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"Schlag ins Gesicht der Weltkonjunktur"

Ökonom Horn prophezeit nach der US-Herabstufung turbulente Tage

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, erwartet nach der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit einen Ausverkauf an den Börsen. "Das wird die Verunsicherung an den Märkten noch weiter treiben", sagte Horn im dapd-Interview. Die Entscheidung der US-Ratingagentur bedeute "einen weiteren Schlag ins Gesicht der Weltkonjunktur".

Von Melanie Ahlemeier

Institutionelle Anleger müssten nun reagieren und ihre jeweiligen Portfolios umschichten. Als Beispiel nannte der Ökonom Lebensversicherungen, die Staatsanleihen mit Bestnote in ihren Portfolios benötigen - sie müssten jetzt die ehemals als sicher eingestuften US-Papiere abstoßen. "An den Börsen werden auch in der neuen Handelswoche turbulente Tage zu erwarten sein", prophezeite Horn.

Die Bewertungsagentur Standard & Poor's (S&P) hatte die Bonität der USA am Freitag nach US-Börsenschluss von "AAA" auf "AA+" gesenkt. Erstmals in ihrer Geschichte haben die USA damit ihre Spitzenstellung verloren.

Die Rückkehr der Finanzkrise mit voller Wucht weckt böse Erinnerungen an die Folgen der Lehman-Pleite im September 2008 - weil zeitverzögert auch die Realwirtschaft in den Abgrund gerissen wurde. Zwar sei "die Lage in Deutschland noch ausgezeichnet", wie Horn mit Blick auf aktuelle Unternehmensdaten sagte. Dennoch: "Die Sorgen sind groß, dass die Märkte weiter unruhig sind und alle in Liquidität flüchten und damit die Weltwirtschaft zum Stillstand bringen."

Über eine verschlechterte Kreditvergabe und eine verminderte Kreditnachfrage könne abermals die Konjunktur abstürzen, erläuterte der Ökonom aus Düsseldorf. Die S&P-Entscheidung zeige auch, "dass die Ratingagenturen hier als Brandbeschleuniger wirken. Mit einer solchen Herabstufung wird die Gefahr noch verschärft."

Auch China muss leiden

Nach Horns Ansicht leidet das Finanzsystem an einem Konstruktionsfehler: "Die Ratingagenturen sind für das, was sie tun, nicht haftbar. Auf der anderen Seite geht ihr Urteil ein in Regulierungsvorschriften, das heißt, institutionelle Anleger müssen sich nach ihrem Rating richten", erläuterte er die Misere.

Horns Vorschlag zur Auflösung des Dilemmas: Die Urteile der Ratingagenturen aus den Regulierungsvorschriften einfach herausnehmen. "Wir müssen ihnen die politisch verliehene Macht nehmen und sie tatsächlich als Meinungsäußerung im Chor vieler Meinungen behandeln." Die Debatte über die Macht der Ratingagenturen werde angesichts dieser Herabstufung wieder aufflammen - "und vielleicht auch zu einer Änderung führen".

Weil China massiv in US-Staatsanleihen investiert hat, werde auch dort die US-Herabstufung Konsequenzen nach sich ziehen. Eine gezielt strategische Umorientierung könne jedoch nur ein langfristiger Prozess sein. "Aber klar ist, dass China genau so negativ betroffen sein wird wie die USA, beide Länder sind eng durch die Rolle als Gläubiger und Schuldner miteinander verwoben", erklärte Horn. "Und dabei kommt keiner ungeschoren davon."

(dapd )


 


 

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