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ThyssenKrupp sondiert erste Angebote für Edelstahlsparte

Beim Industriekonzern ThyssenKrupp werden erste Angebote für die zum Verkauf stehende Edelstahlsparte sondiert. Eine Entscheidung auf der am Freitag anstehenden Aufsichtsratssitzung ist jedoch nicht zu erwarten, wie aus Kreisen des Unternehmens und am Prozess beteiligter Banken am Donnerstag zu erfahren war. Noch hält sich der Konzern alle Möglichkeiten offen.


Von Eyk Henning und Martin Rapp

"Eine Abspaltung wird auf der Hauptversammlung nicht zur Abstimmung gestellt", sagte eine der mit den Planungen vertrauten Personen. Das jährliche Aktionärstreffen findet am 20. Januar statt, etwa Mitte Dezember wären die entsprechenden Einladungen zu drucken. Doch so eilig hat es der Ruhrkonzern nicht. Einerseits sieht der Zeitplan eine Abgabe der in ihren Ergebnissen schwankenden Sparte bis September 2012 vor. Andererseits ließe sich eine Ausschüttung an die Aktionäre als Dividende , wie es der Konkurrent ArcelorMittal vorgemacht hat, auch in einer außerordentlichen Hauptversammlung beschließen, wie es im Unternehmen hieß.

Dazu kommt, dass in der von ThyssenKrupp gesetzten Frist bis vergangenen Freitag wohl zumindest ausreichend interessante Angebote eingetroffen sind. So habe etwa der Finanzinvestor Apollo eine Offerte für die nun unter "Inoxum" firmierende Sparte abgegeben, für die sich das DAX-Unternehmen einen Milliardenerlös erhofft. Doch in Bankkreisen wird bezweifelt, dass Finanzinvestoren bei der derzeitigen Marktlage ausreichend Fremdkapital auftreiben könnten. "Der Markt ist ziemlich eng zurzeit und der Umstand, dass Edelstahl ein extrem zyklisches Geschäft ist, erschwert das Ansinnen für einen Finanzinvestor zusätzlich", hieß es an einer Stelle.

Ein Käufer mit strategischem Interesse bleibt eine andere Option. Doch die in Europa tätigen üblichen Verdächtigen Aperam, Acerinox und Outokumpu müssten wohl mit kartellrechtlichen Problemen rechnen. Immer wieder war in der Vergangenheit über ein mögliches Zusammengehen der Edelstahlsparte von ThyssenKrupp mit den Wettbewerbern spekuliert worden. Bis 2009 hatten die Deutschen versucht, für das von schwankenden Nickelpreisen und unter Überkapazitäten leidende Geschäft einen Partner zu finden, sich dann aber für eine Fortführung des Geschäfts in Eigenregie entschieden.

Möglicherweise käme auch ein asiatischer Interessent in Frage, sagte eine Person aus dem Unternehmen, ohne einen Namen zu nennen. Ob Stratege oder Private-Equity-Investor - jeder Käufer müsste die starken Gewerkschaften überzeugen, die sich ein Mitspracherecht ausgedungen haben.

Selbst ein Börsengang ist noch nicht vom Tisch, obwohl selbst im oberen Management diese Option im Moment als unwahrscheinlich eingestuft wird. Zu sehr sind die Finanzmärkte in Aufruhr. Doch auch hier könnte sich die Lage bis Herbst 2012 noch ändern, heißt es. Einem Analysten zufolge könnte die Sparte durchaus wie von ThyssenKrupp erhofft drei Milliarden Euro einbringen - in normalen Zeiten. Wahrscheinlich werde wegen der sich eintrübenden Konjunkturaussichten aber ein deutlich geringerer Wert erzielt.

Der neue Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger hatte den Bereich im Mai zusammen mit anderen Segmenten zur Disposition gestellt und folgt damit dem Beispiel von ArcelorMittal. Der weltgrößte ThyssenKrupp-Wettbewerber hatte sein Edelstahlgeschäft in Aktien gestückelt und Anfang des Jahres an seine Aktionäre verteilt. Bei dieser Lösung könnte sich ThyssenKrupp von Schulden befreien, die der Einheit mitgegeben werden. Hier sind rund eine Milliarde Euro im Gespräch, rund ein Sechstel der Ende Juni ausgewiesenen Nettoverschuldung des Konzerns. Hinzu kämen Pensionsverpflichtungen.

Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich zum Stand des Prozesses nicht im Einzelnen äußern. Er bekräftigte, dass sich das Unternehmen alle Optionen für eine Trennung offen halte.

(Dieser Meldung liegt eine Dow-Jones-Nachricht zugrunde.)

(dapd )


 


 

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