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Interview

9 Fragen an... Autor Hans-Jürgen Sträter

business-on.de stellt 9 Fragen an Vertreter von Wirtschaft, Kultur und Kommunen in Weser-Ems. Diesmal geht Autor Hans-Jürgen Sträter auf die engen Bande zwischen der ostfriesichen Stadt Wiesmoor und dem Siemens-Konzern ein. Der 57-Jährige hat ein Buch über die interessante Geschichte des ehemaligen Torfkraftwerks Wiesmoor geschrieben.

business-on.de: Wenn es nach Ihrem Buch geht, hat Ostfriesland ein Geheimnis. Wo genau liegt dieses und worum handelt es sich?

Hans-Jürgen-Sträter:  Die seit Jahrhunderten geübte Kreativität wird gerade beim Torfkraftwerk Wiesmoor deutlich. Die Idee dazu kam ja aus Berlin. Doch hier in Wiesmoor baute man mit Phantasie und viel Fleiß das Ganze aus. Das Torfkraftwerk diente nicht nur zur Stromerzeugung, die Abwärme nutzte man für die Beheizung von Gewächshäusern und die abgetorften Flächen für neue Gärtnereien. Den ganzen Ideenreichtum verpackte man anschließend in einer Blumenhalle und auf der Freilichtbühne bei der Wahl der alljährlich neugewählten Blütenkönigin wird dann auch heute noch das "Aufblühen Wiesmoors" mit Ostfriesischer Fröhlichkeit gefeiert.

business-on.de: Wie sind sie auf das Thema gekommen?

Sträter:  Auf da Thema aufmerksam gemacht worden bin ich durch eine Festschrift der Siemens-Niederlassung Bremen zu deren 100. Jubiläum im Jahr 2003. Hier war nicht nur das Torfkraftwerk von Wiesmoor abgebildet, sondern man machte auch darauf aufmerksam, dass dadurch Ostfriesland elektrifiziert wurde. Für mich wurde da deutlich, dass das Torfkraftwerk eine überregionale Bedeutung hatte, denn es war in Norddeutschland das erste E-Kraftwerk, dass per Überlandleitungen eine  Stromversorgung auch der Nachbarorte ermöglichte. Die bisherigen Kraftwerke erzeugten die Elektrizität zum damaligen Zeitpunkt  nur für die jeweilige Stadt, wie z.B. in Oldenburg.

Da ich mich schon immer sehr für die Geschichte, besonders auch die Industriegeschichte interessierte, war es eigentlich naheliegend, etwas zum Thema zu schreiben.  Als ehemaliger Siemens-Lehrling beschloss ich zum 100. Geburtstag der Stadt Wiesmoor, die ja durch das Torfkraftwerk von Siemens entstanden war, auch Siemens selbst einzubinden und erinnerte den Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG an die Vaterpflichten des Konzerns.

business-on.de: Kein Sachbuch ohne Recherche - wo haben Sie überall Akten gewälzt?

Sträter:  Natürlich habe ich auch im Internet recherchiert. Vom
Siemens-Archiv bekam ich entsprechende Bücher zur Siemens-Geschichte. Wesentliche Textpassagen des Buches und die meisten Bilder konnte ich von Dr. Frank Wittendorfer, dem Leiter des Siemens-Archives in München, übernehmen. Auch der Direktor des Wiesmoorer Torfkraftwerkes, Jan Hinrichs, hatte 1961ein interessantes Buch über Wiesmoor geschrieben, das eine gute Informationsquelle für meine Arbeit war.

business-on.de: Wie war die Resonanz auf das Buch?

Sträter: Die Resonanz war und ist sehr gut, heute leben noch viele Menschen in Wiesmoor, die im Torfkraftwerk Wiesmoor gearbeitet haben oder das Torfkraftwerk noch aus ihrer Kindheit bzw. Jugend kennen. Dazu kommen die verwandten der ehemaligen Mitarbeiter des Torfkraftwerkes wie z.B. Kinder und Enkelkinder, die ein natürliches Interesse an den Vorfahren haben. Die örtlichen Tageszeitungen haben ausführlich über meinBuch berichtet, auch in der regionalen IHK-Zeitung wurde es erwähnt. Das führte zu einer Nachfrage aus ganz Deutschland, insgesamt sind bis heute über 1.000 Exemplare verkauft worden.

business-on.de: Haben Sie auch eine Reaktion von Siemens bekommen?

Sträter: Die Reaktion von Siemens war ausgesprochen positiv. Siemens-Historiker Dr. Frank Wittendorfer, den ich eingeladen hatte, hielt sogar einem Vortrag in Wiesmoor. Auch in der Mitarbeiterzeitung des Konzerns mit einer Auflage von über 100.000 Exemplaren wurde über das Torfkraftwerk berichtet. Von Siemens wurde anschließend angeregt, ein entsprechendes Denkmal auf dem ehemaligen Gelände des Torfkraftwerk zu errichten. Dieser Vorschlag wurde von der Stadt Wiesmoor sehr positiv aufgegriffen. Jetzt sind wir schon in der Planungsphase. Im nächsten Jahr erhält Wiesmoor einen "Stadtbrunnen" auf dem Gelände des Torfkraftwerkes, der sich auf die Entstehungsgeschichte der Stadt bezieht und an dem sich Siemens selbstredend auch finanziell beteiligt.

business-on.de: Gibt es heute in Wiesmoor ansonsten noch Spuren aus der Kraftwerks-Zeit?

Sträter: Im Torf- und Siedlungsmuseum von Wiesmoor, das in diesen Tagen sein 25. jähriges Jubiläum feierte, ist ein Modell des Torfkraftwerkes ausgestellt. Ausserdem kann man hier im Freigelände einige große Abtorfmaschinen besichtigen und sogar mit einen Lorenbahn fahren.

business-on.de: War dies ihr erstes Buch oder haben Sie bereits zuvor Erfahrungen als Schriftsteller gesammelt?

Sträter: Schon während meiner Schulzeit war ich als "Schriftsteller" tätig. Mein erstes Buch schrieb ich 2007 und damit entstand auch der
Adlerstein-Verlag. Das Buch über das Torfkraftwerk von Wiesmoor hatte bisher die höchste Auflage. Aktuell schreibe ich jetzt über die
Geschichte der Fehn-Werften Großefehns und Umgebung. Vor ca. 200 Jahren gab es hier einen Boom im Bau von hölzernen Segelschiffen, die sogar die Ozeane befuhren. Der Titel lautet "Fehntjer Flotte auf großer Fahrt".

business-on.de: Sie selbst kommen gar nicht aus Ostfriesland. was hat Sie in´den Nordwesten verschlagen?

Sträter: 1983 bauten wir für die Eltern meiner Frau in Wiesmoor einen Altersruhesitz, weil diese in der Nähe ein Enkelkind hatten. Dieses Haus nutzen wir selbst dann auch als Urlaubsdomizil und lerntenso Ostfriesland kennen und lieben. Als 1996 eine berufliche Veränderung anstand, nutzte ich die Gelegenheit, suchte mir hier einen neuen Tätigkeitsbereich und zog mit meiner Familie in dieses Haus nach Wiesmoor.

business-on.de: Heute gibt es bekanntlich kein Kraftwerk mehr in Wiesmoor. Was würden Sie Touristen als Alternative zu einer Kraftwerksbesichtigung empfehlen?

Sträter: Durch das Torfkraftwerk begann auch die Geschichte des Gartenbaus in Wiesmoor. Deshalb kann man unbedingt den Besuch der Großgärtnerei und der Blumenhalle mit dem einzigartigen Landschaftspark empfehlen. In unmittelbarer Nähe befindet sich das schon erwähnte Torf- und Siedlungsmuseum. Es werden auch Ausflüge angeboten, bei denen man unter fachkundlicher Leitung das Torfstechen im Moor erlernen kann. Mit dem Torfkraftwerk Wiesmoor wurde Ostfriesland letztlich zum Blühen gebracht, wer das noch nicht erkannt hat, kann sich jedes Jahr am ersten Wochenende im September bei der Wahl der Wiesmoorer Blütenkönigin nachhaltig davon überzeugen.

Weitere Informationen zu den Büchern von Autor Hans-Jürgen-Sträter unter: www.adlerstein-verlag.de

(Redaktion)


 


 

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