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"Occupy Unilever"

Indonesier protestieren in Hamburg gegen Landraub für Palmöl

Unter dem Titel "Occupy Unilever" protestieren seit Mittwochmorgen Regenwaldschützer und Bürger aus Indonesien vor der Deutschlandzentrale des Unilever-Konzerns in der Hamburger Hafencity. Vor dem Eingang des Gebäudes wurden Transparente entrollt und eine provisorische Hütte errichtet.

Hintergrund der Protestaktion ist nach Angaben der Aktivisten die Rolle von Unilever beim Anbau von Palmöl-Plantagen. Der Konzern sei einer der größten Palmöl-Verbraucher weltweit und maßgeblich mitverantwortlich für Landraub und die Zerstörung von Wäldern für Palmöl-Monokulturen. Unterstützt wird der Protest von den Organisationen Robin Wood, Rettet den Regenwald und Watch Indonesia.

Indonesier fordern Land zurück

Unter den neun indonesischen Protestierenden sind nach Angaben der Organisation Robin Wood auch Ida, Bidin und ihr einjähriger Sohn aus Sumatra. Die Familie gehöre zu den Indigenen der Suku Anak Dalam  und fordere Land zurück, das ihnen der Unilever-Lieferant Wilmar geraubt und für eine Palmölplantage kahl geschlagen habe, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Das Dorf der Familie, Sungai Buayan, sowie zwei weitere Siedlungen, die jetzt inmitten von Plantagen lägen, seien im August 2011 von der Polizei zusammen mit Einsatzkräften der Wilmar-Tochter Asiatic Persada zerstört worden. Die Polizisten sollen demnach um sich geschossen und mit Fahrzeugen Häuser niedergewalzt haben. „Sie wollen, dass wir weggehen“, klagt Ida beim Protest in Hamburg. „Doch wie können wir unsere Ahnen verlassen? Wir wollen das Land zurück, das uns die Palmölfirma gestohlen hat.“ „Wilmar muss büßen und für unser Leid zur Rechenschaft gezogen werden." Niemand dürfe mehr vertrieben werden, fordert sie.

Kritik an Palmöl-Monokulturen

Auch auf Borneo soll der Unilever-Lieferant Wilmar laut Robin Wood-Angaben riesige Waldflächen in eine Palmöl-Wüste verwandelt haben. „Menschen, die sich dagegen wehren, werden kriminalisiert und mit Gefängnisstrafen überzogen“, berichtet Nordin von der Organisation Save our Borneo.

Unilever wisse um die Zustände bei seinem Lieferanten Wilmar, der in Hunderte Landraub-Fälle in Indonesien verwickelt sei und dort die letzten Regenwälder zerstöre – und kaufe dennoch weiter beim Unternehmen, so die Kritik am Unilever-Konzern.

Aktivist: Unilever soll sich von Wilmar trennen

Kritik hagelt es auch an einer Kampagne des Lebensmittel-Multis: Ab 2015 werde das Unternehmen weltweit nur noch nachhaltiges Palmöl verwenden, verspricht Unilever. Als Nachweis dafür wird das RSPO-Siegel angeführt. Der RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) ist jedoch nach Angaben von Robin Wood, Rettet den Regenwald und Watch Indonesia von der Industrie dominiert. Die Profiteure des Raubbaus, Unilever und Wilmar, säßen im RSPO-Vorstand. Dementsprechend lasch seien auch die Standards: So dürfe für das als nachhaltig deklarierte Palmöl weiterhin Wald in industrielle Monokulturen umgewandelt werden. Selbst giftige Agro-Chemikalien wie das Totalherbizid Paraquat dürfen verwendet werden, heißt es weiter von Seiten der Aktivisten. Dort glaubt man, dass Unternehmen wie Wilmar den RSPO für ihr Greenwashing benutzen..

„Die Täter bescheinigen sich selbst, wie nachhaltig sie wirtschaften. Das wird ihnen schon bald niemand mehr glauben," so Peter Gerhardt von Robin Wood. Er bilanziert: "Nachhaltiges Palmöl bei Unilever ist eine Lüge." Man wolle erreichen, dass Unilever seinen Kunden ab sofort keine Palmölprodukte aus Raubbau mehr verkaufe und sich von seinem Lieferanten Wilmar trennt.

(Redaktion)


 


 

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