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Raketenstart auf Kourou

"Freie Hansestadt Bremen" ins Weltall geschossen

Eigentlich ist man in Bremen freundlich, bodenständig und hanseatisch zuvorkommend. Doch am Freitagmorgen wurde die "Freie Hansestadt Bremen" auf dem Weltraumbahnhof Kourou ins Weltall geschossen - ganz offiziell. Im politischen Berlin und beim beteiligten Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) in Köln ist man dennoch nicht empört, sondern freut sich vielmehr über den gelungenen Start. Auf französischem Staatsgebiet pflanzt man derweil für die Heimatstadt des Fußballclubs Werder Bremen Palmen. Der spielt aber weiterhin wie gewohnt im Weser-Stadion.

Von Onur Yamac

Das skurrile Treiben ist nicht etwa ein Komplott zwischen dem politischen Gespann Merkel und Sarkozy, welches sich Deutschlands kleinstem Bundesland entledigen will, sondern hat eine Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA als Hintergrund.

Eine Ariane 5 ES hatte am  Freitagmorgen  um 5:34 Uhr (MEZ) die Transportkapsel ATV-3 „Edoardo Amaldi“ auf den Weg ins All gebracht. „Freie Hansestadt Bremen“ hieß dabei nur die Ariane-Rakete, die standesgemäß den Schlüssel aus dem Bremer Landeswappen in den Orbit trug. Genau genommen gehört der  "Bremer Himmelsschlüssel" aus dem Wappen auch in eben jene Richtung, denn er soll der Sage nach dem biblischen Wetterpatron Petrus gehören (business-on.de berichtete). In einer Stadt, die traditionell mit der Seefahrt eng verbunden ist, durchaus passend. Doch eine Rückgabe an den Wetterpatron und der Verzicht auf die Einnahme der geliebten Hafengebühren ist in Bremen offensichtlich nicht direkt vorgesehen.

Die Ariane-Raketenstufen haben nach dem Start ihren Dienst getan und die automatische Transportkapsel ATV (Automated Transport Vehicle) wird alsbald die  Raumstation ISS ansteuern und daher nicht auf Petrus treffen. Das Bibelzitat "„Ich will Dir des Himmelreiches Schlüssel geben“, entfaltet daher eher im Hinblick auf Bremens Schlüsselkompetenz als Weltraumstadt Wirkung. Skurril: eben das beschert dem französischen Überseedepartement Kourou in Südamerika nun eine neue Palme.

Bremen hat in diesem Jahr die Präsidentschaft im europäischen Netzwerk der Ariane-Städte inne und durfte den diesmaligen Start als sogenannten „Partnerschaftsstart“ gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, Arianespace und Astrium durchführen. In Bremen wurden die Oberstufe der Ariane und das ATV für den diesmaligen Start gebaut. 

Bremens Palmengarten in Übersee wächst

Damit dieses Ereignis auch künftigen Generationen und den Besuchern des Europäischen Weltraumbahnhofs in Kourou in Erinnerung bleibt, werden Dr. Michael Menking, Bremer Standortleiter des Satellitenbauers Astrium  und Dr. Karlheinz Kreuzberg, Kabinettchef des Generaldirektors der ESA, am Freitag vor Ort eine „Bremer Palme“ pflanzen, denn die Palmenpflanzerei in Kourou hat inzwischen Tradition. Die Freie Hansestadt ist nach Angaben der Bremer Senatspressestelle dank der nunmehr zweiten Präsidentschaft unter den europäischen Ariane-Städten seit Freitag die erste Stadt, deren Palmengarten auf stolze zwei Palmen angewachsen ist. Das erinnert im Laufe der Jahre Generation für Generation an die Gesetze der Schwerkraft und verspricht mittelfristig eine stolze Ernte echter Bremer Kokosnüsse.

Und nicht nur das! Dr. Michael Menking und Dr. Karlheinz Kreuzberg erwarten weiteren Palmen-Zuwachs auf Kourou. Im November seien beim ESA-Ministerrat "wegweisende Entscheidungen" zu erwarten, sagen sie. Daher habe die nun gepflanzte Palme für die europäische Raumfahrt und den Raumfahrtstandort Bremen "eine besondere Symbolik". Tatsächlich: Solange die Kosten der Weltraummissionen keinen Haushälter auf selbige bringen, dürfte sich der Wettstreit der Ariane-Städte um den größten Palmengarten auf Kourou daher auch in den kommenden Jahren weiter fortsetzen - und nicht zuletzt den Absatz von Ariane-Raktenstufen anheizen.

Den Start der "Freie Hansestadt Bremen" haben am Freitagmorgen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und dem öffentlichem Leben gemeinsam mit den Ingenieuren/innen und Technikern/innen live bei Astrium Bremen verfolgt. Ob dort Sekt in kourouischen Kokosnüssen von Bremer Palmen gereicht  wurde, ist nicht bekannt. Abertausende Kilometer von Kourou entfernt in Bremen zählt derweil nur eins: Wann kommt die erste Werder-Rakete?

(FN)


 


 

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