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Ostfriesischen Inseln

Zu viel Frost für eingewanderte Schwertmuscheln

Auf der Insel Juist treffen Strandwanderer derzeit auf ein seltenes Naturphänomen: Riesige Mengen von Muschelschalen werden von der Flut zu großen Wällen aufgeschichtet. Ursache ist ein Massensterben der Amerikanischen Schwertmuschel oder Scheidenmuschel (Ensis americanus). Das teilen die Nationalparkverwaltung Nds. Wattenmeer und der Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit.

Diese eingewanderte Art ist, anders als die heimischen Schwertmuscheln, temperaturempfindlich und siedelt nach Angaben der Experten zudem im oberflächennahen sandigen Sediment, wo sie kaum gegen den langanhaltenden Frost geschützt ist. "Auf sehr langen Strecken liegen tonnenweise Schwertmuscheln am Strand, die sich teilweise bis zu 70 cm hoch und 3 m breit auftürmen", berichten NLWKN-Mitarbeiter auf Juist. Die Ablagerung beginnt an der Wilhelmshöhe und zieht sich bis zur Bill.

Funde auch auf Borkum, Norderney und Langeoog

Auch von Borkum, Norderney und Langeoog werden größere Mengen angespülter Schwertmuscheln gemeldet, durchmischt mit Strahlenkörbchen (einer Trogmuschelart), Seesternen und Herzseeigeln. Zum großen Teil wurden die Muscheln noch lebend angetrieben. Das spriche dafür, so die Experten, dass die mit starkem Ostwind verbundene Strömung sie freigespült hatbe. Durch den Frost geschwächt, konnten sie sich schließlich nicht wieder eingraben und wurden an den Strand verdriftet.

Häufig lasse sich auch im Frühjahr ein Massensterben beobachten, so die Nationalparkverwaltung Wattenmeer. Dies sei wahrscheinlich eine Folge der totalen Verausgabung bei der Fortpflanzung der Muscheln, heißt es. Das alle paar Jahre auftretende Phänomen des Massensterbens ist also nicht alltäglich, aber auch nicht ungewöhnlich oder Besorgnis erregend.

Die Amerikanische Scheidenmuschel wurde im Bereichen Nds. Wattenmeer erstmals im Jahr  1979 nachgewiesen. Eingeschleppt wurden die Larven von der Nordamerikanischen Atlantikküste über das Ballastwasser von Schiffen. Seit dem Erstfund hat sie sich im deutschen Wattenmeer schnell etabliert. Heute besiedelt die Muschel in hohen Individuendichten von durchschnittlich 440 bis maximal 1.500 Tieren pro Quadratmeter (im Jugendstadium sogar mehrere 10.000 pro Quadratmeter) den sublitoralen, also regelmäßig überfluteten Bereich des Wattenmeeres. Dabei bevorzugt sie sandige, stark durchströmte Bereiche.

Wattenmeer: Schwertmuschel hat Platz im Ökosystem gefunden

Mittlerweile hat der Einwanderer jedoch  - anders als so manch andere eingeschleppte Art - seinen Platz im Ökosystem Wattenmeer gefunden, ohne seine hier heimischen Verwandten zu verdrängen. So haben Austernfischer gelernt, die langgestreckten Schalen zu öffnen, um an das nahrhafte Fleisch zu gelangen. Eider- und Trauerenten, die Muscheln in ihrem kräftigen Muskelmagen knacken, können sich auch kleinere Exemplare der bis zu 17 cm langen Amerikanischen Schwertmuschel einverleiben.

(Redaktion)


 


 

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