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Endlich "Butter bei die Fische"

EU-Pläne zur Fischereireform schaffen mehr Klarheit

Für Fachleute steht fest: Mit den am Mittwoch in Brüssel vorgestellten Eckpunkten ihrer geplanten Fischereireform gibt die EU endlich "Butter bei die Fische".

Von Michael Best

Die sogenannte CFP-Reform (Common Fisheries Policy) kommt nach Einschätzung von Experten des Instituts für Seefischerei in Hamburg zum richtigen Zeitpunkt. Die Reform schließe als logische Konsequenz der vergangenen Jahre zahlreiche Lücken, sagte der stellvertretende Institutsleiter Christoph Stransky der Nachrichtenagentur dapd.

Immerhin gelte es, die Ansprüche von 22 EU-Mitgliedsstaaten, die Interessen an Meeresfischerei anmelden, unter einen Hut zu bringen. "Ein sehr zäher Prozess, bei dem es im schlimmsten Fall 22 verschiedene Meinungen gibt", räumte Stransky ein.

Die jetzige EU-Reform ist dennoch nicht durchweg neu. "Vieles passiert ja schon in Teilen, etwa mit vielen Ansätzen und Ideen, doch die konsequente Umsetzung kann erst erfolgen, wenn wie jetzt ein politisches Paket geschnürt wird", sagte Stransky. "Und die Reform muss auch wissenschaftlich begleitet und von allen mitgetragen werden, nur dann kann sie ein Erfolg werden."

Für den Wissenschaftler Alexander Kempf, am Institut als Experte unter anderem für Bodenfischbestände in der Nordsee und Fischereimanagement zuständig, gehören die angestrebten neuen Beifang-Regelungen zu den wichtigsten Aspekten. Ungewollte Beifänge sind unerwünschte Tiere, die bislang tot ins Meer zurückgeworfen werden, häufig untermaßige, also zu kleine Fische oder solche Meerestiere, für die der jeweilige Fischer keine Quote besitzt, obwohl die Fische eigentlich vermarktungsfähig wären. Die EU-Pläne sehen vor, dass diese Beifänge - oft fast ein Viertel des Gesamtfangs - künftig mit an Land genommen werden müssen und die Fischer dafür nachträglich Lizenzen kaufen können.

Kampfansage an unerwünschte Beifänge

Kempf verwies darauf, dass der sinnvolle Umgang mit Beifängen etwa in Norwegen längst geregelt sei: Dort dürften Fischer nur auslaufen, wenn sie über Quoten für bestimmte zu erwartenden Fänge verfügten. Die EU-Pläne lösten allerdings nicht alle Probleme. So gelte es etwa, Netztechniken zu verbessern, um Beifang generell zu reduzieren, damit zum Beispiel keine gezielte Fischerei und kein neuer Markt für bestimmte Meerestierarten oder Jungfische entstehe.

Auch eine Liberalisierung der bislang rigiden Quotenpolitik durch die Möglichkeit, künftig innerhalb eines Landes Fanglizenzen zu handeln, ist Kempf zufolge ein richtiger Schritt. Wünschenswert wäre seiner Ansicht nach jedoch zusätzlich eine Öffnung, um den Quotenhandel im bestimmten Maße auch über Ländergrenzen hinweg zu erlauben, etwa zur Eindämmung ungewollter Beifänge.

Begrüßt wird von den Experten ferner die geplante Abschaffung von Subventionen, die eine Überfischung begünstigen. Nicht alle Fischbestände seien in einem dramatischen Zustand, aber wichtig sei eine Abkehr von der bisherigen Subventionspolitik. Derartige Beihilfen finanzierten Überkapazitäten. Ziel müsse es sein, die Fischereiindustrie ohne Zuschüsse auf die eigene Beine zu stellen.

Maximalen Dauerertrag für alle Fischarten regeln

Begrüßt wird von den Fischereiexperten auch die Regelung zum nachhaltigen Fischfang durch die schrittweise Einführung des Prinzips des "Maximalen Nachhaltigen Ertrags" (MSY) bis 2015 für alle Fischarten. Dies gebe den Beständen die Chance, sich zu erholen und auf dem richtigen Niveau einzupegeln. Und es erhöhe den Druck auf die Industrie, ihre Flotten so zu reduzieren, dass sie den Beständen angepasst seien.

Hierzu bestehe allerdings noch Forschungsbedarf, etwa wenn es um Zusammenhänge zwischen Bewirtschaftung und Ökosystemen gehe, sagte Stransky. So gelte es für ein ausgewogenes Verhältnis der Arten zueinander, das wichtige Räuber-Beute-Verhältnis weiter zu erforschen. Als Beispiel nannte er Wechselwirkungen in Nahrungsketten wie Sprott-Hering-Dorsch im Ökosystem der Ostsee.

Stransky verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass 63 Prozent der Fischbestände fälschlicherweise häufig als überfischt eingeordnet würden. Zwar befänden sich diese Bestände noch nicht auf dem angestrebten MSY-Niveau. Dies bedeute allerdings nicht automatisch, dass sie auch vor dem Kollaps stünden. "Hier wird zum Teil stark dramatisiert, um zusätzlich den Druck zu erhöhen", sagte Stransky.

Allerdings biete die Fischereireform auch die Chance, mehr Daten für eine bessere Wissenschaft und somit letztlich auch für weitere politische Entscheidungen zu gewinnen.

(dapd )


 


 

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