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Schienennahverkehr

Neues Hanse-Netz steht 2014 vor seiner Bewährungsprobe

Die Länder Niedersachsen, Hamburg und Bremen werden in den nächsten Tagen das auf ihrem Gebiet bislang größte Ausschreibungsverfahren im Nahverkehr auf der Schiene einleiten. Gesucht wird ein Eisenbahnverkehrsunternehmen, das ab Dezember 2010 für acht Jahre das neu konzipierte Hanse-Netz zwischen Bremen, Hamburg und dem niedersächsischen Uelzen betreibt. Bei der Umsetzung eines engeren Takts zwischen Bremen und Hamburg zeichnen sich allerdings trotz des guten Willens aller Beteiligten bereits Kapazitätsprobleme und Investitionsrisiken wegen Trassenkonflikten mit dem Güterverkehr ab.

Die Bekanntmachung der Ausschreibung wird in den nächsten Tagen im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Im Winter soll dann der Gewinner der Ausschreibung feststehen.

Bessere Abstimmung bei Ausschreibung

Das Netz umfasst nach Angaben der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) alle Nahverkehrslinien auf der Schiene zwischen Bremen, Hamburg und Uelzen, die derzeit von der Metronom Eisenbahngesellschaft und der Deutschen Bahn betrieben werden. Pro Jahr legen die Züge laut LNVG über fünf Millionen Kilometer zurück, knapp 80 Prozent davon in Niedersachsen. Die Zusammenarbeit der drei Länder bei dieser Ausschreibung soll nun eine durchgehende Verbindung über die Ländergrenzen hinweg gewährleisten. 

Neue Loks und Doppelstockwagen bestellt

Für das neue Netz hat die LNVG bereits zusätzliche Doppelstockwagen und Lokomotiven beim Hersteller Bombardier bestellt, damit künftig noch öfter und teilweise auch längere Züge fahren können. Die modernen und komfortablen Fahrzeuge mit Klimaanlage, Bistrobereich und Sitzplatzreservierungssystem bleiben im Eigentum der LNVG. Sie werden zusammen mit den derzeit von Metronom auf den Linien eingesetzten Fahrzeugen an den Gewinner der Ausschreibung vermietet.

Falls es tatsächlich zu einem Anbieterwechsel kommt, müssen also alle bisher in Metronom-Aufmachung eingesetzten Waggons und Lokomotiven umlackiert werden. Nach Eintreffen der zusätzlichen Fahrzeuggespanne vom Hersteller Bombardier werden dann insgesamt 20 Elektrolokomotiven und 126 Doppelstockwagen in dem zukünftigen Hanse-Netz unterwegs sein.

"Wir haben hier in den letzten Jahren einen regelrechten Ansturm von Fahrgästen erlebt, worüber wir uns natürlich sehr freuen." (Klaus Hoffmeister, LNVG-Geschäftsführer)

Fahrplan wird deutlich ausgeweitet

"Wir haben hier in den letzten Jahren einen regelrechten Ansturm von Fahrgästen erlebt, worüber wir uns natürlich sehr freuen. Daher haben wir neue Fahrzeuge gekauft und werden den Fahrplan noch einmal deutlich ausweiten", so Klaus Hoffmeister, Geschäftsführer der LNVG. 

Großen Wert lege man als Auftraggeber auch auf Service und Sicherheit. Zwischen Bremen und Hamburg wird neben der schon jetzt bestehenden Express-Linie (heute Metronom "ME"), die in den aufkommensstärksten Bahnhöfen hält, eine weitere durchgehende Metropol-Linie mit Halt an allen Bahn-Haltepunkten geschaffen. Letztere ersetzt die beiden Linien zwischen Bremen und Rotenburg (heute "RB" der Deutschen Bahn) sowie zwischen Tostedt und Hamburg (heute Metronom "MEr") und will so die bisher bestehende Lücke zwischen Rotenburg und Tostedt schließen.

Damit werden alle zwischen Bremen und Hamburg liegenden Stationen ganztags halbstündlich bzw. stündlich schnelle Direktverbindungen in die beiden Metropolen erhalten, versprechen die Macher. "Die Zahl der Direktverbindungen zwischen Bremen und Hamburg Hauptbahnhof wird damit fast verdoppelt", freut sich auch Dr. Reinhard Loske, Bremer Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa.

Zusätzliche Züge in den Hauptverkehrszeiten

Zudem sollen nach den bisherigen Planungen  in den Hauptverkehrszeiten für Pendler aus Richtung Buchholz und Lüneburg zusätzliche Züge nach Hamburg eingesetzt werden, sodass die heute teilweise sehr stark besetzten Züge entlastet werden und mehr Fahrgäste einen Sitzplatz finden.

Güterverkehr schränkt Verbindungen ein

Über das neue Betriebskonzept hatten die Länder in den letzten Wochen intensiv verhandelt.  Fraglich war insbesondere, ob in dem neuen, dichteren Takt tatsächlich alle Züge von Bremen über Harburg hinaus direkt bis zum Hamburger Hauptbahnhof fahren können. Mögliche Konflikte mit dem Güterverkehr von und zum Hamburger Hafen wollen die Auftraggeber nun jedoch durch eine Vereinbarung regeln und so in den Griff bekommen.

Diese sieht gegenüber heute wesentlich mehr Direktfahrten zum Hamburger Hauptbahnhof vor: Ab Dezember 2010 sollen dann alle von Bremen und Uelzen kommenden Züge ganztägig bis zum Hamburger Hauptbahnhof durchfahren. Die Züge der an allen Stationen haltenden Metropol-Linie aus Lüneburg werden wie bisher in den Hauptverkehrszeiten zum Hauptbahnhof fahren. Damit soll sich die Anzahl der Direktfahrten zum Hamburger Hauptbahnhof an Werktagen um 30 auf insgesamt 164 Verbindungen erhöhen.

Trassenkonflikte: Länder wollen Streckenausbau forcieren

Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass es in den nächsten Jahren im Falle eines steigenden Güterverkehrsaufkommens aus und in Richtung der Hafenbahnhöfe doch noch zu Trassenkonflikten zwischen Güter- und Personennahverkehr kommen könnte. Deshalb wollen die beteiligten Länder  nun gemeinsam alle notwendigen Anstrengungen unternehmen, um gegenüber dem Bund sowie der DB Netz AG als Eigentümerin des Schienennetzes die notwendigen Infrastrukturausbauten durchzusetzen.

2014: Wegen Jade-Weser-Port wieder Fahrplan von 2009?

Des Weiteren haben die LNVG, sowie die Bundesländer Hamburg und Bremen vereinbart, dass sie im Jahre 2014 gutachterlich prüfen werden, ob die Anzahl der bis zum Hamburger Hauptbahnhof fahrenden Züge des Hanse-Netzes bis zum Ende der Vertragslaufzeit im Jahre 2018 beibehalten werden kann. Dann soll nämlich auch der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven in Betrieb gehen, dessen Hinterlandanbindung derzeit noch in den Sternen steht.

Sollte der Takt aufgrund eines zu stark gestiegenen Güterverkehrsaufkommens auf der Schiene nicht mehr möglich sein, werden die Länder den Fahrplan des neuen Hanse-Netzes zwangsläufig reduzieren müssen, heißt es. Das wäre bitter und eine 180 Grad-Wende der angestrebten verbesserten Taktung. Womöglich fällt die neue Metropolen-Anbindung dann ins Wasser, heißt es kleinlaut. Dann könnte nämlich wegen der Trassenkonflikte mit dem Güterverkehr schon wieder der Fahrplan von 2009 gelten. Pendler müssten dann wie in den guten alten Zeiten wieder in den Zügen zwischen Bremen und Hamburg stehen.

(Redaktion)


 


 

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