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DIW Berlin Rentenreformvorschlag

Höhere Renten für Geringverdiener - Rentenreform soll Altersarmut entgegenwirken

Drohende Altersarmut - welche Trends dafür sprechen

Als kritische Schwelle für Altersarmut gilt der Wert, unterhalb dessen das Alterseinkommen (meist eben die Rente) unterhalb dem Niveau der Grundsicherung liegt - sprich auf Sozialhilfeniveau.

Mehrere Faktoren sprechen derzeit für einen künftigen Anstieg von Altersarmut. So wird die jüngste Rentenreform bis 2030 zu einem Absinken der durchschnittlichen Rentenhöhe um 15 Prozent führen. Wer schon heute wenig verdient, hat künftig also eher ein Einkommen unterhalb der Grundsicherung.

Dieser Entwicklung wollte die Bundesregierung bei der Rentenreform durch eine Stärkung der privaten Altersvorsorge vorbeugen. Doch bei Geringverdienern klappt dieser private Vermögensaufbau aus mehreren Gründen nicht - und zwar nicht allein aufgrund der niedrigen Einkommen.

  • So fehlen vor allem die Anreize zur privaten Altersvorsorge, denn Einkünfte aus der privaten  Altersvorsorge werden derzeit auf die Grundsicherung angerechnet.

  • Außerdem sind für die private Altersvorsorge nur geringe Freibeträge vorgesehen, die im Fall längerer Arbeitslosigkeit nicht aufgebraucht werden müssen. Gerade Geringverdiener sind aber besonders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen.

Jeder eingezahlte Euro ist gleich viel wert - eine Fiktion

Nach dem Prinzip der sogenannten Teilhabeäquivalenz soll jeder eingezahlte Euro zu gleich hohen Rentenansprüchen führen. Auf den ersten Blick funktioniert dieses System tatsächlich: Bezog ein Beitragszahler immer das doppelte Einkommen des anderen (und zahlte daher die doppelten Beiträge), so ist seine monatliche Rente doppelt so hoch wie die des anderen.

Der Mangel dieses Konzept besteht allerdings darin, dass allein die monatlichen Rentenansprüche in einer festen Relation zu den insgesamt gezahlten Beiträgen stehen. Eine Aussage über die Verteilungsneutralität kann aber erst dann getroffen werden, wenn die gesamte (erwartete) Rentenleistung zu den insgesamt gezahlten Beiträgen ins Verhältnis gesetzt wird. Die gesamte Rentenleistung hängt allerdings neben der monatlichen Rente auch von der erwarteten Bezugsdauer der Rente ab, die wiederum von der Lebenserwartung der entsprechenden Einkommensgruppe bestimmt wird. In zahlreichen Studien wird zudem nachgewiesen, dass die Lebenserwartung systematisch mit steigendem Einkommen zunimmt.

(Redaktion)


 


 

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1 Kommentar

von Irmingard
29.01.09 16:00 Uhr
Vorschlag ist unsolidarisch, nicht zielgenau

Zum Vorschlag des DIW, die Rente zuungunsten von Versicherten mit längerer Lebenserwartung umzuverteilen, erklärt Irmingard Schewe-Gerigk, Parlamentarische Geschäftsführerin, renten- und frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Bundestagsfraktion:
Der Vorschlag des DIW, eine Umverteilung der Renten zulasten von Versicherten mit einer längeren Lebenserwartung vorzunehmen, ist in Wirklichkeit frauendiskriminierend, unsolidarisch und rentenpolitisch nicht zielgenau. Zuallererst würden generell die Renten von Frauen gekürzt werden, denn ihre Lebenserwartung ist statistisch um rund vier Jahre länger als die der Männer. Die Frauen würden somit pauschal für ihr Verhalten im generativen Prozess bestraft werden. Denn ihre Rente ist wesentlich geringer, unter anderem weil sie ihre Erwerbstätigkeit zugunsten von Kindererziehung und Pflege von Angehörigen länger unterbrechen. Der Vorschlag ist aber auch rentenpolitisch nicht zielgenau. Denn es wird nicht unterschieden zwischen Lebenserwartung und Rentenbezugsdauer. Untersuchungen zeigen: Versicherte mit höherem Einkommen gehen später und Versicherte mit weniger Einkommen gehen üblicherweise wesentlich früher in Rente, oft bereits mit Ende 50. Deshalb ist ihre Rentenbezugsdauer nicht kürzer als die der Versicherten mit einer längeren Lebenserwartung.
Die zukünftige Entwicklung der Altersarmut ist sehr ernst zu nehmen. Deshalb schlagen wir vor, die Entgelte von geringen Einkommen aus Steuermitteln hochzuwerten. Damit würde auch die Ursache von steigender Altersarmut bekämpft, die aus der massiven Ausweitung des Niedriglohnsektors resultiert. Die Finanzierung aus Steuermitteln ist sozial ausgewogener als der Vorschlag des DIW, denn so werden auch Steuerzahlende in den solidarischen Ausgleich einbezogen, die über wesentlich mehr Einkommen verfügen und mit ihrem Einkommen ohnehin über der Beitragsbemessungsgrenze liegen.

 

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