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EnBW-Hauptversammlung

Villis kündigt Sparprogramm an

EnBW-Chef Hans-Peter Villis zeigt auf der Hauptversammlung des baden-württembergischen Energiekonzerns Flagge. "Für mich persönlich war und ist die Kernkraft eine wichtige und auch eine tragende Säule im bundesdeutschen Energiemix", ruft er in der Karlsruher Stadthalle den Aktionären zu. Und: Er erntet dafür lauten Beifall.

Von Erich Reimann

Wer bei dem ersten Aktionärstreffen eines deutschen Reaktorbetreibers nach der Katastrophe von Fukushima heftige Proteste erwartet hatte, wurde in Karlsruhe enttäuscht. Gerade einmal zwei Dutzend Demonstranten verloren sich vor Beginn der Versammlung auf dem großen Platz vor der Stadthalle. Und auch der Auftritt zweier Greenpeace-Aktivisten, die sich in der Halle mit einem Transparent "Atomkraft ist ein Irrweg" vor dem Rednerpult aufbauten, bremsten die Versammlung nur für drei Minuten.

Doch auch ohne laute Proteste stand das Aktionärstreffen ganz unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe in Japan und des Atommoratoriums in Deutschland. Denn EnBW ist von Atomstrom so abhängig wie kein anderer deutscher Stromproduzent. Mehr als die Hälfte des von EnBW produzierten Stroms stammten bisher aus Kernkraftwerken.

Das hat Folgen. Wegen des Atommoratoriums musste Finanzvorstand Thomas Kusterer auf der Hauptversammlung die Gewinnprognose des Energieriesen drastisch nach unten korrigieren. Das operative Ergebnis des Unternehmens dürfte in diesem Jahr um bis zu 25 Prozent niedriger ausfallen als 2010, warnte er. Bislang war der Konzern nur von einem Minus von maximal 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 1,9 Milliarden Euro ausgegangen.

EnBW droht Sparprogramm

Und: Der Ergebniseinbruch könnte sogar noch höher ausfallen. Denn bei der Prognose geht EnBW davon aus, das Atomkraftwerk Philippsburg 1 nach Ablauf des Moratoriums wieder anfahren zu können. Dies wird jedoch von Kernkraftkritikern wegen des Alters des Reaktors entschieden abgelehnt.

Konzernchef Villis kündigte deshalb den Aktionären auch ein verschärftes Sparprogramm an. Bis 2013 sollen die Kosten um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag reduziert werden. Er betonte sogar, eine weitere Verschärfung des Sparziels sei angesichts der aktuellen energiepolitischen Diskussion sehr wahrscheinlich.

Der Manager warnte auf der Hauptversammlung die Politik ausdrücklich vor weiteren Belastungen der Energiewirtschaft. "Jeder außerplanmäßige Stillstand unserer Kraftwerke und jede weitere energiepolitische Belastung schränkt unsere Investitionsspielräume empfindlich ein", mahnte der Manager.

EnBW wolle in den kommenden zehn Jahren seine Leistung im Bereich der erneuerbaren Energien nahezu verdoppeln und dazu rund acht Milliarden Euro investieren. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Investitionsfähigkeit des Unternehmens nicht durch die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen eingeschränkt werde, sagte Villis.

Die Pläne klingen ehrgeizig. Doch vielen Aktionären gehen sie angesichts der Atomlastigkeit des EnBW-Energiemixes nicht weit genug. Nicht nur die Kritischen Aktionäre, auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger forderte mehr Ehrgeiz beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Und es steht zu erwarten, dass auch das künftig grün-rot regierte Baden-Württemberg, dem mehr als 46 Prozent der EnBW-Aktien gehören, hier mehr Druck machen wird - egal, was EnBW-Chef Villis von der Kernenergie hält.

(dapd )


 


 

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