Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
Opel-Entscheidung

GM kann auch eine Chance sein

Wenn Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier Glück haben, dann vertagen die Amerikaner ihre Entscheidung über Opel bis nach der Bundestagswahl. So blieben den Rettern vom Amt wenigstens die Schmähungen der Opposition erspart, falls es so kommt, wie viele erwarten: General Motors behält die Stieftochter Opel und verzichtet kühl auf die Milliarden-Mitgift, die Berlin ausschließlich dem Zulieferer Magna mit auf die Brautschau gegeben hat.

Für die Opelaner ginge diese Nerven verzehrende Hängepartie in eine weitere Runde. Und Opel verlöre die IAA als wichtigste Automesse Europas, um sich der Welt als ernst zu nehmender Autobauer zu präsentieren. Opel als Fragezeichen im Schaufenster. Nüchtern betrachtet, hat die Bundesregierung manches richtig und vieles falsch gemacht. Richtig war der Gedanke, dass Opel im Lichte der drohenden GM-Pleite nur mit einem strategischen Investor überleben kann. Aus ordnungspolitischer Sicht gerade noch akzeptabel war es, mit Steuergeld eine Zeitbrücke zu bauen, um solche Investoren zu finden. Dann folgten die Fehler.

Politik hat Blitzsanierung von GM verschlafen

Erstens ließ sich die Bundesregierung von Betriebsräten, der IG
Metall und den Ministerpräsidenten mit Opel-Standorten in eine
Festlegung für die Bietergruppe aus Magna, der russischen Sberbank
und dem Hersteller Gaz drängen. Zweitens tat man dann in Berlin noch
lange so, als handele es sich um einen offenen Bieterwettbewerb, in
dem jeder Investor willkommen sei. Da stand Magna längst in allen
Papieren der Haushaltsausschüsse. Drittens haben die
Verhandlungsführer die Abneigung gegen die russischen Partner
unterschätzt und die Blitzsanierung von GM schlicht verschlafen.
Jetzt ist der US-Staatskonzern mit 60 Milliarden Dollar entschuldet.
Und das Sagen hat ein von Washington besetzter Verwaltungsrat, der
sich fragt, wieso eigentlich GM den europäischen Markt und den Zugang
zur Entwicklungsschmiede in Rüsselsheim zu Gunsten von russischen
Staatskonzernen und Oligarchen aufgeben soll.

General Motors: Von Ford lernen

Bitter für die Opelaner: Nach all den schlechten Erfahrungen mit
Unverständigen aus Detroit soll der Kampf um Eigenständigkeit
verloren sein? Jenseits dieser Befindlichkeit allerdings ist auch
Magna gegenüber GM die drittbeste Lösung. Drei Millionen Autos
braucht ein Hersteller zum Überleben, Opel baut die Hälfte, Magna gar
nichts. GM kann auch eine Chance sein. Vielleicht hat man in Detroit
aus dem Elend ja etwas gelernt. Ford funktioniert schließlich in
Europa ganz gut.

(ots / Thomas Wels (WAZ)


 


 

Opel-Rettung
Übernahme
GM
Sanierung
General Motors
kein verkauf
Politik
Zukunft
Ford

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Opel-Rettung" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: