Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
Bremer 6-Tage-Rennen

Tschechen entscheiden Handicap-Rennen für sich

Man musste schon zweimal hinschauen auf den Videowürfel der Bremen-Arena, auf dem das Klassement der Jagd des Montagabends aufgeführt war. Ganz am Ende standen die Topfavoriten Iljo Keisse/Robert Bartko und Franco Marvulli/Bruno Risi. Auf Platz eins, als Einzige in der Nullrunde, stand das Team Sebastian Siedler/Christian Bach.

Plötzlicher Schwächeanfall der Spitzenteams? Hatte jemand die Rennmaschinen manipuliert? Oder hatten sich Bach/Siedler ihre Kräfte für den Montag aufgespart und fuhren nun plötzlich alles in Grund und Boden?

Weder noch. Das Zauberwort für die ungewöhnliche Rangliste lautete Handicap-Rennen. Bereits am Sonntagabend hatte der Sportliche Leiter Patrick Sercu den Teams Verlustrunden für die Jagden aufgebrummt. Er orientierte sich dabei am Gesamtstand nach dem Sonntag, lud aber beispielsweise den Führenden van Bon/Stam nur fünf Runden als zusätzliches Gepäck auf, Risi/Marvulli und Keisse/Bartko jeweils sechs Runden. Lediglich Siedler/Bach, die am Sonntag die „Rote Laterne“ spazieren fuhren, bekamen keine Verlustrunde verpasst.

„Beim Handicap-Rennen haben auch die kleineren Teams mal die Chance, eine Jagd zu gewinnen“, erklärte Rennkommissär Alexander Donike, „darin liegt der besondere Reiz.“ Das Endergebnis des Handicap-Rennens würde allerdings nicht „Eins zu Eins“ aufs Gesamtklassement übertragen, so der Kommissär. Vielmehr beobachtete die Jury haargenau, wie viele Rundengewinne die Mannschaften im Handicap-Rennen realisierten. „Wenn beispielsweise Keisse/Bartko drei Runden gut machen und van Bon/Stam ebenfalls drei Rundengewinne einfahren, dann ändert sich an der ursprünglichen Differenz der Teams im Gesamtstand nichts“, erklärte Donike.

Nach der ersten Halbzeit der Handicap-Jagd hatten Bach/Siedler die Nullrunde noch verteidigen können, das tschechische Duo Blaha/Hochmann hatte zu ihnen aufgeschlossen. Im zweiten Teil der Jagd lagen lediglich die Tschechen Jiri Hochmann/Martin Blaha sowie die Russen Sergej Kolesnikow/Alexej Schmidt in der Nullrunde. Den Sprint gewann schließlich Martin Blaha. Die aktivste Mannschaft des Rennens allerdings waren Leif Lampater/Christian Grasmann. Die beiden machten im Handicap-Rennen eine Runde gegenüber den führenden Teams Keise/Bartko, Risi/Marvulli und van Bon/Stam gut und gehen nun mit guten Chancen auf den Gesamtsieg in den Finalabend. Andreas Beikirch und Andreas Müller hatten kurz vor dem Ende des Rennens noch die Chance, in die Nullrunde zu fahren. Es wäre sicherlich das schönste Abschiedsgeschenk gewesen für den 39 Jahre alten „Andi“ Beikirch. Doch die beiden "alten Hasen" verpassten kurz vor der vielleicht entscheidenden Attacke die Ablösung.

Es wurde dennoch eine bewegende Verabschiedung. Bereits zum 15. Mal fährt Andreas Beikirch das Bremer 6-Tage-Rennen. 2005 gewann er an der Seite von Robert Bartko. Es war einer von insgesamt vier Siegen bei über 120 Starts. Er war nie der schillernde Star, der kleine „Andi“ mit dem großen Kämpferherz, aber er war auf allen Winterbahnen ein gern gesehener Gast. „Andreas Beikirch hatte nicht so viel Talent wie andere Rennfahrer. Aber er war immer ein Beißer, er konnte sich unheimlich quälen“, sagt Patrick Sercu, „und ich denke, er kann auf eine tolle Karriere zurückblicken.“

Logisch, dass Bremen ihm einen würdigen Abschied bereitete. Erik Zabel war direkt aus dem Trainingslager auf Mallorca angereist, Olaf Pollack war gekommen, Gerd Dörich und auch Andreas Kappes, mit dem Beikirch viermal in Bremen fuhr, gaben sich die Ehre. „Andi kennt keine Schmerzen, den konnte man immer schicken“, sagte Kappes, „für mich war er fast so etwas wie eine Ehefrau.“ Beikirch gab die Komplimente zurück und erklärte: „Mein ganz
besonderer Dank geht an Andreas Kappes, er hat mich in die Weltspitze geführt.“ Hallensprecher Christian Stoll, seit Jahren mit Beikirch befreundet, sagte: „Andi, Du wirst uns sehr, sehr fehlen.“

Weil Andi Beikirch von der Stadt zumeist nur die Bahn gesehen hat, schenkte ihm Veranstalter Frank Minder eine Ballonfahrt über Bremen, „und natürlich eine Ehrenkarte auf Lebenszeit“, versprach Minder. Eine kleine Gemeinheit hatte Christian Stoll dann aber auch noch parat: Zusätzlich gab es für Beikirch ein Werder-Trikot, mit dem er sich auf die Ehrenrunden aufmachte. Gemein deshalb, weil Andreas Beikirch glühender Bayern-Fan ist.

Der Verabschiedung folgte die Ehrung für den „Kaiser“, für den Sportlichen Leiter Patrick Sercu, der seit nunmehr 25 Jahren dafür sorgt, dass die besten Bahnfahrer der Welt in Bremen am Start sind. „Mein bester Freund und der einzige, dem ich mich bedingungslos unterwerfe“, erklärte Frank Minder, der den Belgier mit der Ehrung vollkommen überraschte. Auch der sichtlich gerührte Sercu bekam einen Ballonflug geschenkt, stellte aber sofort klar: „In den Ballon steige ich auf keinen Fall. Ich habe jahrelang mein Leben auf der Bahn riskiert.“

Bei seinem letzten Rennen in Bremen gab Beikirch an der Seite seines Namensvetters Andreas Müller noch einmal eine tolle Vorstellung. Platz fünf nach dem Montagabend gilt es nun am Finalabend zu verteidigen. In der Gesamtwertung führen nach dem fünften Renntag Bruno Risi und Franco Marvulli vor Iljo Keisse und Robert Bartko sowie den Niederländern Leon van Bon und Danny Stam, allesamt in der Nullrunde. Auf Rang vier folgt die Mannschaft Leif Lampater/Christian Grasmann mit einer Runde Rückstand.

(Redaktion)


 


 

Andi Beikirch
Handicap-Rennen
Bremen
Nullrunde
Jagd
Runde
Rennen
Andi
Bon Stam
Star
Ballon
Chance
Keisse Bartko
Bremen-Arena

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Andi Beikirch" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: