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Allianz-Ökonomen dringen auf Fiskalunion

Wahrscheinlichkeit für Bruch der Euro-Währungsunion nur zehn Prozent

Für eine längerfristige Sicherung des Euro halten die Ökonomen der Allianz eine Fiskalunion für unerlässlich. Dazu gehöre auch ein EU-Finanzkommissar mit dem Recht zu Eingriffen, damit Staatsfinanzen nicht aus dem Ruder liefen, sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise am Mittwoch in Frankfurt am Main. Allerdings erwarte er für den EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel noch keine so weit gehenden Beschlüsse.

Vielmehr dürfte es auf Schritte lediglich in Richtung auf die Fiskalunion hinauslaufen. Es werde nicht gleich Euro-Bonds geben, die auch rechtlich Probleme in den Mitgliedsstaaten aufwerfen könnten, sondern stärkere Automatismen bei Verletzung der Stabilitätsregeln durch Euro-Staaten und strengere Anforderungen, sagte Heise.

Die Allianz-Volkswirte sehen eine derartige "evolutionäre" Entwicklung der Eurozone als wahrscheinlichsten Ausgang der Krise. Sollte es nicht zu einer Rezession kommen, dürfte mit einer Wahrscheinlichkeit von 55 bis 60 Prozent die Krise in den nächsten zwei Jahren langsam auslaufen.

Dem radikaleren Szenario einer Fiskalunion und der Ausgabe von Euro-Bonds geben die Ökonomen eine Wahrscheinlichkeit von gegenwärtig 30 bis 40 Prozent. Ein Auseinanderbrechen der Währungsunion mit schwerwiegenden Konsequenzen für alle beteiligten Staaten sei mit fünf bis zehn Prozent recht unwahrscheinlich.

Kritik an Ratingagentur

Heise kritisierte, dass die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) mit einer Herabstufung der Bonität der Euro-Staaten gedroht habe, noch bevor der Gipfel in Brüssel Entscheidungen gefasst habe. Der Zeitpunkt der Äußerung sei zumindest "sehr unglücklich", sagte er.

Der Volkswirt bemängelte zudem, dass sich die Ratingagenturen bei ihren Bewertungen hauptsächlich auf die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen für einzelne Staaten stützten, obwohl sie selbst es seien, die durch ihre Einstufungen die Zinsen bestimmten, und eine Verringerung des Ratings sofort zu höheren Zinsen führen könne.

"Kein Anlass, die Panzerfaust auszupacken"

Allerdings könnten die Strafzinsen für einzelne Euroländer auch wieder wegfallen, wenn die Gesamtentwicklung in die richtige Richtung gehe, sagte Heise und riet dazu, die Dinge in ihren Relationen zu sehen. "Bei 5,9 Prozent für Italien gibt es keinen Anlass, die Panzerfaust auszupacken", sagte er zu Forderungen, die Europäische Zentralbank (EZB) solle mit massivem Einsatz der Notenpresse die Verschuldung von Staaten auffangen. Und auch sieben Prozent Zinsen seien für ein Land wie Italien eine Zeit lang tragbar, sorgten zudem aber für den nötigen Druck auf eine Sanierung des Haushalts.

Als positive Nachricht bezeichnete es Heise, dass nach dem von den Allianz-Ökonomen erstellten "Euro Monitor 2011" sich die wirtschaftlichen Ungleichgewichte unter den Ländern der Euro-Zone seit 2010 etwas verringert hätten. Vor allem im privaten Sektor seien in erheblichem Umfang Schulden abgebaut worden. In der Summe von 15 makroökonomischen Indikatoren wie Verschuldung, Arbeitslosigkeit und Leistungsbilanzsaldo liege Deutschland auf Platz eins vor Luxemburg und Österreich.

(dapd )


 


 

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