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Weltfrauentag

„Frauen sind noch lange nicht am Ziel“

Jedes Jahr am 8. März begehen unzählige Frauen weltweit den Internationalen Frauentag und machen ihre Situation zum Thema. Anlässlich dieses Tages äußerten sich zahlreiche Prominente aus der Region zum Thema. Bremens Frauensenatorin gab sich gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten von Deutschlands kleinstem Bundesland kämpferisch: "Frauen sind noch lange nicht am Ziel."

"Deutschland hat großen Nachholbedarf bei der Umsetzung von gleichstellungspolitischen Zielen. Frauen in Führungspositionen sind immer noch Mangelware. Gleichzeitig haben Frauen in den letzten Jahrzehnten viel gekämpft, Initiativen gestartet, sich vernetzt und viel erreicht - und das feiern viele Fraueninitiativen in unserem Bundesland!", so die Bremer Landesbeauftragte für Frauen, Ulrike Hauffe. IG Metall-Bezirksleiterin Jutta Blankau pflichtet ihr bei und kritisiert, dass Frauen nach wie vor fast ein Viertel weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. "Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik sind ernüchternd. In kaum einem anderen europäischen Land liegen die Gehälter so weit auseinander. Nur Zypern, Estland und die Slowakei liegen noch hinter Deutschland", so die Gewerkschafterin

Rosenkötter sieht weiter Handlungsbedarf

Besonderen Handlungsbedarf sieht Bremens Frauensenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) in Wirtschaft und Wissenschaft: „Während sich im Öffentlichen Dienst dank wirksamer Landesgleichstellungsgesetze Frauen allmählich ihren Platz erobern, geht es in der Privatwirtschaft trotz vieler Versprechungen nicht weiter. Das zeigt auch die dritte Bilanz der Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Privatwirtschaft, der gerade vorgelegt wurde. Wir brauchen endlich gesetzliche Grundlagen, um den Frauenanteil in Vorständen, Aufsichtsräten und bei den Professuren sichtbar zu steigern.“ Hintergrund: Selbst in der oft gescholtenen Türkei gibt es eine höhere Quote von Professorinnen und weiblichen Führungskräften als in Deutschland. 

Im internationalen Vergleich falle Deutschland weiter zurück, unterstrich deshalb Rosenkötter. Beim letzten „Gender Gap Report“ des World Economic Forum vom Herbst 2009 liegt unser Staat nur noch auf Platz 12 in Sachen Geschlechtergerechtigkeit und ist innerhalb von zwei Jahren um 7 Plätze zurückgefallen." Damit liegt Deutschland noch hinter den Phillipinen.  Der Global Gender Gap Report misst das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in vier kritischen Bereichen: Teilhabe am Geschäftsleben und ökonomische Chancengleichheit, Bildungsniveau, Teilhabe am politischen Leben sowie Gesundheit und Lebenserwartung.

Blankau kritisiert "Herdprämie"

Gewerkschafterin Blankau befürchtet zudem, dass Frauen in der Krise als erste auf die Straße gesetzt werden. "Sie gelten noch immer oft als Zuverdienerinnen, die auf ihren Job angeblich nicht angewiesen sind", kritisiert Blankau. Zu diesem antiquierten Rollenbild passe auch die geplante "Herdprämie" der schwarz-gelben Bundesregierung: "Es ist doch absurd, dass der Staat Anreize schafft, damit junge Mütter nach der Elternzeit zu Hause bleiben, anstatt wieder in den Beruf zurückzukehren. Mit der Forderung nach Gleichstellung hat das jedenfalls nichts zu tun", findet die IG Metall-Bezirkschefin.

Die Bezirksleiterin befürchtet, dass Frauen in der Krise als erste auf die Straße gesetzt werden. "Sie gelten noch immer oft als Zuverdienerinnen, die auf ihren Job angeblich nicht angewiesen sind", kritisierte Blankau. Zu diesem antiquierten Rollenbild passe auch die geplante Herdprämie der schwarz-gelben Bundesregierung: "Es ist doch absurd, dass der Staat Anreize schafft, damit junge Mütter nach der Elternzeit zu Hause bleiben, anstatt wieder in den Beruf zurückzukehren. Mit der Forderung nach Gleichstellung hat das jedenfalls nichts zu tun", sagte die IG Metall-Bezirkschefin.

Am 15. März 2010 findet im KWADRAT (Martinshof), Wilhelm-Kaisen-Brücke 4, 28199 Bremen die Fachtagung "Frauen verdienen mehr...! Strategien gegen Lohnungleichheit von Männern und Frauen." Weitere Informationen in der PDF-Broschüre (Box oben).

(Redaktion)


 


 

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3 Kommentare

von Wolfgang Gogolin
08.03.10 21:25 Uhr
Frauen sollten es mit Leistung versuchen

"IG Metall-Bezirksleiterin Jutta Blankau pflichtet ihr bei und kritisiert, dass Frauen nach wie vor fast ein Viertel weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen" - offenbar erledigen Frauen die gleiche Arbeit deutlich schlechter als Männer, anderenfalls würden Arbeitgeber sämtliche Männer feuern und billige Frauen beschäftigen.
Der Wunsch nach gleichem Lohn ist in etwa so sinnvoll wie die Forderung nach gleichen Noten für alle Schüler, weil sie ja die gleichen Aufgaben zu lösen haben.
Frauen sind allgemein nicht so leistungsbereit wie Männer, was sie auch nicht nötig haben, das sie über Unterhaltszahlungen und Sozialstaat viele Transferleistungen erhalten. Würde man diese Leistungen abschaffen, gabe es für Frauen einen Anreiz, sich ins Zeug zu legen statt nur nach Quoten zu plärren.

von Franklin
09.03.10 18:23 Uhr
Frauenförderung abschaffen!

Glaubt Blankau eigentlich die Märchen und Halbwahrheiten, die sie verbreitet? Wie das Statistische Bundesamt bereits im Juli 2006 mitteilte, lassen die Gehaltsdifferenzen bei Mann und Frau nicht zwingend darauf schließen, dass Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden. Verantwortlich seien vielmehr Unterschiede in der männlichen und weiblichen Arbeitnehmerstruktur. Diese seien beispielsweise gekennzeichnet durch Unterschiede im Anforderungsniveau, der Verteilung auf besser und schlechter bezahlte Wirtschaftszweige, der Größe der Unternehmen, der Zahl der Berufsjahre, der Dauer der Betriebszugehörigkeit und des Ausbildungsniveaus.

Verräterisch ist ihr Hinweis darauf, dass es sogar in der Türkei mehr Professorinnen und Managerinnen gibt als hierzulande. Anders aus Deutschland wirft die Türkei keine Unsummen für sog. "Frauenförderung" oder "Gleichstellungsprogramme" zum Fenster hinaus, die ja offensichtlich nicht viel bringen, denn sonst gäbe es ja keinen Grund, derart viele Krokodilstränen zu vergießen.

Die beste Frauenförderung scheint durch Verzicht auf Gleichstellungsgesetze und teure Förderprogramme gewährleistet zu sein, die weibliches Engagement im Beruf offenbar eher einschläfern als sie zu fördern. Wo Frauen durch Leistung und berufliches Engagement überzeugen müssen, anstatt sich auf bequemen Quotenregelungen auszuruhen, kann eher von Gleichberechtigung die Rede sein als im Frauen-Wunderland Deutschland.

Wäre Frau Blankau nicht gerade in der IG-Metall, bestünden gewisse Chancen, dass ihr dieser Umstand zu denken gibt.

von Redaktion
09.03.10 22:07 Uhr
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Wir weisen an dieser Stelle noch einmal darauf hin, dass Frau Blankau eine Türkei-Aussage nicht getätigt hat, sondern diese Bestandteil des redaktionellen Anteils dieses Artikels ist.

 

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