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Bundesbank verteidigt EZB-Geldschwemme

Italien sieht dank EZB Licht am Ende des Schuldentunnels

Es ist ein Hoffnungsschimmer am Ende des Schuldenjahres 2011: Weil auch die italienischen Banken dank der Europäischen Zentralbank (EZB) im Geld schwimmen, greifen Investoren wieder bei den Staatsanleihen der drittgrößten Euro-Wirtschaftsmacht zu. Der Geldsegen für die Banken, der ihnen kurz vor Weihnachten fast eine halbe Billion Euro beschert hatte, ließ einige die Sorgen vergessen.

Von Roman Keßler

Jetzt ist auch für Italien wieder Geld da. Ministerpräsident Mario Monti, der in Rom auch das Wirtschaftsministerium führt, ließ am Mittwoch Schuldtitel im Wert von rund 11 Milliarden versteigern. Das gelang ihm gut. In einer Tranche, die allerdings nur sechs Monate Laufzeit hat, nahm Italien neun Milliarden Euro auf - Investoren hätten sogar mehr als 15 Milliarden genommen. Auf die Gebote mit den höchsten Zinsen konnte Monti diesmal dankend verzichten.

Die Renditen für italienische Anleihen halbierten sich deshalb nahezu - ein riesiger Schritt vorwärts also. Je nach Laufzeit musste Italien nur zwischen 3,25 und 4,85 Prozent bezahlen. Das wurde allgemein als gutes Zeichen empfunden. Auch Europas Aktienhändler sahen das positiv. In Mailand kauften sie kräftig und ließen den Leitindex MIB um bis zu 1,2 Prozent steigen, später fiel er wieder. In Frankfurt drehte der Dax vorübergehend ebenfalls ins Plus.

Monti will in den ersten drei Monaten des neuen Jahres weitere 40 Milliarden Euro erlösen. Die Vorzeichen dafür sind gut.

Bundesbank verteidigt ungewöhnliche Stützung der Banken

Vor diesem Hintergrund verteidigte Bundesbankpräsident Jens Weidmann den ungewöhnlichen Geldsegen für die Banken. Er sei nicht von Dauer, aber derzeit nötig. "Es ist eine Überbrückungshilfe für die Banken, die erst dann wieder gefestigt dastehen können, wenn die Staatsschuldenkrise überwunden ist", sagte Weidmann dem Magazin "Stern".

Weidmann hatte bei mehreren Gelegenheiten zu verstehen gegeben, dass er Bauchschmerzen habe, den Staaten direkt mit Käufen von Staatsanleihen zu helfen. Den Geldsegen für die Banken hält er ebenfalls für "eine ungewöhnliche Maßnahme, auch in dieser Höhe". Sie sei aber notwendig, um "den Kreditfluss in der Wirtschaft in Gang zu halten".

Nach Ansicht eines Bankers, dessen Institut Italien bei der Platzierung der Anleihen am Mittwoch half, hat die EZB mit der Geldschwemme den Staaten indirekt geholfen. "Die hervorragende Versorgung der italienischen Banken mit Liquidität durch die EZB hat eine der Hauptsorgen genommen", sagte er.

Zehnjahresrendite stieg jedoch wieder Richtung sieben Prozent

Es gab aber auch negative Stimmen. Ein bekannter Finanzblogger, der sich im Internet nach der Hauptfigur des Thrillers "Fight Club", Tyler Durden, nennt, bezeichnete die Auktion als "irrelevant". Schließlich seien hauptsächlich Titel von kurzer Laufzeit verkauft worden. "Sogar Griechenland kann das", schrieb der Blogger. Er verwies damit auf die Hauptorientierungsgröße im Billionen-Euro-Markt für italienische Staatsanleihen, die zehnjährigen Anleihen. Deren Rendite sank kurz, notierte aber später wieder gefährlich nahe an der viel zu hohen Sieben-Prozent-Marke.

Die EZB will mit dem Geldsegen die Kreditvergabe der Banken untereinander wieder in Schwung bringen. "Das Geld zirkuliert einfach nicht" in der Wirtschaft, sagte EZB-Präsident Mario Draghi, als er die Maßnahmen im Dezember ankündigte. Die prekäre Lage der Banken hatte auch einschneidende Wirkung auf die Geldpolitik und damit auf die Kreditversorgung von Haushalten und Unternehmen.

Die EZB versucht durch den Leitzins, über den sie einmal im Monat im Frankfurter Eurotower entscheidet, die Wirtschaft zu steuern. In zwei Schritten hatte die Notenbank den Leitzins seit Draghis Amtsantritt im November überraschend stark auf nun 1,00 Prozent gesenkt.

(dapd )


 


 

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