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Kommetar von Georg Blaha

Euro-Panik: Rätselhaft vertraut

Beim Blick auf den Devisenmarkt kann man leicht ein Déjà-vu-Erlebnis bekommen. Irgendwie hat man das alles schon mal gesehen: Anleger stoßen Euro ab und flüchten in die als sicher geltenden Währungen Dollar, Yen und Schweizer Franken. Dass der Goldpreis in Euro notiert auf einen Rekordstand gestiegen ist, trägt zur rätselhaft vertrauten Panikstimmung nur noch weiter bei.

Es ist sicher nicht verkehrt, den Vergleich zur Griechenland-Krise vom Frühjahr zu suchen. Damals rasselte der Euro auf 1,1875 Dollar herunter. Doch auch wenn die Trends derzeit ähnlich sind, ist das Ausmaß der neuen Schuldenkrise um Irland und die anderen Peripherieländer ein anderes. Es spricht einiges dafür, dass der Euro sein aktuelles Niveau um 1,30 Dollar halten, wenn nicht sogar ausbauen wird: Die Déjà-vu-Erfahrung wäre damit deutlich verkürzt. Gewiss, das EU-Rettungspaket für Irland ist mit vielen Fragezeichen behaftet. Deshalb konnte es weder die Devisen- noch die Bondmärkte beruhigen. "Unsicherheit durch Kleingedrucktes", fasste eine Investmentbank die Situation zusammen. Dass Griechenland nebenbei mehr Zeit eingeräumt wird, die Hilfskredite aus der EU zurückzuzahlen, dürfte auch nicht gerade zur Zuversicht an den Märkten beigetragen haben. Und eine weitere Ausbreitung der Krise auf die größeren Euro-Länder Spanien und Italien würde den Euro stark belasten.

Der vergessene Faktor: US-Verschuldung

Doch es ist zunächst einmal wichtig anzuerkennen, dass die Eurozone nicht nur aus Problemstaaten besteht. Der Währungsraum als Ganzes hat dank der Kernländer, allen voran Deutschland, durchaus passable Wachstumsperspektiven, die eine Stützung der schwächeren Mitglieder möglich machen - und damit eine Stabilisierung der gesamten Region. Für den Euro-Dollar-Kurs bedeutender ist jedoch der Verschuldungsgrad der USA, an den an dieser Stelle erinnert werden soll. Der Bundeshaushalt, gegen den die Eurozone immer gemessen wird, ist nur ein Teil davon. Der Haushalt vieler US-Bundesstaaten steht in puncto Neuverschuldung und Fehlbeträgen in der Kasse den schwächsten Euro-Mitgliedern in nichts nach. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft werden das auch die Devisenmärkte kapieren, die gerne vermeintlich irrelevante Faktoren ausblenden. Spätestens dann geht es für den Euro wieder aufwärts.

(Redaktion)


 


 

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