Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
Forschungszentrum Jülich

NRW-Grüne gegen 152 Castor-Transporte nach Ahaus

Das Vorhaben ist politisch umstritten: In bis zu 76 Einzeltransporten sollen in Kürze quer durch das dicht besiedelte Bundesland NRW insgesamt 152 Castor-Behälter mit Atommüll vom Forschungszentrum Jülich ins Zwischenlager Ahaus gebracht werden. Doch bislang gibt es noch gar keine Endlagerlösung. Geht es nach den NRW-Grünen, kann der Atommüll erst einmal in Jülich bleiben.

Von Onur Yamac

"Die Transporte sind unsinnig und unverantwortlich", so die Landesvorsitzende der NRW-Grünen, Monika Düker. "Sie bergen Risiken für die Bevölkerung und sind eine hohe Belastung für die Polizei in NRW, die für den Schutz der Transporte verantwortlich wäre. Wir Grüne fordern die Bundesregierung auf, sich nicht weiter gegen eine Ertüchtigung des Zwischenlagers in Jülich zu sperren, so dass die 288.161 hoch strahlenden Graphitkugeln bis zur Überführung in ein Endlager dort verbleiben können. Positive Signale von Bundesforschungsministerin Anette Schavan (CDU) machten Hoffnung auf ein Entgegenkommen des Bundes, so Düker. 

Sparanstrengungen in Düsseldorf und Berlin

Schavan hatte kürzlich ein neues Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums in Jülich grundsätzlich nicht ausgeschlossen (business-on.de berichtete). Knackpunkt dürfte die Finanzierung der Anlage sein: der Betrieb eines Lagers in NRW dürfte den Bund günstiger kommen als zwei. Ist allerdings noch kein Endlager gefunden, muss der Atommüll irgendwann noch einmal auf die Reise geschickt werden.

Die Anlagen müssen rund um die Uhr durch ein umfangreiches Aufgebot von Sicherheitskräften geschützt werden. Ob der Bund für seine Sparanstrengungen aber Jülich räumen und monatelang hochradioaktiven Atommüll durch NRW auf die Reise schicken können wird, dürfte sich nicht zuletzt am Widerstand gegen die Transporte entscheiden. Für die NRW-Landesregierung bedeuten die geplanten Transporte Millionenkosten für die damit verbundenen Polizeieinsätze. Sollte dann irgendwann noch einmal Ahaus geräumt werden, muss man in Düsseldorf womöglich einen zweites Mal für einen weiteren Mega-Polizeieinsatz in die Kasse greifen.

Eine sichere Aufbewahrung des Atommülls bis zur Endlagerung in Jülich liege in der gemeinsamen Verantwortung vom Bund als Haupteigentümer des Forschungszentrums und vom Land als zuständige Atomaufsicht, stellte Düker die Vorstellungen der NRW-Grünen dar. Dies würde den Bund in die Finanzierungspflicht nehmen.  Das von Röttgen begonnene Schwarze-Peter-Spiel könne man sich angesichts des Auslaufens der Betriebsgnehmigung für das Zwischenlager Jülich im Juli 2013 nicht leisten, so die Politikerin weiter.

Um gegen den drohenden Castor-Transport durch Deutschlands größtes Bundesland Mobil zu machen, demonstrieren die Grünen an einem Aktionstag am 25. Februrar entlang jener Autobahnen, die als Fahrtroute für die hochradioaktive Fracht in Frage kommen. Die entsprechenden Strecken werden aktuell gemeinsam mit der Essener Gesellschaft für Nuklearservice durchgeplant und mit Probetransporten abgefahren.

Jülich: Aufrüstung oder Ahaus?

Aber auch andere Gründe spielen bei dem Transportvorhaben des Bundes eine Rolle: Bei allen Sorgen über die Sicherheit des Transports dürften die Sorgen um die Sicherheit vor Ort nicht vergessen werden, sagte Schavan erst kürzlich. Immerhin hat das Ressort von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) Anfang des Jahres angekündigt, in Kürze alle bestehenden Zwischenlager dazu zu verpflichten, ihre Anlagen mit zehn Meter hohen Stahlbetonmauern auszurüsten. Glatte 10 Jahre nach den Terroranschlägen des 11. September 2001. Vielleicht bald auch in den beengten Platzverhältnissen im hochgesicherten Forschungszentrum Jülich. Sicherer ist das.

In dieser Artikelversion ist der vorletzte Satz des zweiten Absatzes entfernt worden. Es handelte sich um eine unbeabsichtigte Satzdopplung.

Aktualisiert: 26.2.2012

(FN)


 


 

Bund
Zwischenlager
Atommüll
Forschungszentrum Jülich
Castor-Transporte
Sicherheit
Grüne
NRW
Anlage
Endlager
Ahaus
Landesregierung
Gesellschaft für Nuklearservice
Norbert Röttgen
Anette Schavan
Minister

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Bund" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: