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Kommentar von Andreas Hippin

Strukturbruch bei der Telekommunikation

Den großen Telekomkonzernen ist gerade ihr wichtigster Hoffnungsträger abhandengekommen. Das mobile Internet sollte Stagnation und Schrumpfung in anderen Geschäftsfeldern nicht nur ausgleichen, sondern Wachstum ermöglichen. Die niederländische KPN demonstriert mit ihren jüngsten Geschäftszahlen, dass sich die enorme Zunahme des mobilen Datenverkehrs keineswegs in einem höheren Erlös widerspiegeln muss. Offenbar haben sich die Parameter für das Marketing-Modell geändert, auf das die Branche gesetzt hat. In der Mathematik heißt das Strukturbruch.

Geändert hat sich vor allem das Verbraucherverhalten. Je mehr Verbraucher ein Smartphone mit Internetanbindung besitzen, desto weniger werden sie sich mit SMS oder MMS (Multimedia Messaging Service) aufhalten. Schließlich ist das Verschicken von E-Mails mit Bildanhang durch Daten-Flatrates ebenso abgegolten wie die Nutzung von Kurznachrichtendiensten wie "Whats App" für das iPhone von Apple. Und auch über Internetangebote wie Facebook oder Twitter kann man sich unterwegs seinen Freunden und Bekannten mitteilen.

Der Abschied von der margenstarken SMS, der nach knapp 20 Jahren in greifbare Nähe rückt, ist aber erst der Anfang vom Ende der Wachstumshoffnung mobiles Internet: Technisch versierte Verbraucher können bereits ohne Aufpreis vom Smartphone aus kostenlose Internet-Telefoniedienste wie Skype nutzen.

Preiskampf tobt

Der von den Telefongesellschaften durch subventionierte Geräte für Vertragskunden mitfinanzierte Siegeszug der mobilen Hochleistungsrechner im Westentaschenformat wird ihnen nicht die erhofften Umsätze bringen. Längst hat sich der Preiskampf, der im Festnetz schon seit langem tobt, auf das mobile Internet ausgeweitet. Versuche, den uneingeschränkten Datenverkehr zum Schnäppchenpreis wieder einzuschränken, stoßen nicht nur auf wenig Gegenliebe bei den Verbrauchern, es gibt auch immer Wettbewerber mit günstigeren Angeboten.

Kein Wunder, dass KPN rückläufige Erlöse im Mobilfunkgeschäft auf dem Heimatmarkt beklagt und einen verhalteneren Ausblick auf die Gewinnentwicklung gibt. Auch die skandinavische TeliaSonera hat Anfang der Woche ihre Umsatzprognose für das Gesamtjahr gesenkt. Im ersten Quartal war der Erlös des Konzerns überraschend geschrumpft. Man darf gespannt sein, wer als Nächstes seine Prognosen zurückzieht. Die Quartalsberichterstattung der europäischen Telekomkonzerne hat eben erst begonnen.

Der Autor schreibt für die in Frankfurt/Main erscheinende "Börsen-Zeitung".

(Redaktion / ots)


 


 

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