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Experte sieht Nachholbedarf

Deutsche Unternehmen seltener sozial aktiv als US-Firmen

Unternehmen in Deutschland engagieren sich seltener für soziale und ökologische Projekte als US-Firmen. "Das Bewusstsein, dass freiwilliges gesellschaftliches Engagement einfach dazu gehört, ist hier noch sehr gering ausgeprägt", sagte der Wirtschaftsethiker Guido Knörzer im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd.

Von Petra Sorge

"Viele Topmanager haben in ihrer Ausbildung nie etwas von Wirtschaftsethik gehört." Dagegen werde das in den USA von den Firmen genauso erwartet wie von den Bürgern.

Das Schlusslicht bei Corporate Social Responsibility (CSR), also der Übernahme sozialer Verantwortung, sei in Deutschland die Baubranche, sagte Knörzer. Als "grottenschlechtes" Beispiel nannte er das Bauunternehmen Bilfinger Berger. "Der Begriff CSR taucht in diesem Konzern nirgendwo auf", beklagte der Ethikberater. In der Baubranche sei der Konkurrenzdruck allerdings auch enorm.

Hat nichts mit Menschenliebe zu tun

Laut Knörzer, der Geschäftsführer der Aschaffenburger "CSR-Agentur" ist, glauben viele deutsche Firmen, für die Wohlfahrt sei allein der Staat zuständig. Dabei hält er Unternehmen für verpflichtet, in Bereichen wie Umwelt, Gesundheit, Bildung, Kultur und Soziales aktiv zu werden.

Soziale Standards würden auch in Deutschland immer wichtiger. "Vor kurzem, bei einem Treffen der Post-Investmentbanker, fragten viele Fondsmanager: Wie geht ihr mit Risiken um? Was heißt für euch Nachhaltigkeit?", erzählte der Diplom-Theologe. Unternehmen, die CSR-Themen ernst nähmen, seien auch besser durch die Finanzkrise gekommen als ihre Konkurrenten. "Das hat nichts mit Menschenliebe zu tun, sondern auch mit Eigeninteressen." Ein Mittelständler habe etwa einen Kindergarten gebaut, um qualifizierte Mitarbeiter zu locken.

Chemieunfälle führten zum Wandel

Um ernsthaft Unternehmensverantwortung zu fördern, müssten Firmen genau ihre Kerngeschäfte prüfen. So unterstütze der Sportartikelhersteller Nike den Behindertensport. "Das macht für ihn mehr Sinn, als etwa den Regenwald aufzuforsten", sagte Knörzer. CSR-Themen müssten zudem auf der Vorstandsebene angesiedelt sein, forderte er.

In Deutschland hätten die chemische und pharmazeutische Industrie das am besten verstanden. Hintergrund seien zahlreiche Chemieunfälle in den 80er und 90er Jahren gewesen, die ein Umdenken in Gang gesetzt hätten. So habe der Arzneimittelhersteller Betapharm vor zehn Jahren auf die "de-facto-Bestechung" von Ärzten verzichtet, sagte Knörzer. Statt Mediziner zu bezahlen, um eigene Medikamente zu verschreiben, unterstütze das Unternehmen nun Gesundheitsprojekte. "Das hat sich für Betapharm geschäftlich gelohnt", bekräftigte er.

Knörzer wünschte sich, dass weitere Firmen dem Beispiel der Drogeriemarktkette dm folgten: "Die nehmen bewusst auch Azubis, die etwas schlechter sind." Die dm-Lehrlingsausbildung sei dennoch "top, top, top", lobte Knörzer.

(dapd )


 


 

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