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Kommentar von Detlef Fechtner

Unter Geiern: Zum Warten auf den richtigen Umschuldungsmoment für Griechenland

Vielleicht wird ja demnächst in Thessaloniki ein Ölfeld entdeckt oder in Athen eine Goldader. Wenn nicht, wird es arg schwierig für die Griechen, Investoren davon zu überzeugen, dass sie mittelfristig ohne Umschuldung auskommen.

Der Argwohn sitzt tief - und selbst milliardenschwere Spar- und Privatisierungsprogramme wirkten zuletzt nicht mehr vertrauensbildend. Die Regierung in Athen beschwört zwar täglich, dass sie unter allen Umständen durchhalten will. Aber immer mehr Investoren warten darauf, dass sie aufgibt. Die Geier versammeln sich schon, weil anscheinend die Kapitulation naht.

Natürlich wird auch in der EU-Kommission und in Europas Hauptstädten über die griechische Tragödie nachgedacht - und darüber, wie sie zumindest glimpflich ausgehen könnte. Da niemand auf einen Deus ex Machina vertraut, der auf göttliche Weise die Probleme löst, machen sich Minister und EU-Kommissare Gedanken über weltliche Optionen - eben auch über Umschuldungen. Laut sagen dürfen sie das aber nicht, denn die Investoren würden jede Bestätigung offizieller Überlegungen, egal wie unausgegoren, sofort als Fait accompli umdeuten.

Vertrauen in europäisches Krisenmanagement schwindet

Die fatale Konsequenz dieser erzwungenen Unaufrichtigkeit ist, dass das Vertrauen in das europäische Krisenmanagement schwindet. Die Basisfinnen sind am Wochenende zum Symbol dieser tiefsitzenden Skepsis am Sinn und Erfolg gegenseitiger finanzieller Unterstützung in der Währungsunion geworden.

Der Wahlerfolg der Partei hat erhebliche Weiterungen. Vielleicht mag es ja gelingen, dass die Euro-Partner den Portugiesen trotzdem beispringen - denn noch ist nicht ausgemacht, dass die künftige finnische Regierung das Portugal-Paket tatsächlich blockiert. Aber spätestens von nun an ist klar, dass Entscheidungen rund um den Euro-Schirm nicht nur bei Investoren allergische Reaktionen provozieren können, sondern auch bei Wählern. Die Hoffnung, dass sich nach dem EU-Gipfel im März eine Zeit der Ruhe einstellen würde, erweist sich als Trug.

Eigentlich war ja der Plan, das Krisen-Trio Irland, Griechenland und Portugal zu isolieren und Spanien und Italien deutlich davon zu entkoppeln - und sich frühestens dann zu trauen, offiziell über sensible Themen wie eine Umschuldung Griechenlands zu sprechen. Die Zeit, so glaubten viele, würde für Europa spielen. Doch es ist nicht gesagt, dass die Ansteckungsgefahr in den nächsten Wochen weiter abnimmt. Und es ist ohnehin schwierig, die Debatte lange aufzuschieben. Denn auch Geier werden irgendwann ungeduldig.

Der Autor schreibt für die in Frankfurt/Main erscheinende "Börsen-Zeitung".

(ots/Redaktion)


 


 

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