 

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