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"homo oeconomicus" am Ende

Interdisziplinäre Erkenntnisse der Wissenschaft als Ausweg aus der Krise

Der "homo oeconomicus" ist der gängigen wirtschaftswissenschaftlichen Meinung nach ein reiner Nutzenmaximierer. Allzu oft wird dabei Nutzen mit Geld übersetzt, was eine Verkürzung dieser wissenschaftlichen Theorie darstellt. Tragisch ist, dass der monetär ausgerichtete homo oeconomicus als das universelle Leitbild der Akteure fungiert, die die Protagonisten der Weltwirtschaftskrise sind.

Die Medien machten und machen dem aufmerksamen Leser deutlich, dass die Ursache der jetzigen Weltwirtschaftskrise in dem Zusammenspiel von Markt-, Wissenschafts- und Politikversagen begründet liegt.

In diesem Zusammenhang wird gerne die überaus gängige Metapher des kranken Marktes aufgegriffen. So wie ein kranker Patient, benötigt auch der Markt zunächst den Zugang zu den erforderlichen Heilmitteln, um sich selbst helfen zu können. Ruhe und Zeit vermögen einem Patienten, ebenso wie dem Markt, nur in einem gewissen Umfang zu helfen.

Die Politik kann dem Markt nur nach bestem Wissen und Gewissen helfen

Die Politik kann dem kranken Markt nur nach bestem Wissen und Gewissen helfen - ähnlich dem Mediziner, der dem aidskranken Patienten nach heutigem Wissensstand Medikamente zur Verfügung stellen kann, die sein Leid lindern. Zu heilen vermag er ihn indes nicht – die Idee der Bad Bank kommt der verzweifeltsten Maßnahme des Mediziners gleich: dem Aderlass. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und eine Regulierung eines jeden Finanzakteurs sowie eines jeden Finanzproduktes an jedem Ort kommt dem überumsorgten Patienten gleich, der nie wieder das Laufen lernt, weil er das Gehen nicht mehr lernen darf. Wir sollten nicht vergessen, dass es der freie Markt war, dem wir unseren Wohlstand zu verdanken haben.

Die Wirtschaftswissenschaft versucht seit jeher sowohl dem Markt zur Selbstheilung die notwendigen Mittel zugänglich zu machen, als auch der Politik zur Außenheilung die notwendigen Instrumente zur Verfügung zu stellen.

Dass der Markt in der momentanen Situation keinen Zugang zu Heilmitteln hat, außer zu Zeit und Ruhe, sieht die Welt mit großem Bedauern. Hat der Markt sich selbst zerstört?

Begriff der Nachhaltigkeit wird äußerst inflationär gebraucht

Obwohl, oder gerade weil der Begriff der Nachhaltigkeit seit langem schon äußerst inflationär gebraucht wird, soll hier auf seinen eigentlichen Gehalt eingegangen werden. Im Sinne der wirtschaftswissenschaftlichen Nachhaltigkeitsdebatte beruht dieser Begriff, wie er wesentlich von dem Brundtlandbericht von Rio de Janeiro 1992 geprägt worden ist, auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales.

Dass ein Wirtschaftsakteur ökonomisch handeln muss, ist allen klar und auch die Nachhaltigkeitsstrategie erklärt sich dem ökonomischen Prinzip der Gewinnmaximierung verbunden – wer Pleite geht, kann schließlich gar nicht mehr handeln.

Dass ein Wirtschaftsakteur im eigenen monetären Interesse, mindestens langfristig ökologisch handeln muss, ist spätestens seit der Monetarisierung des Klimawandels durch den Stern-Report von 2006 auch den letzten Trutzburgen des reinen Kapitalismus klar geworden.


 


 

Sebastian Hölzl
Arne Hölzl
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