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"Da steckt viel Musik für Hochtief drin"

Neuer Konzernchef setzt nach ACS-Übernahme eigene Akzente

Knapp 100 Tage ist es her, dass der spanische Baukonzern ACS de facto die Macht bei Deutschlands größtem Bauunternehmen Hochtief übernommen hat. Doch Befürchtungen, die Spanier würden danach dem Essener Baukonzern im Schnellverfahren ihren Stempel aufdrücken oder ihn möglicherweise sogar zerschlagen, haben sich bisher nicht bestätigt.

Von Erich Reimann

Und glaubt man Frank Stieler, dem im Mai mit Unterstützung der Spanier inthronisierten neuen Hochtief-Chef, wird sich daran auf absehbare Zeit auch nichts ändern. Hochtief werde "ein erfolgreicher, eigenständiger Konzern mit Sitz in Essen bleiben und seine Entscheidungen selbstständig treffen", sagte der 52-jährige Vorstandsvorsitzende am Mittwoch bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz in Düsseldorf.

Der in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Manager hat kein leichtes Erbe angetreten. Als Nachfolger von Herbert Lütkestratkötter, der Symbolfigur in der vergeblichen Abwehrschlacht gegen ACS, muss er die Wunden heilen und helfen, den Blick der Konzernmitarbeiter wieder nach vorne zu richten.

Während viele Mitarbeiter noch immer mit dem gelungenen Übernahmecoup des ACS-Chefs und Real-Madrid-Präsidenten Florentino Perez hadern, hat Stieler keine Berührungsängste gegenüber dem Spanier. "Ich würde mich freuen, wenn ich mal zu Real Madrid eingeladen würde", sagte der bekennende Sportfan kürzlich. "Da war ich noch nicht." Aber natürlich habe er Perez schon außerhalb des Stadions getroffen.

Wundheiler und Krisenmanager

Wie sein Vorgänger Lütkestratkötter ist auch Stieler sportlich. Drei bis viermal in der Woche läuft er zehn Kilometer. Oft ist er schon morgens um kurz vor 6.00 Uhr am Düsseldorfer Rheinufer beim Joggen anzutreffen.

Die Fitness dürfte Stieler jetzt zugutekommen, denn der Manager muss nicht nur die Wunden des Übernahmekampfs heilen, sondern sich auch als Krisenmanager bewähren. Probleme mit Großprojekten in Australien haben Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief im ersten Halbjahr tiefrote Zahlen beschert. Unter dem Strich musste das Unternehmen einen Verlust von 115,6 Millionen Euro ausweisen.

Verursacht wurden die Verluste durch Fehlkalkulationen bei australischen Großprojekten - einer Meerwasserentsalzungsanlage in Melbourne und dem Straßenprojekt Airport Link in Brisbane. Außerdem musste der Konzern hohe Wertberichtigungen bei seiner arabischen Beteiligung Habtoor Leighton Group vornehmen.

Doch inzwischen scheint das Schlimmste überstanden. "Wir erwarten keine weiteren Ergebnisbelastungen aus Australien", sagte Finanzvorstand Burkhard Lohr. Ein neues Risikomanagementsystem soll ähnliche Einbrüche in Zukunft vermeiden helfen.

Der neue Konzernchef blickt denn auch optimistisch in die Zukunft. Große Wachstumschancen erwartet er nicht zuletzt von der Energiewende in Deutschland. Beim Bau von Offshore-Windparks, Stromtrassen und Energiespeichern, aber auch beim Rückbau von Kernkraftwerken könne Hochtief von seinen umfangreichen Erfahrungen profitieren. "Da steckt viel Musik für Hochtief drin", sagt der Manager.

(dapd )


 


 

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