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Arcandor-Pleite

Richter: Anzeichen für Pflichtverletzungen Middelhoffs - Zweifel an Schadenshöhe

Im 175-Millionen-Euro-Schadenersatzprozess gegen den früheren Chef des Pleitekonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, sieht das Gericht deutliche Anzeichen für Pflichtverletzungen des Managers.

Von Erich Reimann

Die Vorsitzende Richterin am Essener Landgericht, Regina Pohlmann, sagte am Mittwoch beim Prozessauftakt, die Kammer tendiere zu der Auffassung, dass Middelhoff nach seinem Amtsantritt nicht ausreichend versucht habe den Vollzug nachteiliger Verträge mit den Oppenheim-Esch-Fonds zu verhindern.

Allerdings verwarf das Gericht die Schadensberechnung des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg als "nicht schlüssig". Es räumte Görg am Mittwoch zwei Monate Zeit ein, um seine Klage nachzubessern. Gelingt es ihm nicht, die Anforderungen des Gerichts zu erfüllen, könnte der Prozess nach Angaben eines Justizsprechers ein plötzliches Ende nehmen.

Ein Görg-Sprecher kündigte aber an, der Insolvenzverwalter werde die Schadensberechnungen nun rasch nachbessern. "Wir werden im Interesse der Gläubiger unsere Hausaufgaben machen - und das gründlich."

Görg hat Middelhoff und zehn weitere frühere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder auf Schadenersatz in Höhe von 175 Millionen Euro verklagt. Er wirft den Managern vor, wirtschaftlich nachteilige Mietverträge für fünf Karstadt-Warenhäuser ohne die erforderliche rechtliche Prüfung abgeschlossen zu haben.


Middelhoff plant Schadenersatzklage gegen Görg

Der Hintergrund: Karstadt hatte kurz nach der Jahrtausendwende fünf Warenhäuser - in Karlsruhe, Leipzig, München, Potsdam und Wiesbaden - an die Oppenheim-Esch-Gruppe verkauft und nach umfangreicher Sanierung zurück gemietet. Nach Überzeugung von Görg geschah dies zu denkbar ungünstigen Konditionen für die Warenhauskette. Die Immobilien seien unter Marktwert verkauft worden, dennoch hätten die Mieten deutlich über den marktüblichen Sätzen gelegen. Dadurch soll dem Unternehmen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden sein.

Middelhoff selbst war - ebenso wie die anderen Beklagten - zum Prozessauftakt nicht persönlich erschienen. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" wies er allerdings alle Vorwürfe zurück. "Diese Klage ist ohne Substanz und damit verbunden auch die Kampagne, die ich zwei Jahre über mich ergehen lassen musste", sagte der Manager.

Middelhoffs Rechtsanwalt Winfried Holtermüller kündigte unterdessen eine Schadenersatzklage gegen Görg an. Dabei werde es um "dicke zweistellige Millionenbeträge" gehen. Denn durch die überzogenen Vorwürfe des Insolvenzverwalters seien Middelhoff große Geschäftschancen verbaut worden. Die Zerstörung seines geschäftlichen Rufes habe dazu geführt, dass der Manager aus lukrativen Projekten heraus komplimentiert worden sei. Außerdem hat Middelhoff den Insolvenzverwalter Görg bereits wegen Prozessbetruges angezeigt. Die Anwälte des Managers werfen dem Insolvenzverwalter vor, bei seiner Klage bewusst wesentliche, für Middelhoff entlastende Details verschwiegen zu haben.

Sechs mitangeklagte ehemalige Aufsichtsratsmitglieder können unterdessen auf eine Abweisung der Klage hoffen. Nach der vorläufigen Auffassung des Gerichts hätten sie keine Pflichtverletzungen begangen, sagte Richterin Pohlmann. Die Verhandlung soll am 31. August fortgesetzt werden.

(dapd )


 


 

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