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Aldi Süd verhalf zum Durchbruch

Uli Hoeneß - Wurstfabrikant aus Leidenschaft

Was für einen Prominenten wie Uli Hoeneß unvergesslich ist, glaubt man ungefähr zu wissen. Die Fußball-Weltmeisterschaft 1974, der verschossene Elfmeter im EM-Finale 1976, zahlreiche Titelfeiern des FC Bayern München auf dem Marienplatz, die er als Spieler oder als Manager des Klubs mitmachte, schließlich ein wundersam überlebter Flugzeugabsturz.


Von Raimund Witkop

Fragt man ihn selbst, gehört ein weiteres Datum unbedingt in diese Reihe: der 6. März 1982 - und damit ein Treffen in einem Zweckbau in Mülheim an der Ruhr. Hier der erst 31-Jährige Fußballmanager, den eine Knieverletzung früh vom Platz gezwungen hatte; dort der mächtige Chef-Einkäufer von Aldi Süd, der über ein merkwürdiges Ansinnen zu entscheiden hat: Eine Metzgerei, die täglich vielleicht 50 Kilo Nürnberger Rostbratwürstchen für den eigenen Laden herstellt, will Lieferant des Discount-Giganten werden. Der entscheidende Dialog lief nach Hoeneß' Erinnerung etwa so: "Wenn Sie uns zwei Lager geben, je 60 Geschäfte, dann schaffen wir das." Gegenfrage: "Wann können Sie liefern?" Die Antwort: "Geben Sie uns sechs Wochen."

Die nächste Zeit war hart für Hoeneß und den Freund und Metzger Werner Weiß, die beiden Teilhaber der Firma HoWe. Die Bekanntschaft entstand zufällig im Sport-Umfeld, führte Hoeneß aber auf vertrautes Terrain - in der elterlichen Metzgerei in Ulm mussten die Kinder früh mit anpacken. "Nürnberger" gab es dort nicht, schließlich ist die weltweit geschätzte Spezialität geschützt und darf nur in Nürnberg produziert werden.

Das um die typische Majoran-Note aufgebaute Rezept kam von Weiß, ansonsten fehlte alles. Fleisch wurde geordert, Räume gemietet, Maschinen geleast, 15 Mitarbeiter angeheuert. In der Nacht vor dem ersten Liefertermin machten Hoeneß und seine Frau eigenhändig die letzten Paletten fertig. Fünf Tonnen Wurst hatte die aus dem Nürnberger Boden gestampfte Fabrik verarbeitet. Heute sind es schon mal 50 Tonnen pro Tag, die in etliche europäische Länder und neuerdings auch in die USA geliefert werden. Australien ist das nächste Ziel.

Wie das damals alles ging, als Manager des großen FC Bayern? "Der war damals ja nicht so groß", sagt Uli Hoeneß, "15 bis 20 Millionen Mark Umsatz, ein normaler Verein. Da konnte man schon mal weg." Sein heutiges Präsidentenbüro an der Säbener Straße, von der Ehefrau heimelig mit hellem Holz ausgestattet, könnte immer noch in jene Zeit passen. Die Umgebung eindeutig nicht: Modernste Trainingsanlagen und repräsentative Räume weisen Bayern München als ein Machtzentrum des Weltfußballs aus. Der Klub entwickelte sich unter Hoeneß mit rund 325 Millionen Euro Umsatz zur Nummer vier hinter Barcelona, Real Madrid und Manchester United. Im Unterschied zu denen aber, wie Hoeneß gern erläutert, ohne nennenswerte Schulden.

"Ein Familienunternehmen im besten Sinn"

Das Gleiche gilt für das private Unternehmen in Nürnberg. "Wir sind organisch gewachsen, ohne Vorgaben von außen", versichert Hoeneß. Den heutigen Umsatz von etwa 45 Millionen Euro steuert seit zehn Jahren sein Sohn Florian als Geschäftsführer, für den Vater eine ideale Konstellation: "Das ist ein Familienunternehmen im besten Sinn, die Mitarbeiter bleiben lange bei uns, und wir kennen jeden." Einen patriarchalischen Zug in der Unternehmensführung will Hoeneß gar nicht verbergen, etwa im Umgang mit Gewerkschaften: "Die sind sauer, dass sie bei uns nichts werden. Aber von unseren Mitarbeitern ist noch keiner deswegen gekommen." Sich im besonders umkämpften und kostensensiblen Discount-Sektor zu behaupten, scheint ihn besonders zu reizen: "Wir liefern erstklassige Qualität und bekommen dafür einen Preis, der das Überleben ermöglicht."

Auf mögliche Parallelen zwischen seinen beiden Geschäftsfeldern ist Uli Hoeneß schwer anzusprechen, da er sie strikt trennt: "Die Firma ist meine Privatsache, ich habe streng darauf geachtet, nichts zu vermischen." Als Discount-Produzent, der in jedem Land genau eine Ladenkette exklusiv beliefert, konnte er auf den Einsatz seiner enormen Popularität zugunsten der Firma ohnehin verzichten - in diesem Sektor entscheiden Produkt und Preis, nicht Markenname und Werbung. Für einen "Nürn- Burger ", die McDonald's-Variante der klassischen "Drei im Weggla" aus Nürnberger Imbissbuden, machte er eine Ausnahme.

Doch Hoeneß' aus dem Fußball bekannte Herzhaftigkeit, bisweilen gepaart mit einer gewissen Rauflust, kommt im Unternehmen allenfalls intern zum Tragen. Gerade wurde der Betrieb für acht Millionen Euro ausgebaut und modernisiert, zur kommenden Grillsaison sind bis zu 300 Mitarbeiter am Werk. Der Markt ist mit vier großen Herstellern in Nürnberg angenehm überschaubar, anders als im Fußball kann hier nicht plötzlich eine junge Rasselbande aus Dortmund als Konkurrenz auftauchen.

Tatsächlich funktioniert die Parallele zwischen dem Wurstfabrikanten und dem Fußballmanager eher andersherum: Der Wirtschaftsbetrieb FC Bayern München, den der Manager so energisch in die sportliche Moderne geführt hat, nimmt sich unter lauter Aktiengesellschaften und Investitionsobjekten, die die Champions League füllen, wie eines der letzten Familienunternehmen aus. Mit Uli Hoeneß, dem Präsidenten und Aufsichtsratschef, in der Rolle des guten Patrons: "Ich habe den FC Bayern nie wie ein angestellter Manager geführt", sagt er, "sondern immer so, als würde mir der Laden selbst gehören." Blickt man sich um an der Säbener Straße, war das eine gute Idee.
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(dapd )


 


 

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