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HSH Nordbank

EU zwingt Landesbank zu Schrumpfkur mit Verlust von 1.200 Stellen - 900 mehr als geplant

Die norddeutsche Landesbank HSH Nordbank streicht bis 2014 rund 1.200 Vollzeitstellen. Das sind 900 mehr als bisher geplant war. Die Landesbank der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein trennt sich von zahlreichen Unternehmensgebieten und erfüllt damit Auflagen der EU-Kommission, wie die Bank am Donnerstagabend nach einer Aufsichtssratssitzung mitteilte. Die Zahl der vom Abbau betroffenen Mitarbeiter wird deutlich größer als 1.200 ausfallen, weil die Bank viel Teilzeitpersonal beschäftigt.

Von Claus-Peter Tiemann

Die HSH Nordbank konnte 2009 nach schweren Fehlspekulationen nur mit drei Milliarden Euro zusätzlichem Kapital und zehn Milliarden Euro Garantien der beiden Länder vor dem Untergang gerettet werden, was aber die EU-Wettbewerbskommission auf den Plan rief. Sie ermittelte wegen illegaler Beihilfe. Seit 2009 wurden bereits 1.000 Arbeitsplätze gestrichen. Mit dem weiteren Abbau sollen die letzten Bedenken der EU-Kommission ausgeräumt werden.

Der Aufsichtsrat beschloss laut Mitteilung unter anderem den Ausstieg aus der Flugzeugfinanzierung und der internationalen Immobilienfinanzierung sowie die Schließung der Filialen in Paris, Amsterdam und Schanghai. Trotzdem wird der größte Stellenabbau die Hauptsitze in Hamburg und Kiel treffen.

HSH will sich als "Bank der Unternehmer" präsentieren

Nach einem nun beschlossenen Strategiekonzept will sich die HSH Nordbank künftig als "Bank der Unternehmer" in Norddeutschland präsentieren. Das bisher sehr starke Geschäft der Schiffsfinanzierung wird verkleinert, aber weitergeführt. Die Bilanzsumme soll von jetzt 131 Milliarden auf 82 Milliarden Euro fallen.

"Die von der EU-Kommission geforderten Zusagen haben massive Auswirkungen auf unser Geschäft und stellen uns vor eine große unternehmerische Herausforderung. Die vorgegebene Zielgröße der Bank liegt um mehr als ein Viertel unter der ursprünglich vorgelegten Planung von 2009", erklärte der Vorstandsvorsitzende Paul Lerbinger.

Die Bank kündigte eine Reduzierung des Verwaltungsaufwands um rund 30 Prozent auf 620 Millionen Euro an. Insgesamt soll die Zahl der Vollzeitstellen bis 2014 stärker als bisher geplant von derzeit 3.313 auf etwa 2.120 sinken. Die Auslandsstützpunkte sowie die Tochterunternehmen der Bank seien verhältnismäßig am stärksten vom Personalabbau betroffen. Die Hauptsitze in Hamburg und Kiel würden etwa gleichermaßen tangiert.

Weitere Kapitalerhöhung geplant

Die Bank beabsichtigt außerdem eine weitere Kapitalerhöhung durch die beiden Länder. Dazu plant sie eine Zahlung von 500 Millionen Euro an die Länder als zusätzliche Vergütung für die Übernahme von Verlustgarantien. Diese halbe Milliarde Euro fließt nach den Plänen aber sofort als Kapitalerhöhung zurück an die Bank. Dadurch steigt der Anteil der Länder, die Anteile der Mitbesitzer, der Sparkassen in Schleswig-Holstein und einer privaten Investorengruppe, werden verwässert.

Laut Lerbinger erwartet die HSH für 2011 am Jahresende daher rote Zahlen, weil diese Zahlung sowie die Kosten des Sozialplans für die Entlassungen das Ergebnis belasten. Zum Halbjahr meldete die Bank dagegen noch einen Nettogewinn von 338 Millionen Euro, nach einem Verlust von 380 Millionen im Vorjahreszeitraum. Wegen der besseren Konjunkturlage konnte die Bank Risikovorsorgen auflösen und allein daraus 271 Millionen Euro einnehmen.

(dapd )


 


 

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