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Fotografien 1976-2009

Werke von Herlinde Koelbl in Oldenburg zu Gast

Herlinde Koelbl ist in Oldenburg keine Unbekannte. Im August 1997 präsentierte der Kulturspeicher Oldenburg ihre "Starken Frauen" im Dachgeschoß des Oldenburger Schlosses. Die Präsentation löste zum Teil heftige Diskussionen aus; gleichwohl endete die Ausstellung außerordentlich erfolgreich.

Der siebzigste Geburtstag der Künstlerin in 2009 war Anlass für die erste Werkschau ihres fotografischen Werks aus den Jahren 1976 – 2009. Die Ausstellung, die im Martin-Gropius-Bau in Berlin ihre Premiere hatte, wird vom Kulturspeicher Oldenburg und dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg so gut wie komplett übernommen. Über 350 Fotografien aus drei Jahrzehnten sind in dieser Ausstellung zu sehen.

Koelbl: Abenteuer mit offenem Ende

Koelbl war Autodidaktin, fing relativ spät mit dem Fotografieren an, 1976, mit 37 Jahren, eine Modedesignerin, eine Mutter von vier Kindern. Sie suchte sich ihren eigenen Weg mit Mut und einer ungeheuren Vitalität und Energie und realisierte ihre Projekte auf eigenes Risiko. Sie machte Bilder für den Stern und die Zeit und die New York Times. Aber immer wichtiger waren ihr die eigenen Projekte; ihre "Feldforschungen" mit dem Fotoapparat. So entstanden die Bilderserien in deutschen Wohnzimmern und Schlafzimmern, am Sterbebett und im körperlichen Intimbereich.

Die Ausstellung erzählt davon, wie Herlinde Koelbl durch ihren außergewöhnlichen "mein Blick" und ihre produktive Neugier zu einer der wichtigsten Fotokünstlerinnen Deutschlands wurde. Die Schau ist in einzelne Themenblöcke gegliedert, die alle Facetten ihres Werkes berücksichtigt. Die Ausstellung macht deutlich, wie Herlinde Koelbl arbeitet und welchen Prinzipien sie sich verpflichtet fühlt. Ihr Credo: "Die Freiheit des Denkens, die Freiheit für meine Arbeit war, ist mir ganz entscheidend wichtig. Bei meiner Arbeit selbst dazu zu lernen, meinen Horizont zu erweitern und darüber hinaus mit jedem Thema sozusagen ein geistiges Abenteuer zu beginnen – mit offenem Ende".

Konzeptionelles Vorgehen

Die Belichtung beginnt bei Koelbl lange vor der Aufnahme, wenn sie sich, lesend, reisend, im Gespräch auf ihre Projekte vorbereitet. 1989 war für sie das Schlüsselerlebnis, die "Jüdischen Porträts" – Erfahrungen mit Überlebenden des Holocaust: Tabori, Reich-Ranicki, Popper, … Herlinde Koelbl arbeitet mit Konzepten, das heißt, sie hat die Bilder im Kopf, die sie schaffen will.

"Ich interessiere mich für Menschen. Aber es muss weiter gehen als unter die Oberfläche. Das ist das ganze Geheimnis." (Herlinde Koelbl)

Ihre Projekte sind gekennzeichnet von einer eigenwilligen und unverwechselbaren künstlerischen Handschrift. Ihr Stil zeichnet sich durch klare Schnörkellosigkeit aus; etwaige manieristische Attitüden sucht man vergebens. Die Eindringlichkeit der fotografischen Sprache fasziniert. Die Ausstellung lädt zu einer anregenden Reise mit einer Lichtbildnerin ein, die über all die Jahre ihrem Motto treu geblieben ist: "Ich interessiere mich für Menschen. Aber es muss weitergehen als unter die Oberfläche. Das ist das ganze Geheimnis."

Herlinde Koelbl übernahm Gastprofessuren u. a. in Hamburg über Wien, nach New York und Sydney und erhielt renommierte Preise und Auszeichnungen, so z.B. 2001 den Dr. Erich-Salomon-Preis, 2007 die Goldene Kamera. Ihre Werke wurden in zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, u. a. 2008 in der Kunsthal Rotterdam und im Shanghai Art Museum, 2000 im Haus der Kunst in München oder 1991 im Spertus Museum in Chicago.

Die Schau ist vom 18. März bis 13. Juni 2010 im Kulturspeicher im Oldenburger Schloss zu sehen.

(Redaktion)


 


 

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