Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
Jade-Weser-Port-Bahnstrecke

Rund 600 Anwohner demonstrierten in Oldenburg gegen Bahnlärm

Etwa 600 Teilnehmer zählte am Samstag eine Demonstration in Oldenburg. Zeitgleich waren dort am Nachmittag zwei Demonstrationszüge aufgebrochen, um gegen den drohenden Bahnlärm auf der Jade-Weser-Port-Bahnstrecke zu demonstrieren. Die Züge vereinigten sich zur Abschlusskundgebung auf dem Oldenburger Lambertimarkt.

Bereits beim Sammelpunkt des einen Demonstrationszuges vor dem Forum "Alte Fleiwa" zeigte sich, dass zahlreiche Anwohner dem Aufruf der Organisatoren der Interessengemeinschaft der Bahnanlieger Oldenburgs (IBO) gefolgt waren. Das wiederum freute die IBO, wo man nach eigenem Bekunden nach vielen Jahren unter älteren Männern "endlich wieder" zahlreiche Familien entlang der Strecke für das Thema gewinnen konnte. Unterbrochen wurde die Ansprache der Verantwortlichen immer wieder von Bahnlärm - dieser kam allerdings nicht von echten Zügen, sondern von einer CD. 

Bahnlärm-Gegner fordern Umgehungstrasse

Die IBO-Bemühungen richten sich nach eigener Darstellung nicht gegen den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven an sich, sondern gegen die geplante zweigleisige Streckenführung durch das Oldenburger Stadtgebiet. Aufgrund der Vielzahl der zu erwarteten Güterzüge - erwartet werden bis zu 100 am Tag - fürchten die Bahnalieger neben dem damit verbundenen Lärm auch die Erschütterungen, mögliche Gefahrgutunfälle und eine Wertminderung ihrer Immobilien. Ein erneuter Rückschlag für die politischen Bemühungen um den zweigleisigen Ausbau der Strecke Oldenburg-Wilhelmshaven, um dessen Finanzierung so lange gerungen worden war. Die Forderung der IBO: Eine Umgehungsstrecke an Oldenburg vorbei. 

Auch die Niedersächsische Behörde für Straßenbau und Verkehr musste sich mit der Thematik auseinandersetzen. Neben 29 Stellungnahmen von Kommunen, Feuerwehren und anderen öffentlichen Stellen entlang der Strecke musste man sich dort im Rahmen der Anhörung für das Planfeststellungsverfahren mit insgesamt 544 Einwendungen beschäftigen, wovon 201 aus dem Bereich Rastede und 343 aus dem Stadtgebiet Oldenburg stammten.

In Oldenburg und in Rastede sorgt man sich neben den geplanten Lärmschutzwänden auch um mögliche Unfälle mit giftigen Chemikalien. Die dann verbreiterte Strecke müsste im Falle des Falles auch für Einsatzkräfte zugänglich sein. An einigen Stellen problematisch. Eine abschließende Genehmigung muss auf Grundlage der zusammenfassenden Stellungnahme der Landesbehörde nun das Eisenbahn-Bundesamt in Bonn erteilen. Dort steht eine Reaktion nach Angaben der Behörde allerdings noch aus.

Auch Oldenburgs OB anwesend

Auf der Abschlusskundgebung am Lambertimarkt sprach u.a.der Leiter des Theaters Laboratorium, Pavel Möller-Lück und stellte in seiner charismatisch vorgetragenen Ansprache heraus, dass die Stadt nicht durch eine Mauer geteilt werden dürfe - gemeint war allerdings nicht die deutsch-deutsche Teilung, sondern die geplante Lärmschutzwand für die Trasse durch das Stadtgebiet. Mit unter den Demonstranten neben dem Oldenburger Landtagsabgeordneten Wolfgang Wulf (SPD) auch Oldenburgs OB Gerd Schwandner (parteilos).

Kuriosum am Rande: Während auf der einen Seite des Platzes  demonstriert wurde, schleppte auf der anderen Seite der zufällig in die Szenerie geratener  Verantwortliche eines privaten Bahn-Konkurrenten mit seiner Familie dezent seine Koffer an den Demonstranten vorbei. Er blieb unerkannt.

Juristen und Schauspieler

Während der 2. Vorsitzende des Vereins Lärmschutz im Verkehr (Live), Oldenburgs Landgerichts-Vize Armin Frühauf, vor Ort auch Chancen für einen Erfolg vor Gericht sah, versuchten sich andere  darin, den Prozess um Herzen und Köpfe der Kundgebungsteilnehmer  zu gewinnen: in einer sehr gelungenen Darbietung mimten zwei Laien-Schauspieler eine norddeutsche Mutter und ihre Tochter.

Oldenburg behaupte Übermorgenstadt zu sein, so eine Darstellerin. Die Politiker hätten aber jahrelang vom Bau des Jade-Weser-Ports gewusst und nach der Devise gehandelt "Nichts hören, nichts sehen". Geschehen sei daher nichts. Das sei ja von Vorgestern, befand daraufhin die imaginäre Tochter. Und auch ihre Frage, was denn bei einem großen Unfall geschehe, wusste die imaginäre Mutter zu beantworten: dann sei Oldenburg nicht mehr Übermorgenstadt und die schönste Stadt im Nordwesten, sondern Vergangenheit.

Die Bahnlärm-Gegner wollen weiter demonstrieren.

(Redaktion)


 


 

Oldenburg
Jade-Weser-Port
Strecke
Bahnlärm
Mutter
Züge
Tochter
IBO
Lärmschutzwand
Oldenburg
Umgehungstrasse
Wolfgang Wulf
Gerd Schwandner

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Oldenburg" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: