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Presse-Querschnitt

Meinungen zum vereitelten Terroranschlag auf ein Flugzeug in Detroit

Der misslungene Anschlagsversuch eines Passagiers auf dem Flug von Amsterdam nach Detroit hat weltweit großes Aufsehen erregt. In den Medien wird einerseits der heldenhafte Einsatz des Fluggastes Jasper Schuringa gegen den Attentäter gelobt, jedoch gleichzeitig insbesondere die Frage aufgeworfen, warum Umar Abdulmutallab aus Nigeria trotz vorangegangener Warnungen in die USA einreisen konnte. In Großbritannien war er unerwünscht.

Rheinische Post: Der Weckruf von Detroit

Düsseldorf. (Von Reinhold Michels) Der Fall des Flugzeug-Terroristen Umar Abdulmutallab hat das Zeug zu einem Mahn- und Weckruf an die Adresse des alten Adam, der, wie man zurecht sagt, ein "Gewohnheitstier" ist. Viele Flugreisende, die nach den verheerenden Attentaten vom 11. September 2001 eine Weile beklommen in ihrer Maschine Platz genommen hatten, ärgern sich längst mehr über diverse, zugegeben lästige Sicherheits-Prüfungen vor dem Abflug, als dass sie diese ohne innerliches Beben geduldig ertrügen. Umar Abdulmutallab, der mit dem Plan zum Massenmord unterwegs war, nützte der leider vorhersehbar wieder eingerissene Schlendrian. Dass ausgerechnet die seit acht Jahren besonders peniblen Terrorbekämpfer der USA im Fall des bekannt unsicheren Kantonisten grob fahrlässig handelten, wirft kein gutes Licht auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und oft doch auch begrenzten Fähigkeiten. Der Islamist aus Nigeria, den ein tapferer holländischer Passagier in letzter Sekunde unschädlich gemacht hat, erfüllte eine Reihe schwerwiegender Verdachts-Kriterien. Jedes Einzelne davon hätte bei den einschlägigen Stellen Alarm auslösen müssen. Und dies noch: Es passt nicht zusammen, dass ein Fluggast am Gate den letzten Rest seiner Wasserflasche leeren soll, aber Abdulmutallabs Sprengpulver unentdeckt blieb.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung : Anschlag auf Flugzeug - Vom Heldentum

Essen. (Von Ulrich Schilling-Strack) Wir feiern heute zwei Helden. Ganz unterschiedlich sind sie, und doch beide aufs Engste verbunden mit dem Anschlag auf das Flugzeug in Detroit. Jasper Schuringa überwältigte den Attentäter. Stürzte sich auf den Mann in Reihe 19, Platz A, nur wenige Sekunden nach der Explosion. Mit seiner blitzschnellen Reaktion rettete Schuringa vielen Menschen das Leben. Todesmut nennen wir das, diesen bedingungslosen Einsatz, und Jasper Schuringa ist zweifellos ein strahlender Held. Der andere Held heißt Alhaji Umaru Mutallab. Er ist der Vater des Attentäters. In der nigerianischen Heimat der Familie war Mutallab Bankier und Minister. Ein angesehener Mann. 16 Kinder hat er großgezogen, sich um jedes fürsorglich bemüht, wie alle berichten. Als er spürte, wie sich sein Sohn Abdul Faruk veränderte, wie er den radikalen Islam, gar den Terror umarmte, hat Mutallab die nigerianischen Sicherheitsbehörden alarmiert und am Ende sogar die amerikanische Botschaft. Was muss passieren, damit ein Vater solch einen verzweifelten Schritt unternimmt, fragen wir uns und können wohl nur erahnen, was jetzt in Alhaji Umaru Mitallab vorgeht, diesem stillen Helden im Drama von Detroit.

Lausitzer Rundschau: Die Terror-Falle

Cottbus. Wieder ist einer der Versuche gescheitert, mittels eines spektakulären Anschlags der Sache des islamistischen Fundamentalismus neuen Auftrieb zu verschaffen. Wieder hat sich gezeigt, dass die von Al Qaida inspirierten Mörderbanden bei der Wahl ihrer Mittel mit einer so skrupellosen wie auch ärmlichen Art und Weise steckenbleiben im Versuch. Und dennoch erreichen sie einige ihrer Ziele. Die Angst wächst und mit ihr die Maßnahmen, die Passagiere von Flugzeugen über sich ergehen lassen müssen. Und mit ihnen beginnt eine ausufernde Diskussion darüber, bis zu welchem Punkt tatsächlich die vermutete Gefahr unser Leben bestimmen wird. Derzeit trifft dies vor allem diejenigen, die in ein Flugzeug steigen. Aber nicht nur Flugzeuge sind verwundbar - in Europa haben die Selbstmordkandidaten längst auch andere Massentransportmittel entdeckt. Wenn wir uns einer Gesellschaft nähern, in der immer größere Bereiche des öffentlichen Lebens bestimmt sind von Einschränkungen und Kontrolle, dann haben die Terror-Netzwerke tatsächlich einen der zentralen Werte der westlichen Zivilisation - das selbstbestimmte, freie Leben - angetastet. Sie unterwerfen uns jener Kultur des Misstrauens und der Unterordnung, die sie als Norm anstreben. Dies ist angesichts der Ereignisse an Bord des Northwest-Fluges 253 allerdings eine fragwürdige Konsequenz. Denn der Vorfall hat zwei Aspekte, die Hoffnung schöpfen lassen. Der mutmaßliche Täter war schon nach den ersten Berichten gleich mehrfach in das Blickfeld geraten. Vor allem der Umstand, dass sein eigener Vater vor ihm warnte, ist bemerkenswert. Er zeigt, dass weltweit inzwischen die Menschen alarmiert werden, wenn sie das irritierende Verhalten von Fanatikern beobachten können. Dass dies nicht zu Konsequenzen führt, legt gleichzeitig auch die gravierenden Mängel der derzeitigen Sicherheitsarchitektur offen. Die schenkt der massenhaften Kontrolle Hundertausender mehr Aufmerksamkeit als selbst solchen Hinweisen, die aus den Familien möglicher Mörder kommen. Und noch etwas war bemerkenswert bei dem gefährdeten Landeanflug auf Detroit. Die Passagiere haben ihrerseits gehandelt und sehr schnell und offensichtlich auch effektiv auf die Gefahr reagiert, die ihnen drohte. Beides - die Sorge des Vaters wie das Einschreiten der Bedrohten - geben einen Hinweis darauf, wie am effektivsten der terroristischen Gefahr begegnet werden könnte. Der Terror-Falle entgehen wir noch am ehesten, wenn nicht etwa uferlose Kontrollmechanismen, sondern die Vernunft obsiegt. Dies schließt Sicherheitsvorkehrungen nicht aus, aber setzt ihnen Grenzen.

Neue Osnabrücker Zeitung:  Kaida nicht unterschätzen

Osnabrück. Flug 253 nach Detroit ist Weihnachten knapp einem Inferno entronnen. Die fast 300 Passagiere haben offensichtlich ihr Leben allein dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass der Selbstmordattentäter den Zünder fehlerhaft zusammengesetzt hatte. Sicherlich: Der Einsatz von Passagieren und Besatzung war heldenhaft und führte zur Überwältigung des Fanatikers aus Nigeria. Doch letztlich scheiterte der Anschlag nicht an der Qualität der Schutzmaßnahmen, sondern am Unvermögen des Extremisten. Wie etwa bei den Kölner Kofferbomber-Attentätern 2006 haben auch diesmal alle Sicherheitssysteme im Vorfeld versagt. Trotz Warnungen seines Vaters wurde der junge Extremist aus reichem Elternhaus nicht als Gefährder eingestuft, obwohl er im Jemen ein Training der Kaida durchlaufen hatte. Geheimdienste wie Flughafen- und Einreisebehörden hatten ihn einfach nicht deutlich genug auf dem Radarschirm. Solche Fehler können, dürfen aber nicht passieren. 100-prozentigen Schutz gibt es zwar nicht, doch es wäre fahrlässig, der Gefahr nicht intensiv zu begegnen. In Deutschland und anderswo wurde viel über einen angeblichen Sicherheitswahn geklagt. Doch die Anti-Terror-Politik ist kein Ausdruck von Hysterie, sondern von Verantwortungsbewusstsein. Auch Flug 253 mahnt, Kaida nicht zu unterschätzen.

(Redaktion)


 


 

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