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Rückkehr zur Drachme möglich

Griechen-Votum zwischen Ablehnungssorgen und Klarheitshoffnung

Die Angst an den Finanzmärkten vor einer Pleite Griechenlands ist nach einer kurzen Pause wieder da. Auslöser ist die Ankündigung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou, das Volk nach seiner Meinung zu den hart erkämpften Ergebnissen des EU-Gipfels zu fragen. Doch was passiert, wenn das Volk Nein sagt zu den Beschlüssen, die eine deutliche Verringerung der griechischen Schuldenlast gegen weitere harte Sparmaßnahmen des Landes zum Ziel haben?

Von Hans Bentzien

An den Märkten löste Papandreou bereits am Montagabend heftige Reaktionen aus. Bankvolkswirte sehen aber neben den überwiegend negativen Implikationen eines Referendums auch einige positive, vor allem politische Klarheit in Hellas.

"Wenn das Volk die neue Vereinbarung zum Schuldenschnitt ablehnt, wird sie nicht verabschiedet", hatte Papandreou deutlich gemacht. In dieser Woche wird das Parlament über das Referendum beraten und am Freitag darüber abstimmen. Der Ministerpräsident will die Abstimmung mit der Vertrauensfrage verbinden.

Euro-Austritt würde Griechenland wettbewerbsfähiger machen

Im Fall eines Nein würde sich Griechenland nach Einschätzung von Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil letztlich auch für einen Austritt aus der Eurozone entscheiden. "Damit würde das Land zumindest kurzfristig geld- und finanzpolitische Handlungsfähigkeit zurückgewinnen. Außerdem würde die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft dadurch wiederhergestellt, dass die Drachme wohl sofort massiv um schätzungsweise 50 Prozent abwerten würde", sagte er.

Doch wird das Volk mit Nein stimmen? Für Weil ein durchaus denkbares Ergebnis. "Nach Umfragen lehnen 60 Prozent der Griechen die Gipfel-Beschlüsse ab", sagte er.

Die möglichen Folgen einer Ablehnung fasst Berenberg-Volkswirt Schmieding so zusammen: "Keine weiteren Finanzhilfen, Zusammenbruch von Bankensystem und Wirtschaft, Auszahlung von Renten und öffentlichen Gehältern nicht mehr in Euro." Er sieht sogar die Gefahr, dass Papandreou angesichts der nur noch knappen Mehrheit seiner Koalition (153 von 300 Stimmen) schon die Abstimmung am Freitag nicht als Ministerpräsident überlebt.

Aus Sicht von Paul Mortimer-Lee, Chefvolkswirt von BNP Paribas, ist aber von Bedeutung, dass ein etwaiges Referendum nicht sofort, sondern erst im Januar stattfinden würde. "Die Kampagne in und außerhalb Griechenlands wird deutlich machen, dass ein Nein einem Desaster gleich käme. Ich gehe davon aus, dass sich die Griechen nicht für eine noch härtere Anpassung entscheiden werden, als sie ohnehin schon vor sich haben", kalkulierte er.

Commerzbank-Volkswirt Weil sieht den späten Zeitpunkt eines Referendums dagegen eher als Problem: "Auf dem Gipfel hatten die Regierungschefs beschlossen, dass der mit dem Hilfsprogramm verbundene Schuldentausch Anfang 2012 vollzogen werden soll. Doch dieser Fahrplan scheint nun mehr Makulatur zu sein."

Führt Papandreou die Märkte an den Abgrund?

Mortimer-Lee geht aber davon aus, dass Papandreou dieses Risiko wohl bewusst ist und dass er versuchen wird, die Griechen auf die "Klippe" zu führen und einen Blick in den Abgrund werfen zu lassen. "Unglücklicherweise würden dabei auch die Märkte an den Abgrund geraten", merkte der Ökonom an.

Gleichwohl handelt Papandreou seiner Einschätzung nach nicht unklug: "Angesichts des Widerstands gegen weitere Sparmaßnahmen nach bereits zwei Jahren schmerzhafter Austeritätspolitik betrachtet er die Lebensdauer seiner Regierung wahrscheinlich ohnehin als begrenzt. Offenbar glaubt Papandreou, dass er eher ein Referendum gewinnen würde als Neuwahlen." Positiv sei, dass ein Referendum ein klares Ergebnis und mehr politische Stabilität liefern würde.

Autor Hans Bentzien ist Korrespondent von Dow Jones Newswires.

(dapd )


 


 

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