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Hochtief-Chef wirft das Handtuch

Lütkestratkötter gesteht Niederlage im Abwehrkampf gegen ACS ein

Herbert Lütkestratkötter hat dem Abwehrkampf des größten deutschen Baukonzerns Hochtief gegen die Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS ein Gesicht gegeben. Monatelange versuchte der Chef des Essener Bauriesen, die feindliche Übernahme zu verhindern. Immer an vorderster Front, doch letztlich vergeblich. Jetzt muss der 60-jährige Manager den Preis dafür zahlen. Nach der Hauptversammlung am 12. Mai wird er den Chefsessel des Essener Traditionsunternehmens räumen.

Von Erich Reimann

Dennoch versuchte der Westfale am Montag nach der Bekanntgabe seines Ausscheidens, die Gemüter zu beruhigen. "Hier gibt es kein böses Blut. Hier gibt es kein zerschlagenes Porzellan", sagte er. Lütkestratkötter begründete sein Ausscheiden mit dem durch den Abwehrkampf beschädigten Vertrauensverhältnis zwischen ihm und ACS.

"Es ist wichtig, dass ein Vorstandsvorsitzender im Amt ist, der das volle Vertrauen des Großaktionärs hat. So ist das einfach", betonte er. Der Manager erhält nach eigenen Angaben eine Abfindung in Höhe von 4,08 Millionen Euro. Dies entspreche der in seinem Vertrag vorgesehenen Regelung bei einer Kündigung wegen eines Wechsels des Mehrheitsgesellschafters, sagte Lütkestratkötter.

Lütkestratkötter bleibt Hochtief als Berater erhalten

Auch künftig will der Manager dem Unternehmen als Berater verbunden bleiben. ACS und Hochtief hätten ihn darum gebeten, berichtete der Manager. "Mein erster Satz war: Ja, ich mache das. Und der zweite war: Ich nehme dafür nicht einen Euro", sagte Lütkestratkötter. Denn er fühle sich Hochtief noch immer sehr intensiv verbunden.

Der promovierte Maschinenbauer kam im Dezember 2003 zu Hochtief. Seit ziemlich genau vier Jahren steht er an der Spitze des Unternehmens. Bei der Ankündigung seines Ausscheidens sagte der Manager, er werde auch in den kommenden Wochen noch mit voller Kraft für Hochtief tätig sein. "Es soll keiner denken, dass ich jetzt einen Gang runterschalte."

Das ist allerdings auch nötig, denn unerwartet muss sich Lütkestratkötter an seinen letzten Arbeitstagen noch mit einer neuen Großbaustelle beschäftigen. Ausgerechnet die bislang lukrativste Konzernsparte, die australische Tochter Leighton, ist in die Krise geraten und schreibt rote Zahlen, statt üppige Gewinne nach Essen zu überweisen. Hochtief musste deshalb am Montag eine Gewinnwarnung herausgeben, und die Aktien verloren zunächst fast zehn Prozent an Wert.

Schon die vergangenen Nächte habe er deshalb wenig Schlaf bekommen, verriet Lütkestratkötter. Der Konzern will nun gegenlenken und künftig die australische Tochter an kürzerer Leine führen.

ACS hält bereits über 41 Prozent an Hochtief

Mit dem Abgang von Lütkestratkötter dürfte der Übernahmekampf endgültig entschieden sein. ACS hält nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 41 Prozent der Hochtief-Aktien und dürfte damit bereits auf der Hauptversammlung über eine Mehrheit verfügen. Der spanische Konzern will nach eigenen Angaben seine Beteiligung kurzfristig auf über 50 Prozent aufstocken. Dies wird ihm durch den von der Leighton-Krise ausgelösten Kursverfall der Hochtief- Aktie noch erleichtert.

Nachfolger von Lütkestratkötter als Hochtief-Chef soll der bisher für Hochtief Europe zuständige Konzernvorstand Frank Stieler werden. Vor seinem Einstieg bei Hochtief hatte er bei Siemens das verlustträchtige ehemalige Industrieturbinengeschäft zu einer margenstarken Einheit umgebaut. Doch wichtiger als frühere Managementerfolge dürfte für seine neue Tätigkeit eine andere Tatsache sein: Er genießt das volle Vertrauen und die volle Unterstützung von ACS, wie die Spanier mitteilten.

(dapd )


 


 

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