Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
Flughafen Frankfurt/Main

Streik: Flughafenpassagiere ohne Infos

Ein Streik auf dem Flughafenvorfeld in Frankfurt am Main kann eine Reise nach Venedig zur Odyssee werden lassen.

Von Stefan Höhle

 "Meine Maschine sollte um 16:25 Uhr starten", erzählt Ingenieur Andrea Veronese, der in der Lagunenstadt lebt. Doch: "Der Flug ist gecancelt." Von Frankfurt aus will der 38-Jährige nun stattdessen nach Brüssel fliegen und von dort nach Venedig gelangen. "Die Hilfe seitens der Airline war enttäuschend", beklagt Veronese.

So wie der Venezianer ärgerten sich am Donnerstag Hunderte andere gestrandete Passagiere über fehlende Informationen im Flughafen-Terminal. Seit 15 Uhr streiken die Mitarbeiter auf dem Vorfeld. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will mit dem Ausstand des 200-köpfigen Sicherheitspersonals auf dem Areal vor den Terminals ihren Forderungen im laufenden Tarifstreit Nachdruck verleihen. Bis 22 Uhr sollte am Donnerstag gestreikt werden, am Freitag geht es von 8 bis 22 Uhr in die Verlängerung. Fraport hält mit neu geschultem Personal dagegen und versucht am Donnerstag und Freitag, mindestens die Hälfte aller Flüge abzuwickeln.

"Ich wundere mich, dass sich die Gewerkschaft versteckt"

Fraport und der Gesamtbetriebsrat des Unternehmens bekunden am Donnerstag einstimmig: "Die GdF-Forderungen nach Gehaltsverbesserungen von teils über 70 Prozent sind inakzeptabel." Als dann am Donnerstagnachmittag die Tafeln in den Terminals bei den innereuropäischen Verbindungen über 50 Prozent Flugausfälle anzeigen, sind die meisten betroffenen Passagiere auf den Frust zwar vorbereitet - aber trotzdem überrascht. "Ich wundere mich, dass sich die GdF hier versteckt", sagt eine Hamburgerin. "Ich will wenigstens wissen, warum ich Zug fahren soll."

In der Tat konnten Flugpassagiere nur ahnen, dass sicherheitsrelevante Aufgaben draußen auf dem Vorfeld von Fraport-Mitarbeitern erledigt wurden, die vom Unternehmen in den vergangenen Tagen erst eingearbeitet worden waren. Warum die bisher bewährten Aufsichtsleute und Follow-Me-Fahrer streikten, erfuhr auf dem Airport selbst niemand. Allein Fraport-Vorstandsmitglied Peter Schmitz hatte am Nachmittag auf dem Flughafen der Presse mitgeteilt, dass seit 14.50 Uhr Ersatzpersonal aufs Vorfeld ausgerückt sei.

Achselzucken am Counter

Nicht als einzige Reisende orakelt die gestrandete Hamburgerin, die GdF scheue die Öffentlichkeit wegen der Höhe ihrer Gehaltsforderungen. Es mangelt am Donnerstag aber nicht nur an Aufklärung durch die Gewerkschaft. Kaum ein betroffener Passagier war mit der Hilfestellung seiner Airline zufrieden. "Ich weiß nur, dass mein Flug nach Zagreb ausfällt", berichtet der Kroate Milan Cackvic. "Sonst weiß ich nichts." Am Counter der kroatischen Fluggesellschaft habe das Personal nur mit den Achseln gezuckt.

Auch der Venezianer Veronese muss sich die Route in die Heimat selbst zusammenstellen. "Wenn es nicht über Brüssel geht, kann ich am Abend vielleicht wenigstens noch nach Verona fliegen", sagt der Ingenieur. "In Verona war ich bisher nicht oft", sagt Veronese und lacht etwas sarkastisch. "Obwohl mir das bei meinem Namen niemand glaubt."

(dapd )


 


 

Donnerstag
Passagier
Gewerkschaft
Vorfeld
Frankfurt
Venedig
Fraport-Mitarbeitern
GdF

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Donnerstag" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: