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  • 03.02.2013, 17:54 Uhr
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  • Buenos Aires/Mexiko-Stadt
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Gasexplosion in Pemex-Zentrale

Mexikos staatlicher Ölkonzern ist längst ein Sanierungsfall

Der Schock über die verheerende Explosion in der Zentrale des staatlichen Ölkonzerns Pemex sitzt tief. In die Trauer um die mindestens 34 Todesopfer des Unglücks vom Donnerstag mischt sich in Mexiko verletzter Stolz.

Von Stefan Biskamp

Der "Torre de Pemex", der Pemex-Turm, dessen untere Stockwerke nun verwüstet sind, war nach seiner Fertigstellung 1982 mit 214 Metern das höchste Gebäude Mexikos. Er galt als weithin sichtbares Symbol für die Macht des Ölriesen. Das Staatsunternehmen war die Ikone des wirtschaftlichen Aufstiegs des Landes durch die Ausbeutung der Ölfelder.

Lange Geschichte eines Abstiegs

Doch die Tragödie ist ein weiteres, bitteres Kapitel in der Geschichte des steten Niedergangs von Pemex. Denn das Staatsunternehmen ist heute ein Sanierungsfall. Die alten Reserven des immer noch viertgrößten Ölproduzenten weltweit gehen zur Neige, und die Erschließung neuer Quellen ist für den hoch verschuldeten Konzern schwer zu finanzieren. Staatschef Enrique Peña Nieto hatte die Präsidentschaftswahlen im Juli auch mit dem Versprechen gewonnen, Pemex wettbewerbsfähig zu machen. Mehrmals deutete er bereits an, das Unternehmen nach dem Modell des teilprivatisierten brasilianischen Ölkonzerns Petrobras umzubauen. Der brasilianische Staat hält knapp 50 Prozent und die strategische Kontrolle. Dennoch kann sich Petrobras an der Börse neues Kapital besorgen.

Verkauf ist ausgeschlossen

Doch eine Teilprivatisierung ist für viele Mexikaner undenkbar. Pemex versorgt sie mit seinem Tankstellenmonopol nicht nur mit billigem Benzin. Schon 2008 hatten Privatisierungspläne der Vorgängerregierung auch aus Furcht vor dem Abbau von Arbeitsplätzen zu wütenden Protesten der Gewerkschaften geführt.

Aufgrund dieser Erfahrungen schloss Peña Nieto in den vergangenen Tagen einen Verkauf von Pemex im Rahmen des geplanten Umbaus der Energiewirtschaft des Landes aus: "Pemex wettbewerbsfähig zu machen, heißt nicht, es zu privatisieren." Das Wort "Teilprivatisierung" nahm er allerdings auch nicht in den Mund.

Hälfte geht an den Staat

An die Verstaatlichung der Ölfelder vor 75 Jahren erinnert alljährlich ein eigener Feiertag im März. Den großen Sprung machte Pemex jedoch 1976 mit der Entdeckung des riesigen Cantrell-Ölfelds. Als die Produktion dort anlief, sagte der damalige Staatschef José López Portillo, die einzige Herausforderung Mexikos sei, "den Überfluss zu verwalten".

Doch seit 2004 geht die Förderung von damals 3,4 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag auf derzeit gut 2,5 Millionen Barrel zurück, wo sie 2013 nach offizieller Prognose stagnieren wird. Zugleich drücken hohe Schulden die Bilanz, die Verbindlichkeiten lagen im dritten Quartal 2012 bei knapp 58 Milliarden Dollar (79 Milliarden Euro), denn einen Großteil seiner Erlöse liefert Pemex beim Fiskus ab. 55 Prozent des Umsatzes von 32 Milliarden Dollar im dritten Quartal gingen an den Staat.

Die Sicherheit von Pemex-Anleihen, von der Ratingagentur Fitch zuletzt mit "BBB" bewertet, wird in der Regel ähnlich eingestuft wie die Bonität des mexikanischen Staats, und das aus nachvollziehbaren Gründen: Der Staat sichert dem Unternehmen die Monopolstellung etwa im Vertrieb, und einen Zahlungsausfall des Konzerns würde er nicht zulassen.

Ein Drittel der Staatseinnahmen

Der Ölkonzern sorgt mit seinen Steuern und Abgaben für rund ein Drittel der gesamten Staatseinnahmen, denn Mexiko hat ein im Vergleich zu seiner wirtschaftlichen Stärke lediglich ein sehr niedriges Steueraufkommen. Steuern stellen nur 25 Prozent der Staatseinnahmen, europäische Länder kommen im Durchschnitt auf etwa 50 Prozent. Dabei liegt der Grund für die mexikanische Steuermisere nicht in niedrigen Steuersätzen, sondern im informellen Sektor. Ein großer Teil vor allem kleiner Unternehmen wird gar nicht steuerlich erfasst.

Daher ist ein Umbau von Pemex eng mit einer Steuerreform verwoben. Auch die ist Teil des Reformpakets des neuen Präsidenten, allerdings ist die Reform ein Mammutprojekt. Dass das Unglück vom Donnerstag das politische Projekt des Konzernumbaus oder gar dessen Privatisierung befördert, ist deshalb in direkter Konsequenz unwahrscheinlich.

(dapd)


 


 

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