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Presse-Querschnitt

Meinungen zur Weitererkundung des Atomlagers Gorleben

Der Besuch von Bundesumweltminister Norbert Röttgen im niedersächsischen Atomlager Gorleben ist von einzelnen Medien zum Anlass genommen worden, über die Art und Weise der Endlagersuche zu berichten. Wir haben mehrere Medienmeinungen für Sie zusammengestellt.

Rhein-Neckar-Zeitung: Gorleben- Ein Schwerer Weg

Heidelberg. (Von Christian Altmeier) Bereits die Anreise von Norbert Röttgen nach Gorleben war symptomatisch: Statt bequem mit dem Hubschrauber einzufliegen, musste der Umweltminister wegen des Winterwetters eine Odyssee im überfüllten Regionalexpress auf sich nehmen. Auch der Dialog über ein mögliches Atomendlager dürfte nicht angenehmer werden - sofern er überhaupt zustande kommt. Denn die Verärgerung der Gorleben-Gegner ist so groß, dass sie gestern nicht einmal gegen den Minister protestierten - sondern dessen Besuch komplett ignorierten. Diese Verweigerungshaltung haben sich Röttgen und die schwarz-gelbe Regierung selbst zuzuschreiben. Anstatt die Gegner rechtzeitig einzubinden, wurden die Verlängerung der Atomlaufzeiten und die Wiederaufnahme der Erkundungen in Gorleben zuerst beschlossen - und sollen nun nachträglich diskutiert werden. Da ist es verständlich, dass etwa die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg von einer "Schauveranstaltung" spricht. Dabei hat Röttgen durchaus etwas anzubieten, wie etwa eine Beteiligung der Bürger an der Auswahl der Experten, die den Salzstock untersuchen sollen. Doch für solche Gespräche braucht es Vertrauen. Bis sich dies gebildet hat, steht Röttgen noch ein langer und beschwerlicher Weg bevor.

Das Westfalen-Blatt: Zum Thema Atommüll-Endlager

Bielefeld. Kommt er nicht, gibt es Schelte. Kommt er doch, so ist es auch falsch: Mit seinem - zugegebenermaßen arg spät erfolgten - Besuch in Gorleben konnte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) die Gegner des möglichen Atommüll-Endlagers nicht besänftigen. Der Ortstermin des Ministers taugte allenfalls als Symbol: Seht her, ich zeige Flagge. Einen wirklichen Dialog hatte Röttgen bei seiner Stippvisite gar nicht eingeplant. Dabei wäre der notwendiger denn je. Mehr als 13.000 Tonnen hochradioaktiven Atommüll hat Deutschland nach Berechnung des Bundesamts für Strahlenschutz bereits angehäuft. Wäre es beim rot-grünen Atomausstiegsbeschluss geblieben, wären bis zum geplanten Laufzeitende weitere rund 4.000 Tonnen hinzugekommen. Mit der von Union und FDP beschlossenen Laufzeitverlängerung steigt die Menge nochmals um etwa 3.500 Tonnen. Mehr als 21.000 Tonnen strahlende Hinterlassenschaft wird Deutschland dereinst endlagern müssen. Diese Notwendigkeit wird auch von Atomkraftgegner nicht bestritten. Wo aber findet sich ein Ort, der auf ewige Zeiten sicher genug ist? In Gorleben? Durchaus möglich. Bislang ist die Eignung des Salzstocks jedenfalls nicht widerlegt. Doch bewiesen ist sie ebenfalls noch nicht. Die von Röttgen verfügte Wiederaufnahme der Erkundungsarbeiten ist deshalb sachlich richtig und politisch falsch. Denn niemand hat bislang die Frage beantwortet, ob es noch andere, möglicherweise besser geeignete Standorte gibt. Wahn im Emsland, Weesen-Lutherloh bei Celle, Lichtenhorst bei Nienburg: All diese Orte waren vor mehr als drei Jahrzehnten noch im Gespräch. Auch dort gibt es Salzstöcke. Und was ist mit Süddeutschland? Der Schwäbischen Alb, die zwar keine Salzstöcke, dafür aber Tongestein zu bieten hat? Die Schlichtung beim Bahnprojekt "Stuttgart 21" hat erwiesen, dass eine breite Bürgerbeteiligung an gesellschaftlich umstrittenen Großprojekten sinnvoll ist. In Stuttgart waren aber zu viele Fakten geschaffen worden, als dass ein wirkliches Umsteuern noch möglich gewesen wäre. Diese Gefahr besteht in der Endlagerfrage nicht - noch nicht. "Einem ernst gemeinten Mediationsverfahren würden wir uns nicht grundsätzlich entgegenstellen", sagt Andreas von Bernstorff, einer der prominentesten Gorleben-Gegner. Aber eben nur dann, wenn am Ende eines solchen Prozesses auch ein anderer Ort für ein Endlager stehen könnte. Keine Frage: Ein Neustart der Endlagersuche wäre teuer und langwierig. Doch diesem Aufwand stünde eine hohe gesellschaftliche Rendite gegenüber. Die Schweiz macht diesen Prozess gerade durch. Zeitziel für das dortige Endlage ist 2040. Soviel Zeit sollte sich auch Deutschland nehmen. Wenn es am Ende doch auf Gorleben hinauslaufen sollte, dann aber mit Fug und Recht.

Neue Westfälische:  Umweltminister Röttgen in Gorleben - Verpasster Dialog

Bielefeld. (Nicole Hille-Priebe) Als die niedersächsische Landesregierung unter Ernst Albrecht (CDU) 1977 beschloss, in Gorleben ein nukleares Entsorgungszentrum zu gründen, war Norbert Röttgen gerade zwölf. Als er Abitur machte, hatten die Erkundungen des Salzstocks bereits begonnen. Gorleben war entschiedene Sache, ungeachtet aller Proteste, Blockaden und bäuerlichen Widerstände. Das Dialogangebot des CDU-Umweltministers kommt 33 Jahre zu spät und ist so unglaubwürdig, dass die Gegner es ausschlagen. Gorleben war und ist eine politische Entscheidung - und von einer sachgerechten, wissenschaftlich fundierten Standortsuche weit entfernt. Ein Untersuchungsausschuss versucht zurzeit zu prüfen, wie und warum der unterirdische Salzstock zum geeigneten Endlager erklärt werden konnte. Dazu braucht man die alten Akten, aber die will ausgerechnet Umweltminister Röttgen nicht rausrücken. Von wegen Dialog. In Gorleben links reden und in Berlin rechts abbiegen: Auch Koalitionsabgeordnete wie die Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Maria Flachsbarth (CDU), richten mittlerweile schwere Vorwürfe an den Atomkurs der Bundesregierung - an eine Kanzlerin, die mit den Atombossen schmust, und einen Umweltminister, der Nachhilfe in parlamentarischer Demokratie braucht.

(ots/Redaktion)


 


 

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